Windkraft-Branche: Oberösterreich braucht 70 neue Windräder bis 2030

30. April 2026, Linz

Die vom Land selbst gesteckten Ziele scheinen unerreichbar – Landesrat weist Kritik zurück

Äußerst umstritten ist der Ausbau der Windkraft in Oberösterreich. Nun meldet sich der Branchenverband IG Windkraft mit Sitz in Wien zu Wort. „Es wird in Oberösterreich viel über die Windkraft, aber zu wenig mit der Windkraft gesprochen“, sagt IG-Geschäftsführer Florian Maringer.


Er kritisiert, dass das Land die von Energielandesrat Markus Achleitner (VP) im Dezember 2024 verkündeten Ausbauziele aus jetziger Sicht klar verpassen werde. Und diese Ziele seien ohnehin weit unter dem Potenzial der Windkraft.
Damals hieß es, bis 2030 soll Windstromproduktion im Ausmaß von einer Terawattstunde (TWh; 1000 Gigawattstunden) dazukommen, bis 2040 1,8 TWh. Das entspreche auch den EU-Mindestvorgaben, so Maringer.


Zum Vergleich: Zuletzt betrug der Jahresstromverbrauch Oberösterreichs 15,8 TWh. Die Windenergie-Erzeugung liegt bei 0,1 TWh. Es wird erwartet, dass der Stromverbrauch stark steigt – etwa wegen der Elektrifizierung der Stahlproduktion und des in Bau befindlichen Google-Rechenzentrums. Letzteres braucht laut IG Windkraft allein rund eine TWh.


Stern- bis Kobernaußerwald


Aktuell sind die Windkraft-Projekte Steiglberg, Kobernaußerwald, Sternwald, Königswiesen, Lachforst und Schiffberg geplant bzw. in Genehmigungsverfahren – und rechtssicher, wie Maringer sagt. Andere, wie der geplante Windpark Sandl, liegen in einer vom Land vorgesehenen Ausschlusszone. Mit den rechtssicheren Projekten würde Oberösterreich die Windstromproduktion bis 2030 um 545 GWh und bis 2040 um 1,1 TWh erhöhen. Es würde also nur etwas mehr als die Hälfte der ursprünglichen Ziele erreicht. Es würden 39 zusätzliche Windräder bis 2030 entstehen und damit deren Zahl von derzeit 31 auf 70 in Oberösterreich steigen. Will man das Ziel 2030 erreichen, bräuchte es laut IG Windkraft aber in etwa 70 statt 39 zusätzliche Windräder.


Insgesamt wäre in Oberösterreich laut Maringer viel mehr möglich – nämlich Windstromproduktion im Ausmaß von 8,2 TWh, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft würden, oder 4,7 TWh, wenn man auf 0,8 Prozent der Landesfläche Windkraftprojekte bauen würde. Weggefallen sind zuletzt mögliche Projekte in Burgkirchen, Grünbach und Schenkenfelden (gescheitert an Gemeinderat bzw. Bevölkerung). Das Kobernaußerwald-Projekt musste wegen Militärflugzonen halbiert werden.


Die IG Windkraft moniert, dass es noch keine Verordnung zur Zonierung gebe, dass Ausschlusszonen willkürlich definiert würden und dass es einen „Eiertanz“ bezüglich der Genehmigungsfähigkeit von Projekten wie Sandl und Sternwald zwischen Achleitner und Landeshauptmann Thomas Stelzer (VP) gebe. „Es braucht Rechtssicherheit, Planungssicherheit und mehr Sachlichkeit“, sagt Maringer.


„Ideologische Denkverbote“


„Man kann sich keine ideologischen Denkverbote erlauben, während die Straße von Hormus zu ist“, sagt Maringer auch in Richtung Naturschutzreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FP).
Dessen Büro erklärt: „Ausschlusszonen lehnen sich an den Windkraftmasterplan 2017 des Landes an und basieren auf intensiven fachlichen Prüfungen durch Experten der Landesverwaltung.“


Das Büro Achleitner teilt mit: „Oberösterreich bekennt sich klar zum Ausbau der erneuerbaren Energien und liegt dabei gemeinsam mit Niederösterreich an der Spitze.“ Die Umsetzung der Energiewende erfordere einen Mix aus Wasserkraft, Sonnenenergie, Biomasse und Windkraft.


Der Entwurf des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes des Bundes mit den Zielwerten für die Bundesländer sei derzeit in Begutachtung. „Die Windkraft-Projekte, die sich derzeit in verschiedensten Verfahrensstufen befinden, lassen die Erreichung dieser Zielwerte realistisch erscheinen.“ Beim Verordnungsprozess des Landes für die Beschleunigungsgebiete liefen derzeit das Anhörungsverfahren und der Konsultationsmechanismus. „Grundsätzlich gilt für den Ausbau der Windkraft in Oberösterreich nach wie vor: Überall, wo es ausreichend Wind gibt und Projekte genehmigungsfähig sind, sollen diese auch umgesetzt werden“, heißt es aus Achleitners Büro.

Oberösterreichische Nachrichten