Wenn die Wasserkraft nicht mehr ausreicht

8. Mai 2026, Schwarzach

Emissionen stiegen erneut, das Budget für Klimamaßnahmen wird knapper. Ein Blick auf Vorarlbergs Stand bei der Energiewende.


Zwischen geopolitischen Krisen, Teuerung und Wirtschaftssorgen ist ein Thema zuletzt leiser geworden: die Klimakrise. Dabei zeigt eine aktuelle Schätzung des Umweltbundesamtes, dass Österreich beim Klimaschutz wieder Rückschritte macht. Die Treibhausgasemissionen stiegen 2025 um ein Prozent. Zentraler Hebel, um die Emissionen wieder zum Sinken zu bringen, ist ein Umstieg auf erneuerbare Energieträger wie Photovoltaik. Ein anderer Hebel liegt beim Heizen. Doch das Förderbudget von 360 Millionen Euro für den Heizkesseltausch könnte bald ausgeschöpft sein.


Befeuert wurden die Emissionen durch mehr Strom aus Gaskraftwerken wegen niedriger Wasserstände sowie gleichzeitig höherem Heizbedarf. Laut E-Control stieg der Stromverbrauch in Österreich um 2,6 Prozent, der Gasverbrauch um 8,8 Prozent. Wasserkraft deckte zwar die Hälfte der Produktion ab. Doch vor allem in den Wintermonaten gibt es große Erzeugungslücken von bis zu 70 Prozent des Strombedarfes.


Weniger Bürokratie bei PV


Photovoltaik gilt neben Windkraft als Schlüssel, um die Winterstromlücke zu schließen. Während in Vorarlberg noch kein Windrad steht, sind PV-Anlagen einfacher zu installieren. Ein prominentes Beispiel ist die Photovoltaik-Sesselbahn Hüttenkopf im Eigentum der illwerke vkw. Module befinden sich auf den Stationsgebäuden und in der Verkleidung von Talstation und Bergstation. 60.000 Kilowattstunden können jährlich gewonnen werden. Anders ausgedrückt: Jeder dritte Gast wird mit der Kraft der Sonne transportiert.


Damit ähnliche Projekte schneller und mit weniger bürokratischem Aufwand umgesetzt werden können, plant die Bundesregierung einfachere Genehmigungsverfahren für Photovoltaikanlagen bei Seilbahnen. Ob die geplanten Änderungen der Regierung Projekte wie an der Hüttenkopfbahn tatsächlich beschleunigen wird, kann Andreas Neuhauser, Sprecher der illwerke vkw, nicht bestätigen, dazu fehle der ausgearbeitete Gesetzestext.


Bei der Bahn selbst habe man die PV-Anlage ohne nennenswerten Mehraufwand beim seilbahnrechtlichen Verfahren mitverhandelt. PV-Projekte im alpinen Raum seien aber prinzipiell technisch anspruchsvoll. Hohe Schnee- und Windlasten, Verschattung sowie lange Schneebedeckung müssten bei Planung und Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden.


Bundestopf bald leer


Auf anderer Ebene geht es schleppender voran. Laut Berechnungen der Grünen wird es in etwa zwei Monaten keine Förderungen mehr für den Heizungstausch geben. Grundlage sind Zahlen aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von Umweltminister Norbert Totschnig.


Die Heizkessel-Förderung sei derzeit Gegenstand der Budgetverhandlungen, das Ergebnis müsse man abwarten, sagte Totschnig am Donnerstag. Die Regierung wolle weiterhin auf freiwillige Anreize setzen. Auch im Land sind derzeit mehr als 21.000 Ölheizungen und über 36.000 Gasheizungen in Betrieb. Für den Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme stehen 2026 im Landesbudget rund 3,6 Millionen Euro bereit, knapp die Hälfte davon war Ende April noch verfügbar, informiert Landesrat Daniel Allgäuer im Rahmen einer Anfrage von Daniel Zadra.


Um den Ausstieg aus Erdgas und Erdöl bis 2050 zu schaffen, müssten österreichweit jährlich 60.000 fossile Heizungen durch erneuerbare Systeme ersetzt werden. Dafür wäre laut Einschätzung eine Erhöhung des Bundesbudgets für den Kesseltausch auf 500 Millionen Euro pro Jahr notwendig, schreibt Zadra in seiner Anfrage. Allgäuer präzisiert, dass sich für Vorarlberg auf Basis der aktuellen Förderhöhen und Umstellungsraten bis 2050 ein erforderliches jährliches Gesamtbudget von rund 5,9 Millionen Euro ergibt.

Vorarlberger Nachrichten