Energie. Beim KURIER Speak Out Festival diskutierten Experten, was möglich wäre, wenn man das volle Potenzial erneuerbarer Energien hebt.
Zwei Technologien stehen ganz vorne, wenn es um die Dekarbonisierung des Energiesystems geht: Wind- und Solarkraft. Sie bieten das größte Ausbaupotenzial, ihre Verbreitung ist aber auch mit Problemen behaftet. Beim Speak Out Festival des KURIER diskutierte eine Expertenrunde darüber, wie die Zukunft der Energieversorgung aussehen könnte und wie man die Energiewende in richtige Bahnen lenkt.
Der sonnige Frühling hat in Österreich zu besonders viel Stromproduktion durch Photovoltaik geführt. „Das ist auf der einen Seite erfreulich, weil wir damit viel günstigen Strom haben. Auf der anderen Seite schmälert es die Geschäftsmodelle von Erzeugern“, sagt Vera Immitzer, Geschäftsführerin des Bundesverbands Photovoltaik Austria. Mit Negativpreisen verdient man nichts. Erzeugung und Verbrauch seien örtlich und zeitlich verschoben, weshalb ein massiver Speicherausbau notwendig sei.
Für Energieunternehmer Lukas Püspök ist die Kombination von Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeichern ideal. Sein Unternehmen hat erst vor wenigen Tagen einen Hybrid-Park in Nickelsdorf mit Österreichs größtem Batteriespeicher eröffnet. „Im Tagesverlauf und saisonal ergänzen sich Wind- und Solarenergie perfekt.“ An einem Standort mit beiden Technologien könne man einen gemeinsamen Netzanschluss nutzen.
„Missing Link“ gefunden
Batteriespeicher seien laut Püspök ein „Missing Link“, das konstante Versorgung trotz volatiler Erzeugung ermögliche. Es gebe auch andere Speichertechnologien, aber Batterien seien massiv im Preis gefallen und können innerhalb von Millisekunden reagieren. Insofern sollten sie bei Netzentgelten nicht schlechter behandelt werden als etwa Pumpspeicherkraftwerke. Das sei derzeit noch der Fall.
Für das optimale Zusammenwirken sämtlicher Komponenten im Stromnetz sei funktionierender Datenaustausch maßgeblich, sagt Franz Zöchbauer von Verbund X. Die Innovationsabteilung des Verbund investiere aus diesem Grund etwa in ein Start-up aus Rumänien, das mit KI Erzeugungsprognosen verbessere. „Denn je ungenauer wir prognostizieren, desto schwieriger wird es, das Energiesystem stabil zu halten.“
Beim Ausbau erneuerbarer Energien liege Österreich derzeit nicht im Plan, sagt Barbara Schmidt, vor allem bei der Windkraft. „Da ist in den letzten Jahren leider nicht sehr viel weitergegangen.“ Die Geschäftsführerin des Interessenverbandes Oesterreichs Energie vermisst den richtigen „Spirit“: „Nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern aus Gründen der Resilienz und der Sicherheit Österreichs sollte man auf erneuerbare Energien setzen. Dass der neue Landeshauptmann in Kärnten gleich in seinem ersten Interview sagt, er findet Windräder hässlich, das geht heutzutage nicht mehr.“ Man müsse eigene Ressourcen besser nützen. Neben Windkraft und Solar sei dies in Österreich vor allem auch die Wasserkraft.
Ängste schüren
Das bisherige Zögern mancher Bundesländer bei Windkraft sei laut Püspök „sehr, sehr schade“. „Windkraft eignet sich perfekt dazu, Ängste zu schüren, obwohl die Fakten alle klar sind.“ Dazu zähle auch, dass für das Winter-Halbjahr dringend mehr Windkraft benötigt werde.
Dass Strompreise trotz des hohen Erneuerbaren-Anteils in Österreich im internationalen Vergleich immer noch hoch seien, liegt laut Schmidt an einem immer noch unzureichenden Grad der Selbstversorgung in Österreich. „Wir können uns nur in jeder fünften Stunde mit unseren eigenen Erneuerbaren versorgen. In den Nachtstunden, im Herbst und Winter müssen wir auf andere Quellen zurückgreifen.“
Die Effizienz bei der Ökostromerzeugung wird sich in Zukunft weiter verbessern, sagt Zöchbauer. KI beschleunige den Fortschritt. „Weltweit ist ein Rennen um Energieinnovationen losgetreten worden.“ Daran sollte sich Österreich mutig beteiligen.
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