Freie Anbieterwahl ließ Preise sinken

10. September 2026

Energie. Seit 25 Jahren kann man seinen Stromanbieter selbst wählen. Laut einer Studie hat die Marktliberalisierung zu 16,3 Prozent günstigeren Strompreisen geführt.

Vor dem 1. Oktober 2001 hatte man als Stromkunde noch keine Wahl, was den Stromanbieter anbelangte. Erzeugung, Stromnetz und Vertrieb waren in regionalen Monopolen gebündelt. Mit der Strommarktliberalisierung haben Kunden nun beim Stromanbieter freie Wahl, während die Netze weiterhin streng regulierte Monopole blieben. Zum 25-Jahre-Jubiläum hat der Branchenverband „Oesterreichs Energie“ eine Zwischenbilanz gezogen.


Wettbewerb angekurbelt


Laut einer Studie der Energieagentur hat die Liberalisierung für mehr Wettbewerb in der Erzeugung und unter Lieferanten gesorgt und die Netzgebühren sind deutlich gesunken. Die Preisentwicklung seit der Öffnung des Strommarkts bis 2025 wurde mit einem fiktiven Szenario ohne diese Umstellung verglichen. Wie sich zeigt, hat die Strommarktliberalisierung zu durchschnittlich 16,3 Prozent günstigeren Strompreisen geführt.


„Unsere Modellierung ergibt eine kumulierte Entlastung von mehr als 15 Milliarden Euro – davon 12,7 Milliarden Euro für Haushalte und 2,5 Milliarden Euro für Nicht-Haushalte“, sagt Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur.


Der Bruttostrompreis, der neben dem Preis für Strom auch die Netzgebühren sowie Steuern und Abgaben enthält, habe sich in dem Zeitraum inflationsbereinigt relativ stabil entwickelt und sei für Haushalte in etwa zwischen 25 und 30 Cent je Kilowattstunde gelegen, erklärt Angerer.
Unmittelbar nach der Liberalisierung seien die Strompreise gesunken, unter anderem gestiegene Ökostromabgaben ab 2005 und die Finanzkrise 2008 hätten wieder einen Anstieg bewirkt. Einen weiteren Preissprung habe die Energiekrise ab 2022 gebracht.


Aktuell könnten Stromkunden aus rund 150 Lieferanten wählen, von denen 50 ihre Tarife österreichweit anböten, schildert Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie.
Die Wahlfreiheit habe deutlich positive volkswirtschaftliche Effekte. Niedrigere Strompreise führten zu mehr Konsum, steigendem Realeinkommen, mehr Investitionen und Exporten. Zwischen 2001 und 2022 kam so laut der Studie ein 0,11 Prozent höheres reales Bruttoinlandsprodukt zustande.


Europäische Vernetzung


Die Strommarktliberalisierung habe mit der Energiekrise 2022 auch eine Bewährungsprobe bestanden, sagt Angerer. „Der offene, europäisch vernetzte Markt hat einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet und uns vor Ausfällen bewahrt.“ Laut Michael Baminger, Präsident von Oesterreichs Energie, ist die Liberalisierung „ein ganz klares Erfolgsmodell“.


Für Kunden sieht er große Vorteile durch den Wettbewerb. Die Versorgungssicherheit sei 2025 stabil gewesen wie nie zuvor. Auch für den Ausbau der erneuerbaren Energie habe die Liberalisierung die Grundlage gelegt. Jetzt gehe es um die „nächste Etappe“: „Markt, Netze, Erzeugung, Speicher und Flexibilität müssen als Gesamtsystem funktionieren. Dafür brauchen wir Tempo, klare Spielregeln und Investitionssicherheit.“


Baminger sprach sich unter anderem für die Implementierung von der CO2-Abtrennung und -Speicherung und für die Aufhebung des CO2-Speicherverbots aus und betonte die Notwendigkeit von Maßnahmen zum Schutz der Energieinfrastruktur, etwa vor Cyberangriffen und Sabotageakten.
EVN-Vorstandssprecher Stefan Szyszkowitz betont die Relevanz gesteigerter Flexibilität: „Erneuerbare Energie ist dann besonders wertvoll, wenn sie auch zum richtigen Zeitpunkt genutzt wird. Genau hier schaffen heute Digitalisierung und innovative Tarife einen echten Mehrwert für unsere Kunden.“

Kurier