Stromader soll fit gemacht werden

20. August 2026, Schwarzach

Seit Jahren planen die illwerke vkw die Generalerneuerung einer der wichtigsten Stromtransitleitungen Vorarlbergs. Nun geht das 400-Millionen-Euro-Projekt in die nächste entscheidende Phase: Die Bezirkshauptmannschaft Bregenz hat das Großverfahren für die Erneuerung der 220-kV-Leitung von Bürs nach Hohenweiler kundgemacht. Damit beginnt die formelle Prüfung des Mammutprojekts.


Jeder Mast wird erneuert


Die Leitung ist 70,9 Kilometer lang, wurde zwischen 1924 und 1928 errichtet und führt heute durch 21 Gemeinden. Insgesamt stehen 259 Masten entlang der Trasse, betroffen sind laut illwerke vkw rund 2900 Grundstücke und rund 1900 Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer.
Jeder Mast soll im Zuge der Erneuerung abgebaut werden. Die Fundamente werden entfernt und neu errichtet, anschließend kommen neue Stahlgittermasten und neue Leiterseile.


An der grundsätzlichen Trasse soll sich nichts ändern. Gleichzeitig wird die Leitung an vielen Stellen deutlich höher. Nach den ursprünglichen Planungen sollen die neuen Masten deutlich höher ausfallen: Statt durchschnittlich rund 43 Metern könnten sie künftig bis zu 51 Meter hoch sein. Grund dafür sind unter anderem die höhere Stromtragfähigkeit und größere Abstände der Leiterseile zum Boden.
Die illwerke vkw begründen die Investition mit dem Alter der Leitung und ihrer Bedeutung für das europäische Stromsystem. Die sogenannte Herbertinger-Leitung, benannt nach dem deutschen Zielort, verbindet die Kraftwerksgruppe Obere Ill-Lünersee mit dem deutschen Stromnetz.


Knistergeräusch reduzieren


Über sie wird Strom in Richtung Deutschland transportiert und umgekehrt. „Sie hat daher eine große Bedeutung für das europäische Verbundnetz, für das Gelingen der Energiewende und für den Netzwiederaufbau im Falle eines Blackouts“, erklärt Pressesprecher Andreas Neuhauser von den illwerke vkw auf VN-Anfrage. Die neue Leitung soll nicht nur leistungsfähiger, sondern auch ausfallsicherer werden. Zudem sollen neue Viererbündel-Leiterseile unter anderem das bisher bekannte Knistergeräusch reduzieren. Eine Verkabelung im Boden wurde laut illwerke vkw geprüft, aber als nicht machbar verworfen.


Das Projekt ist allerdings nicht unumstritten. Bereits im vergangenen Jahr sorgte vor allem die Frage nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung für einen Rechtsstreit. Eine Gruppe aus Lochau bekämpfte den UVP-Feststellungsbescheid, wonach für die Erneuerung keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sei – die VN berichteten. Die Kritiker argumentieren unter anderem, dass die vollständige Entfernung der bestehenden Fundamente und der Neubau der Masten einem Neubau gleichkämen.


Trasse sorgt für Diskussion


Besonders in Lochau sorgt die Trasse für Diskussionen, weil die Leitung dort teilweise sehr nahe an Wohngebieten verläuft. Die Projektgegner, die im Jänner eine Petition einbrachten, forderten deshalb, Alternativen ernsthaft zu prüfen, etwa eine Verlegung in den Pfändertunnel.
Mit der Kundmachung wird das Projekt nun behördlich konkret. Die Unterlagen können von 19. August bis 30. September 2026 von den Parteien und sonstigen Beteiligten eingesehen werden. In diesem Zeitraum können auch schriftliche Einwendungen eingebracht werden. Das Verfahren betrifft unter anderem das Starkstromwegegesetz, das Wasserrecht, das Forstrecht sowie Naturschutz und Landschaftsentwicklung. Zuständig für die Bündelung des Verfahrens ist die Bezirkshauptmannschaft Bregenz.


Die mündlichen Verhandlungen sind für 3. und 4. November 2026 im Vinomnasaal in Rankweil angesetzt. Der frühestmögliche Baubeginn ist nach aktuellem Stand 2029. „Die Bauzeit wird voraussichtlich mindestens zwei Jahre betragen“, sagt Neuhauser. Eine Fertigstellung wäre damit frühestens 2030 möglich.

VN Vorarlberger Nachrichten