Wer bei Netzentgelten gewinnt und verliert

6. November 2026

Energie. Ab 2027 ändern sich die Stromnetzentgelte grundlegend. Haushalten mit Wärmepumpe oder E-Auto drohen Mehrkosten, die sich aber verhindern lassen. Langfristig soll die Reform allen etwas bringen.

Vor einer Woche hat die E-Control den Entwurf für die im kommenden Jahr gültigen Stromnetzentgelte vorgelegt. 2027 ist ein besonderes Jahr, weil damit begonnen wird, eine komplett neue Tarifstruktur einzuführen. Sie soll Kosten fairer verteilen, die Flexibilität im Stromnetz verbessern und Investitionskosten reduzieren. Beim Strombezug wird künftig die Leistung im Vergleich zur Strommenge stärker gewichtet. „Das haben wir seit Jahren gefordert“, sagt Florian Pilz, Geschäftsführer der Netz Burgenland GmbH, beim energiepolitischen Hintergrundgespräch des Forums Versorgungssicherheit.


Mehr Effizienz im Netz


Die heimischen Netzbetreiber begrüßen die neuen Regeln, die mit der Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V) am 12. Oktober präsentiert wurden. „Im Moment haben Kunden keinen Anreiz, netzschonend zu agieren“, erklärt Pilz. Dadurch entstehen zu manchen Zeiten Lastspitzen, während das Netz in den verbleibenden Zeiten nur teilweise ausgelastet ist. Das verursacht Kosten, die man sich sparen könnte.


Laut der neuen Netzentgeltstruktur wird das Verhältnis von Arbeitspreis (Strommenge, Kilowattstunden) zu Leistungspreis (Kilowatt) künftig 50:50 sein. Derzeit ist das Verhältnis 90:10. Netzbetreiber werden es schrittweise anpassen, etwa mit einer Zwischenstufe von 70:30, so Pilz. Neu eingeführt wird ein Winter-Nieder-Arbeitspreis (WINAP), der neben dem bereits bestehenden Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP) dafür sorgen soll, dass der Stromverbrauch in Zeiten mit viel Erzeugung und wenig Nachfrage verlagert wird. Wer seine Leistung vom Netzbetreiber zweimal täglich für jeweils zwei Stunden reduzieren lässt, erhält künftig außerdem einen Rabatt auf Netzentgelte.


Überschaubares Minus


Durchschnittliche Haushalte sollten von den neuen Regeln bereits finanziell profitieren, wenn sie ihr aktuelles Verbrauchsverhalten gar nicht ändern. Das liegt daran, dass große Stromverbraucher mehr Kosten tragen. Schaffen Kunden es, ihren Verbrauch zeitlich anzupassen und ihre Haushaltsgeräte so zu betreiben, dass sie insgesamt nie mehr als 10 Kilowatt zur gleichen Zeit benötigen, ist noch mehr drin. Laut E-Control sind es bis zu 10 Prozent niedrigere Netzentgelte. Teurer könnte es für jene werden, die große Stromverbraucher im Haushalt haben, etwa Wärmepumpen oder E-Auto-Ladepunkte, und die neuen Regeln ignorieren. Ohne Verhaltensanpassung könnten die Netzentgelte um bis zu 21 Prozent steigen, mit Anpassung könnten sie aber auch um bis zu 8,5 Prozent sinken.


Prognosen gehen davon aus, dass 75 Prozent der Stromkunden künftig weniger Netzentgelte zahlen. Große Sprünge darf man sich dabei aber nicht erwarten, so Pilz: „Für einen normalen Haushalt ist das Einsparpotenzial relativ überschaubar, aber es soll einen Anreiz geben, sich netzdienlich zu verhalten.“ Eine der großen Herausforderungen sei es nun, Geschäfts- und Privatkunden zu vermitteln, wie sie Sparpotenziale heben können.


Großer Aufklärungsbedarf


„Bei der Information der Netzkunden müssen wir alle zusammenarbeiten, Netzbetreiber, E-Control und die Presse. Am Ende des Tages werden alle gewinnen, weil die Investitionskosten in Netze fallen und weniger Netzentgelt für alle anfällt.“
Um es Kunden zu ermöglichen, sich auf die neuen Spielregeln einzustellen, hat die E-Control eine Übergangsfrist vorgesehen. Das 50:50-Verhältnis von Arbeits- und Leistungspreis muss erst am 1. Jänner 2029 erreicht sein. Bis dahin könnten verbrauchsstarke Kunden etwa Energiemanagementsysteme anschaffen, die die zeitlich optimale Steuerung von Geräten automatisch übernehmen. Hier sei teilweise noch viel Aufklärungsarbeit notwendig, ist Pilz bewusst: „Wir sollten das nicht überhasten.“


Fakten


Höchstleistung
Derzeit müssen Stromnetze für jede gleichzeitig auftretende Höchstleistung ausgelegt werden. Hohe Lastspitzen erfordern maximal dimensionierte Leitungen und Transformatoren.


Flexibilität
im Verbrauch ist daher gefragt, auch weil die Erzeugung erneuerbarer Energie stark schwankt.


Batteriespeicher
sind ein wichtiger Teil der Lösung. Mit ihnen können Stromüberschüsse verteilt über den ganzen Tag ins Netz abgegeben werden. Das neue Tarifsystem verspricht Vergünstigungen bei netzdienlichem Betrieb.

Kurier