Am Abend werden Klimaanlagen zum Problem

2. Juli 2026, Wien

Die Zahl der Klimaanlagen in Österreich hat sich seit 2020 mehr als verdoppelt.


Die Zahl der privaten Klimaanlagen in Österreich steigt rasant an. Im Jahr 2020 waren noch 210.000 Geräte verbaut, vier Jahre später waren es mit 414.000 schon fast doppelt so viele, so der Mikrozensus der Statistik Austria. Bei Temperaturen nahe der 40 Grad ist kein Ende des Booms in Sicht. Aber was kostet die elektrische Abkühlung den Einzelnen – und das gesamte Energiesystem?


Grundsätzlich ist die Höhe des Stromverbrauchs einer Klimaanlage etwa mit einer Waschmaschine vergleichbar, heißt es bei der E-Control. Klimageräte sind durchschnittlich zehn bis zwölf Jahre in Verwendung. Da lohnt es sich, den Stromverbrauch zu berücksichtigen: Blickt man rein auf die laufenden Kosten, sind Split-Klimaanlagen mit 0,55 Euro bis 1,72 Euro je nach Stromvertrag am wirtschaftlichsten, so eine Auswertung von Durchblicker. Wesentlich ineffizienter sind mobile Klimageräte, die mit 0,83 bis 2,58 Euro am Tag zu Buche schlagen.


„Verbrauch deutlich höher“


Die wachsende Zahl an Klimaanlagen macht sich auch in den Stromnetzen bemerkbar. „Die Auswirkungen der Hitze sind beträchtlich“, sagt Klaus Kaschnitz, Betriebsführer des Übertragungsnetzbetreibers APG zur „Presse“. Der Verbrauch in den Abendstunden sei aufgrund der Klimaanlagen „deutlich höher als üblich“, heißt es auch bei den Wiener Netzen. Zugleich sorge die Hochdrucklage für eine geringere Produktion bei der Wind- und Wasserkraft. Während untertags die hohe PV-Produktion für ausreichend (billigen) Strom sorge, fielen diese Mengen am Abend weg. „Im Moment kompensieren das unsere Pumpspeicher“, so Kaschnitz. „Und zwar nicht nur für Österreich, sondern für etliche Länder in Europa.“
Wie die Haushalte sinnvoll darauf reagieren könnten, zeigt ein Blick nach Kalifornien: Dort kühlen viele Bürger ihre Häuser untertags mit überschüssigem Solarstrom und zehren am Abend bei abgeschalteten Klimageräten von dieser Kälte.

(auer)

Die Presse