Der Stausee im Maltatal, der sich hinter Österreichs größter Staumauer wieder auffüllt, ist viel leerer, als in den letzten Jahren um diese Zeit.
Ein Drittel des Wassers fehlte im vergangenen Sommer in den heimischen Flüssen. Für die Energiewirtschaft bedeutet das 25 Prozent weniger Stromproduktion – und eine entsprechende Unsicherheit bei den Strompreisen.
Doch das Wasser fehlte nicht nur während des Sommers – es wird auch weiterhin fehlen, etwa in Speicherteichen und Speicherseen der Energieversorger. Augenscheinlich konnten das Besucher der Kölnbreinsperre in den letzten Wochen beobachten. Der Stausee im Maltatal, der sich hinter Österreichs größter Staumauer derzeit wieder auffüllt, ist weit leerer, als er es in den letzten Jahren um diese Jahreszeit war.
„Österreichweit fiel rund 32 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt, das macht sich bei unseren Fließgewässern ebenso wie beim Grundwasser bemerkbar“, bilanzierte unlängst Umweltminister Norbert Totschnig(ÖVP). Wobei das Niederschlagsdefizit das gesamte Bundesgebiet betraf. Und dort zunehmend die Situation beim Wasserhaushalt verschärfte.
Doch neben dem ausbleibenden Regen und dem abschmelzenden Schnee ergibt sich für die Stauseen noch ein weiteres Problem durch den Klimawandel: Permafrost. Oder um genauer zu sein: schmelzender Permafrost. 39 von 67 großen Kraftwerksspeichern in den österreichischen Alpen liegen laut einer aktuellen WWF-Auswertung im räumlichen Nahbereich kartierter Permafrostgebiete. Die Sommer der nächsten Jahre werden diese Permafrostgebiete nach und nach zum Tauen bringen. Felsflanken können destabilisiert werden, Stürze von Gesteinsmassen können sogar Flutwellen in den Speicherseen auslösen. 14 der 39 genannten Speicher liegen übrigens in Kärnten, je neun in Salzburg und Tirol, sechs in Vorarlberg und einer in Oberösterreich.
„Die Klimakrise erhöht die Gefahrenlage in ihrem hochalpinen Umfeld. Daher muss Minister Totschnig die aktuellen Sicherheitsanalysen offenlegen und sicherstellen, dass die klimabedingten Risiken berücksichtigt werden“, fordert Bettina Urbanek vom WWF. Tatsächlich hat der Verbund – der Energiekonzern betreibt die Kraftwerksgruppe Malta-Reißeck – den verminderten Permafrost für seine Speicherseen untersucht. Fazit: Es bestehe kein erhöhtes Gefährdungspotenzial für die Speicherseen. Auch bei der Kraftwerksleistung ist man zuversichtlich. Man geht naturgemäß davon aus, dass sich die Niederschlagsmenge verschieben wird, aber über das Jahr rechnet man damit, dass sie sich einigermaßen stabil hält.
Was sich wohl ändern wird: die tägliche Handhabe. Denn während tagsüber die PV-Stromproduktion stark ins Netz einspeist und in den nächsten Jahren wohl noch mehr liefern wird, mussten die Speicherkraftwerke im Sommer vor allem am Abend den fehlenden Sonnenstrom kompensieren.
Von Thomas Cik
Kleine Zeitung




