Das tunesische Start-up Bako Motors schwört auf Photovoltaik direkt auf dem Fahrzeug. Auch in Europa tüfteln Unternehmen an Solarautos. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zeigt, dass PV auf dem Autodach tatsächlich eine wertvolle Stromquelle sein kann.
Den Elektroautos wird trotz aller Widerstände die Zukunft gehören, in Österreich sind bereits mehr als 260.000 davon unterwegs. Wie schön wäre es da, wenn der Strom fürs E-Auto nicht nur aus der Ladesäule käme, sondern direkt aus ins Fahrzeug integrierten Solarzellen?
Bako Motors, ein tunesisches Start-up, will mit dieser kühnen Vision die Straßen Afrikas erobern. So tüfteln die Tunesier an zwei elektrischen Modellen, dem winzigen Fahrzeug Bee mit zwei hintereinander liegenden Sitzen, sowie dem B-Van, einem Lieferwagen. Nicht nur Solarzellen auf dem Dach sind Teil des Konzepts, sondern auch, dass es sich um sogenannte Microcars handelt – Autos mit geringem Gewicht und begrenzter Geschwindigkeit. Der Bee soll höchstens 45 Stundenkilometer fahren können, der B-Van maximal 70.
Auch die Reichweite ist beschränkt, beim Lieferwagen B-Van werden es laut Bako Motors (in der günstigeren Version) 100 Kilometer sein. Allerdings: „Die Solarzellen liefern uns mehr als 50 Prozent der Energie“, sagte Bako-Geschäftsführer Boubaker Siala dem US-Nachrichtensender CNN. Beide Bako-Autos haben also sehr wohl klassische Lithium-Batterien. Wenn man aber täglich 100 Kilometer absolviere, fahre man jährlich 17.000 Kilometer mit kostenloser Sonnenenergie, rechnete Siala vor.
Sonnenschein als Faktor
Gerade auf dem Heimatkontinent Afrika werde das Klima den tunesischen Flitzern zum Durchbruch verhelfen, so die Hoffnung bei Bako Motors. Tunesien hat zum Beispiel das halbe Jahr über durchschnittlich mindestens neun Sonnenstunden pro Tag.
In Europa forscht beispielsweise das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) im süddeutschen Freiburg an Solarzellen, die in Autos verbaut werden. Die sogenannte fahrzeugintegrierte Photovoltaik (VIPV) könne einem Pkw mit einem entsprechenden Dach jährlich mehr als 2000 Kilometer zusätzliche Reichweite bringen, heißt es beim Fraunhofer ISE.
Gemeinsam mit der niederländischen Organisation für angewandte Forschung (TNO) führt das Fraunhofer ISE derzeit auch eine mehrjährige Studie namens Solarmoves durch, um den Nutzen von Solarautos unter realen Bedingungen zu messen. Dafür haben die Forscher seit März 2024 nicht weniger als 18 Fahrzeuge – darunter Pkws, Lkws, Lieferwagen und Busse – mit Solarzellen bestückt und Messungen durchgeführt. In einer Zwischenbilanz im Vorjahr sah sich das Fraunhofer ISE bestätigt, dass „Solarmodule in Fahrzeughüllen eine wertvolle, fahrende Quelle erneuerbarer Energien für den Verkehrssektor sein können“.
Studie beweist Potenzial
Ein Grund für den Optimismus beim Fraunhofer ISE waren die Messungen am niederländischen Solarauto Lightyear 0. Die erhobenen Daten hätten gezeigt, dass VIPV bei einem Pkw einen wesentlichen Anteil des jährlich benötigten Stroms bereitstellen kann – in Mitteleuropa bis zu 35 Prozent, in Südeuropa sogar bis zu 50 Prozent. Die Messungen zeigten außerdem, dass seitlich montierte Solarzellen etwa 50 Prozent weniger Einstrahlung bekommen als Dachmodule.
Auch zwei europäische Unternehmen haben jahrelang versucht, ein Solarauto auf den Markt zu bringen – eben das niederländische Start-up Lightyear und dessen Konkurrent Sono Motors mit Sitz in München. Gemeinsam ist beiden Firmen nach Rückschlägen, dass sie heute nicht mehr ein Solarauto unter eigener Marke auf die Straße bringen wollen, sondern als Zulieferer für Automobilhersteller reüssieren möchten. Auf den Websites von Lightyear und Sono Motors (heute: Sono Solar) ist das Bemühen erkennbar, die Solarzellen auf den Pkws möglichst unsichtbar ins Design zu integrieren.
Anders bei Bako Motors aus Tunesien: Dort sind die Solarzellen auf dem Dach deutlich erkennbar. Und die Tunesier wollen eben auch ganze Autos ausliefern, wenn auch sehr kleine. Bis Ende des Jahres will das Start-up die Produktion in ihren zwei tunesischen Fabriken auf jährlich 8000 Fahrzeuge hochfahren. Der Kleinstwagen Bee soll ab 5400 Euro zu haben sein, der B-Van (mit übrigens 400 Kilogramm möglicher Beladung) ab 6650 Euro. Langfristig auch in Europa – auch wenn es hier weniger sonnig ist.
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