Hohe Abgaben: Energieversorger setzen Rotstift an

12. Juni 2026, Wien

Strom. Die Erzeuger wechseln in den Sparmodus, wollen die Energiewende aber rasch durchziehen. Daten der E-Control zeigen: Erneuerbare senken den Strompreis schon.



Am Mittwochvormittag lief in den Chefetagen der heimischen Energierversorger mit ziemlicher Sicherheit auch der Livestram der Budgetrede von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ). Immerhin wollen die Unternehmenschefs ja auch wissen, was sie in den kommenden beiden Jahren denn nun genau mit ihren erhöhten Abgaben finanzieren sollen. Sozialtarif, Industriestrompreis, Energiekrisenbeitrag, Versorgungsinfrastrukturbeitrag – die Liste der neuen finanziellen Verpflichtungen für Energielieferanten ist lang. Und das bleibt nicht ohne Folgen.


Natürlich müsse die Branche, die in den vergangenen Jahren gut verdient habe, zur Budgetkonsolidierung beitragen, sagt Leonhard Schitter, Vorstandschef der Energie AG in Oberösterreich, im Wiener „Klub der Wirtschaftspublizisten“. „Aber das verändert die Rahmenbedingungen für uns massiv.“ Bis 2030 müssten die Stromerzeuger im Land rund 2,2 Milliarden Euro an die Republik abliefern. Zusätzlich zu den Steuern und Dividenden, die die meist öffentlichen Eigentümer ohnedies erhalten. Und zusätzlich zu den milliardenschweren Investitionen, die der geplante Umbau des Energiesystems erfordert. „Unser finanzieller Spielraum wird massiv eingeschränkt“, so Schitter. Und die Betriebe müssten darauf reagieren.


Energiefirmen müssen sparen


Erste Energieversorger haben bereits vage angekündigt, in den kommenden Monaten Investitionen überdenken oder Mitarbeiter abbauen zu wollen. Die Energie AG wird nun erstmals wirklich konkret: Die zusätzlichen Belastungen würden sich auf rund 40 Millionen Euro im Jahr summieren. Das entspreche rund 14 Prozent des Betriebsgewinns aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr. Bis 2030 geht dem oberösterreichischen Landesversorger damit so viel Geld verloren, wie er gerade in den Bau des Wasserkraftwerks Traunfall steckt.


Deshalb muss nun auch bei der Energie AG jedes geplante Projekt aus den vier Milliarden Euro schweren Investitionsvorhaben auf den Prüfstand. Der Ausbau der Netze und der Wasserkraft solle jedenfalls wie geplant erfolgen, so der Unternehmenschef. Viele Solar- und Windkraftprojekte müssten aber neu gerechnet und „nach hinten verschoben“ werden. Neben der neuen „zeitlichen Priorisierung“ der Investitionen arbeitet das Unternehmen mit den Belegschaftsvertretern auch ein Effizienzprogramm aus, das helfen soll, die zusätzlichen Kosten zu kompensieren. Von den 5700 Mitarbeitern geht in den kommenden zehn Jahren jeder Dritte in Pension. Wie viele davon auch nachbesetzt werden, ist gerade Gegenstand interner Verhandlungen.


E-Control: Energiewende wirkt!


Bei anderen Mitbewerbern ist das Bild ganz ähnlich. Auch sie suchen nach Wegen, die Ausgaben nach unten zu schrauben und den Ausbau der Erneuerbaren dennoch halbwegs finanzieren zu können. Denn die Energiewende sei längst auch nach standort- und sicherheitspolitischen Überlegungen ein Muss, so Schitter. Je schneller der Umbau über die Bühne gehe, desto besser.


Für mehr Tempo soll auch das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) sorgen, das die Koalition am Donnerstag im Nationalrat beschließen will. Dafür fehlen allerdings die Stimmen der Grünen, denen der Entwurf des Wirtschaftsministeriums nicht weit genug geht und die deshalb nicht zustimmen wollen. Das EABG soll die Verfahren für Energiewendeprojekte (von Netzen über Kraftwerke bis zu Speichern) deutlich verkürzen und so den Ausbau der Erneuerbaren beschleunigen.


Was das bringen kann, hat nun erstmals die E-Control erhoben. In einer Untersuchung, die der „Presse“ vorliegt, hat der Regulator die Strompreis-Futures für 2027 in Monaten mit wenig Erneuerbaren, mit jenen verglichen, in denen viel sauberer Strom erwartet wird. Das Ergebnis: Im Winter, wenn das Angebot an Erneuerbaren mangels ausreichendem Windkraftausbau schwach ist, liegen die Strompreise für 2027 auf dem Niveau der teuren Gasverstromungskosten. In den Sommermonaten verliert der Gaspreis an Relevanz, und der Strompreis fällt fast auf die Hälfte. „Der Ausbau der Erneuerbaren wirkt. Die hohe erneuerbare Stromerzeugung im Sommer dämpft nachweislich die Strompreise“, sagt E-Control-Chef Michael Strebl zur „Presse“. Auch der rasche Beschluss des EABG sei wichtig, denn „jede zusätzliche erneuerbare Kilowattstunde hilft“.

Von Matthias Auer

Die Prese