So stark dämpfen Erneuerbare den Strompreis

18. September 2026

Der Ausbau der Erneuerbaren senkt langfristig den Strompreis, so eine Studie. Doch die Haushalte müssten flexibler in der Stromnutzung werden, hieß es beim Energiekongress.

Der Strom kommt aus der Steckdose. Wie er produziert wird und wie viel er kostet, wissen dann schon deutlich weniger. Ein Panel beim Energiekongress in der Wiener Hofburg, veranstaltet vom Branchenverband Österreichs Energie, nahm sich der Frage an, welcher Preis und welchen Wert Strom hat. Michael Strebl, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control, hat eine klare Meinung dazu: „Ich bin überzeugter Marktwirtschafter. Der Strom ist wert, was Kunden bereit sind zu zahlen“, sagte er auf dem Podium. Fest stehe aber, dass die Erneuerbaren die Strompreise abmildern. „Der Durchschnittspreis in den Winterquartalen ist teuer, weil der Strom am Gaspreis hängt“, sagt Strebl, „Im Sommer werden die Preise von der Erneuerbaren-Erzeugung gedämpft.“


Am Morgen sehr hoch


Laut Strebl sind die Preise am Morgen sehr hoch und sinken zu Mittag aufgrund der Photovoltaik-Erzeugung sehr stark. Zum Abend hin steigt der Preis wieder. Es sei entscheidend, wann man etwa sein E-Auto lädt, die Wärmepumpe einschaltet. „Die große Herausforderung ist, die Flexibilität in der Bevölkerung zu mobilisieren“, sagt der E-Control-Vorstand.


Dass ein weiterer Ausbau der Erneuerbaren den Strompreis langfristig senken kann, zeigt eine Studie des Austrian Institute of Technology (AIT) im Auftrag von Österreichs Energie. Die Studie rechnete zwei Szenarien: Wenn jedes EU-Land die Erneuerbaren-Ziele bis 2030 erreicht und jenes Szenario, was passiert, wenn Österreich 2025 den Ausbau gestoppt hätte. „Wenn wir weiter konsequent ausbauen, braucht Österreich 2030 15 Prozent weniger Strom aus Gaskraftwerken“, sagt Tara Esterl, die beim AIT zu integrierten Energiesystemen forscht. Ein Ausbau der Erneuerbaren reduziert die Importabhängigkeit fossiler Energieträger, Österreich wäre unabhängiger von Preisschocks. Entscheidend für die Haushalte: Der Strompreis würde bei einem Ausbau signifikant sinken – statt bei einem Stopp zu steigen. Würde Österreich keine Windkraft- und Photovoltaikanlagen mehr bauen, würde das ein Plus von 24 Euro je Megawattstunde bedeuten.


Österreich produziert jetzt bereits 90 Prozent grünen Strom. Bis 2030 sollen es 100 Prozent sein. Das erfordert aber Investitionen in den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik, in den Ausbau der Netze und Speicherkapazitäten. „Gerade jetzt sieht man mehr denn je, wie wir von globalen Effekten im Energiemarkt abhängig sind“, sagt Strebl. Ziel sei es, den Grad der Abhängigkeit zu reduzieren. Dies müsse auch den Verbrauchern vermittelt werden, heißt es.


Bis in die späten 2010er-Jahre waren die Strompreise weitgehend stabil, sagt Manuela Lenk, Generaldirektorin der Statistik Austria. Spätestens mit dem Beginn des Ukrainekriegs endete diese Phase. Erst 2024 seien sie infolge der Strompreisbremse wieder gefallen. Dieser staatliche Eingriff hätte auch die Gesamtinflation gedrückt. Mit dem Auslaufen des Mechanismus seien die Preise wieder stark gestiegen.


Kostendämpfende Wirkung


„Derzeit wirkt sich die Senkung des Erneuerbaren-Beitrags kostendämpfend aus“, sagt Lenk. Im Jänner wurde die Elektrizitätsabgabe von 1,5 auf 0,1 Cent pro Kilowattstunde (kWh) gesenkt. Außerdem profitieren die Haushalte durch einen niedrigeren Ökostromförderbeitrag. Bei einem Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch macht das eine Ersparnis von rund neun Euro aus. Sollten die Strompreise für die Haushalte wieder stark steigen, hat die Regierung vorgesorgt. Sie fixierte am Mittwoch eine neue Stromkostenbremse, die ab 2027 in Kraft treten soll.


Die Energiewirtschaft sieht es als ihre Aufgabe, den Menschen ehrlich zu kommunizieren, was die Energiewende kostet. Herwig Hauenschild, Geschäftsführer der Energieallianz, einer Energievertriebsgesellschaft, zu der sich mehrere Energieversorger zusammengeschlossen haben, fordert, dass Stromlieferverträge flexibler gestaltet werden können. Sie seien auf ein Jahr beschränkt. „Das hemmt uns in der Preisgestaltung“, sagt Hauenschild.

Der Standard