Sieben Mal so viel Strom mit Solarenergie möglich

12. Mai 2026, Salzburg

Das Land nutzt die Chancen, die Sonne und Wind bieten, zu wenig oder gar nicht aus. Eine neue Studie zeigt, wie viel in Salzburg möglich wäre.

Die langen Schönwetterphasen im April und Mai waren eine echte Freude für Besitzer von Photovoltaikanlagen: Bei durchschnittlichen Anlagen lieferte die Sonne an vielen Tagen zwischen 40 und 50 Kilowattstunden Energie ins Haus. So viel Sonnenstrom reicht nicht nur für den normalen Haushalt. Damit lässt sich auch bequem das Elektroauto aufladen, ohne dass Strom zugekauft werden muss.
Was für den einzelnen Haushalt gilt, das gilt ebenso für das Land. Es gäbe sehr viel Sonnen- und auch Windenergie. Nur wird das Potenzial bei Weitem nicht ausgeschöpft, wie nun eine Studie des Austrian Institute of Technology (AIT) im Auftrag des Klima- und Energiefonds zeigt. Demnach könnten im Bundesland Salzburg bis zum Jahr 2040 immerhin bis zu 3,1 Terawattstunden (TWh) Sonnenstrom gewonnen werden – das wäre sieben Mal so viel, wie heute genutzt wird.


Beim Wasser wird das Potenzial ausgeschöpft, beim Wind überhaupt nicht


Beim Wind liegt in Salzburg das Potenzial bei bis zu 0,78 TWh. Das wären um exakt 0,78 TWh mehr als heute, da der Wind momentan überhaupt nicht genutzt wird – und das, obwohl es seit einem Vierteljahrhundert Pläne dafür gibt.


Was Sonne und Wind bis 2040 realistisch liefern könnten, entspricht ziemlich genau dem aktuellen Verbrauch im Bundesland – dieser beträgt 3,6 TWh, inklusive Netzverluste und Eigenverbrauch der Kraftwerke sind es mehr als 4 TWh. Bei der Wasserkraft wird das Potenzial heute mit über 4 TWh schon weitgehend ausgeschöpft, wobei zu erwarten ist, dass mit der zunehmenden Trockenheit auch die Stromproduktion aus Wasserkraft sinken wird. Windenergie und Photovoltaik würden sich außerdem sehr gut ergänzen, sagt Energieexperte Gustav Resch vom AIT. „Wind liefert tendenziell mehr Strom im Winterhalbjahr, während bei Photovoltaik die Produktion im Sommer dominiert. Wind würde also mehr dazu beitragen, die Preise für Endkunden zu dämpfen, weil damit teurer Strom aus thermischen Kraftwerken vermehrt eingespart werden könnte.“


Die Berechnungen des AIT für Salzburg gehen von einem „realistischen“ Szenario aus – einem, das den Studienautoren zufolge also durchaus umgesetzt werden könnte. Demnach würden zwei Drittel der PV-Flächen auf Gebäuden montiert, der Rest auf versiegelten, verbauten und zum Teil auch unversiegelten Flächen. Was den Wind betrifft, geht die Studie von maximal 55 Windkraftanlagen in Salzburg aus. Zum Vergleich: In Niederösterreich drehen sich schon heute mehr als 800 Windräder.


Insgesamt erzeugt Salzburg bereits jetzt viel sauberen Strom – rund 4,8 TWh im Jahr. Das liegt vorwiegend an der Wasserkraft, die 85 Prozent beisteuert. Allerdings ist die Stromproduktion im Land nicht gleichmäßig – im Sommer haben wir in Salzburg mehr Strom, als verbraucht wird, im Winter dagegen muss importiert werden.


Pläne des Landes liegen deutlich unter den Möglichkeiten


Die Pläne der Landesregierung liegen deutlich unter dem in der AIT-Studie genannten Potenzial. Energielandesrat Maximilian Aigner (ÖVP) sagt, man plane bis zum Jahr 2030 einen Ausbau bei Photovoltaik auf 0,65 TWh, beim Wind strebe man 0,25 TWh an. Die Pläne für 2040 würden erst erarbeitet. Es werde nicht nötig sein, das gesamte Potenzial zu nutzen. Aber da es vor allem im Winter eine Versorgungslücke gebe, müsse auch die Windkraft ausgebaut werden. Es sei jedenfalls sein „erklärtes Ziel“, dass bis 2030 der geplante Windpark auf dem Windsfeld – über dem Nordportal des Tauerntunnels – in Betrieb gehe, sagt Aigner. Auch auf dem Lehmberg in Thalgau werde ein Projekt forciert.


Und warum werden gute Windstandorte im Lungau wie das Aineck von der Landespolitik nicht vorangetrieben? „Das Gebiet am Aineck ist nie richtig Thema gewesen, seit ich im Amt bin“, sagt Aigner. „Wir konzentrieren uns auf Windsfeld und Lehmberg.“ Das sei auch so im Regierungsübereinkommen von ÖVP und FPÖ festgelegt. Wir bräuchten eine Akzeptanz der Windenergie. Franz Kok, Obmann Ökostrombörse Kritiker sagen, es gehe in Salzburg schlicht deshalb zu langsam, weil in der schwarz-blauen Landesregierung der politische Wille fehle. Gerade bei der Windenergie habe man die Projektentwickler schlicht nicht ausreichend ermutigt, sagt Franz Kok, der Obmann der Ökostrombörse. Besonders windreiche Standorte im Lungau wie das Aineck oder der Wirtsnock würden „aus politischen Erwägungen heraus nicht unterstützt. Was wir bräuchten, wäre eine Akzeptanz der Windenergie, die von allen Regierungsparteien getragen wird. Das ist leider nicht der Fall.“


Für all jene, die schon jetzt Sonnenstrom nutzen, gibt es dagegen gute Nachrichten: Künftig können sie von einem Modell namens „Eigenversorgungsanlage“ profitieren. Ab Oktober können also Besitzer von PV-Anlagen den Überschussstrom, den sie zum Beispiel am Hauptwohnsitz erzeugen, auch am Zweitwohnsitz nutzen.

Thomas Hödlmoser

Salzburger Nachrichten