Neue Stromnetzentgelte sind nicht immer billiger

3. November 2026

Laut E-Control sparen sich Haushalte im neuen Leistungssystem im Schnitt 24 Euro pro Jahr. Doch nicht überall wird es tatsächlich günstiger.

Mit Jahreswechsel ändert sich für alle Haushalte etwas auf der Stromrechnung: Es gibt neue Netzentgelte. Sie machen neben dem tatsächlich verbrauchten Strom einen nicht unwesentlichen Teil der jährlichen Kosten aus. Im alten System setzte sich die Netzgebühr aus Arbeitspreis und Leistungspauschale zusammen. Laut E-Control liegt dort die Ersparnis ab Jänner bei 3,6 Prozent oder rund 15 Euro pro Jahr.
Schrittweise soll das alte System jedoch durch ein neues ersetzt werden. Im neuen, sogenannten Leistungssystem, soll die Ersparnis durchschnittlich 5,7 Prozent betragen – rund 24 Euro weniger pro Jahr.

Spitzen vermeiden

Zur Erinnerung: Mitte Oktober präsentierte die E-Control die Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V). Im Kern geht es darum, dass künftig nicht nur der Stromverbrauch der Haushalte herangezogen wird, sondern auch die beanspruchte Leistung. Denn das Stromsystem ändert sich. Immer mehr Menschen haben eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, fahren Elektroauto oder heizen mit Wärmepumpen. Wenn ein Haushalt etwa in kurzer Zeit das E-Auto laden will und gleichzeitig ein anderes, leistungsstarkes Gerät läuft, wird es teurer. Leistungsspitzen sollen vermieden, das Stromnetz dadurch entlastet werden. Die E-Control will mit der SNE-G-V die Tarifstruktur deshalb auf neue Beine stellen und die Kosten fairer und verursachungsgerechter verteilen. Langfristig sollen Arbeits- und Leistungspreis 50:50 aufgeteilt sein. Die beanspruchte Leistung wird von Smart Metern im Viertelstundentakt gemessen und gespeichert.


Die Tarifverordnung ist nun der zweite Schritt. Die Energieversorger haben ab Jänner 2027 bis spätestens Juli 2028 Zeit, das Leistungspreissystem umzusetzen. Die meisten Netzbetreiber planen jedoch erst 2028, die Pauschale durch den Leistungspreis zu ersetzen. Die E-Control verweist darauf, dass für einen Durchschnittshaushalt ohne leistungsstarke Anwendung wie etwa E-Auto, Batteriespeicher oder Sauna die Umstellung auf das neue System kaum Auswirkungen haben wird. Wer sein E-Auto mit 11 statt 4 Kilowatt Leistung lädt, zahlt nach der Umstellung höhere Netzentgelte. Um wie viel teurer es dann genau wird, steht laut E-Control noch nicht fest. An den Zahlen werde noch gearbeitet, heißt es gegenüber dem STANDARD.


Regional gibt es allerdings große Unterschiede. Die größte Ersparnis werden Haushalte (mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden) in Niederösterreich mit zwölf Prozent haben. Das sind laut E-Control umgerechnet fast 58 Euro pro Jahr. In Vorarlberg zahlen Haushalte im Schnitt 8,5 Prozent weniger, in Wien ist die Ersparnis mit 4,8 Prozent moderat. Mehr bezahlen müssen hingegen Haushalte in Kärnten. Dort steigen die Preise um 9,6 Prozent, was rund 50 Euro ausmacht. In Graz (plus 3,4 Prozent) und Innsbruck (plus 4,2 Prozent) steigen die Entgelte ebenso.


Doch wie kommt es zu den Unterschieden? Laut E-Control-Vorstand Alfons Haber sollen die Kosten des Netzausbaus mit dem neuen System „zeitnah“ abgebildet werden. Soll heißen: „Investitionen in die Netzinfrastruktur schlagen sich auf die Netzentgelte nieder“, sagt Haber zum STANDARD. Wie viel jeweils in die Stromnetze investiert wird, entscheiden die Netzbetreiber.


Schneller bauen


Die Regierung in Form von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sieht in der Reform den richtigen Kurs eingeschlagen. „Mit unserer Strommarktreform verfolgen wir ein klares Ziel: neue Stromleitungen dort schneller bauen, wo wir sie brauchen, und bestehende besser nutzen, um unnötige Kosten zu vermeiden“, sagte Hattmannsdorfer laut Aussendung. Die Freiheitlichen orten hingegen eine „billige Werbenummer“, die Ersparnis von 24 Euro pro Jahr „keine nachhaltige Netzkostensenkung“.
Im Jahr 2025 waren die Netzentgelte um mehr als 20 Prozent gestiegen, 2026 stiegen sie um ein Prozent an. Die endgültigen Netzentgelte für 2027 werden von der E-Control im Anschluss an die Begutachtung festgelegt. Sie läuft bis 20. November.

Der Standard