Energiedebatte. Expert:innen definieren Meilensteine für die europäische Energiezukunft.
Was braucht es, damit Europa gewinnt? Und was bedeutet „gewinnen“ überhaupt? Diese Fragen erörterte das European Forum Alpbach (EFA) 2026. Mehr als 4.000 Teilnehmer aus aller Welt machten das Tiroler Bergdorf heuer wieder zu einem Thinktank Europas und diskutierten über Handlungs- und Wettbewerbsfähigkeit sowie die Souveränität des Kontinents. Mittendrin führte Enery die Debatte dorthin, wo neue Perspektiven entstehen: nach oben, aus dem Kongresszentrum hinauf auf den Berg. Der österreichische Grünstromanbieter lud zum Enery Hike, einer Wanderung, die unter dem Motto „Europe‘s Race for Energy Competitiveness and Resilience“ zum hochkarätig besetzten Diskussionsforum wurde.
Gemeinsam mit Enery-Co-Founder und CEO Richard König machten sich unter anderem Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, Sabine Herlitschka (CEO von Infineon Austria), Gudrun Senk (CTO der Wiener Linien), Marina Kobakova (Country Manager ING Bulgaria and Austria) sowie neoom-Gründer Walter Kreisel auf den Weg. Moderiert wurde der Austausch von Lukas Stühlinger, Managing Partner von FINGREEN.
Europas Stärken nutzen
Einig war man sich darin, dass Geschwindigkeit nicht im Kleinen entsteht; Europa müsse den Fokus auf große Erneuerbaren-Projekte, raschen Netzausbau mit stärkerer europäischer Integration und schnellere Genehmigungsverfahren legen. Eine stärkere Vereinheitlichung der Regulierung könnte zu einem zentralen Hebel werden. „Europa braucht 100% Grundlaststrom aus Erneuerbaren zu kompetitiven Preisen und mit stärkerer Wertschöpfung in Europa“, zeigte sich Richard König überzeugt. Eine singuläre Preiszone, ein verstärkter Ausbau der Interkonnektoren und der landesweiten Netze, Umsetzung von Zonierungen und Vorrangzonen für Megaprojekte und stärkere Incentives für die Gemeinden, seien wichtige Meilensteine dieser Vision, so der Enery-CEO.
„Damit Europa sich behaupten kann, müssen wir unsere Ambitionen in die Tat umsetzen“, sagte Marina Kobakova. Kapital sei ausreichend vorhanden, es fehle jedoch an ausgereiften, finanzierungsfähigen Projekten in ausreichendem Maßstab. „Schnellere Genehmigungsverfahren, ein robusterer, harmonisierter regulatorischer Rahmen sowie umfassendere Investitionen in die Netzinfrastruktur sind unerlässlich, um die Elektrifizierung zu beschleunigen, die Energiesicherheit zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit Europas auszubauen.“ Als eines der führenden europäischen Finanzinstitute bekenne sich die ING nachdrücklich zur Finanzierung der Energiewende und mobilisiere gleichzeitig das notwendige Kapital für diesen Transformationsprozess, so Kobakova. „Der geopolitische Wettbewerb wird zentral von Technologie geprägt, sowohl bei der Transformation des Energiesystems als auch bei Künstlicher Intelligenz, Quantencomputing oder Robotik“, erläuterte Sabine Herlitschka. Europa habe ausgewiesene technologische Stärken und globale Marktführer, das müsse konsequent ausgespielt werden. „Wer selbst wettbewerbsfähig ist, agiert aus einer Position der Stärke.“ „Die erste Referenz ist für ein europäisches Technologieunternehmen wertvoller als jede Förderung“, ergänzte Gudrun Senk. „Öffentliche Unternehmen können sie vergeben – und damit European Champions bauen, wenn Innovation im Vergabeverfahren genauso zählt wie der Preis.“
Der Weg lohnt sich
Richard Königs Fazit: „Entscheidend wird es sein, die eigenen Stärken konsequenter auszuspielen. Europa hat die Möglichkeit, kompetitiven Strom zu erzeugen, sei es über Wasserkraft und Windkraft in Skandinavien, über Solar in Spanien, Hybridkraftwerke in Estland oder Rumänien oder über Pumpspeicherkraftwerke in Österreich.“ Die Ressourcen und Skaleneffekte müssten intelligent genützt, die Interkonnektoren ausgebaut und der Speicherausbau rasch und unbürokratisch vorangetrieben werden, um einen kompetitiven europäischen Strommarkt zu schaffen. „Niedrige Energiekosten erlauben es Technologieunternehmen, auch in Europa zu produzieren. Europa wird auch als Standort für Rechenzentren von Hyperscalern attraktiver“, so der Enery-CEO. „Wir haben nun über 50% erneuerbaren Strom in Europa – und sind damit 50% der Strecke der Wanderung gegangen. Aber es liegen noch 80% der Höhenmeter vor uns in Richtung 100% erneuerbaren Strom als Grundlast in einem europäischen Stromsystem.“
Die Presse




