Netz-Ausbau gegen teuren Strom

1. Juli 2026, Innsbruck

Die brütende Hitze lässt die Strompreise am späten Abend massiv steigen. Laut Tiwag gibt es mehrere Gründe dafür, warum Energie derzeit teuer ist. Strom sparen lässt sich mit ein paar Tricks und Gratisstunden.


An heißen Tagen wie diesen explodieren am Abend die Stromkosten, wenn viele Menschen ihre Klimaanlagen zuhause einschalten. Warum gerade jetzt und am Abend die Preise steigen, hat mehrere Gründe.
Tagsüber werde der zusätzliche Strombedarf für Kühlgeräte durch eine hohe Produktion aus Sonnenenergie abgefedert, heißt es von der Tiwag auf eine entsprechende Anfrage der TT. Am Abend, wenn die Sonne untergeht, fällt diese Energiequelle klarerweise weg, während die Nachfrage bestehen bleibt. Das wirkt sich auf die Kosten aus.


Doch nicht nur das: Zudem sei in Europa die Stromerzeugung aus Kernkraft derzeit teilweise eingeschränkt, vor allem in Frankreich, erklärt der Tiroler Landesenergieversorger. „Niedrige Wasserstände und erhöhte Temperaturen in Flüssen, die für die Kühlung benötigt werden, reduzieren die verfügbare Leistung und den Wirkungsgrad der Anlagen.“


Gleichzeitig würden in Europa im Sommer oft viele Gas- und Kohlekraftwerke in Revision gehen und seien nur eingeschränkt verfügbar. Mit der Hitze einher geht derzeit auch ein schwacher Wind. „In Summe fehlen damit mehrere wichtige Erzeugungsquellen parallel oder stehen nur eingeschränkt zur Verfügung.“
Die Folgen: steigende Strompreise. Wie sehr die Preise binnen eines Tages in Tirol aktuell schwanken, kann die Tiwag nicht exakt sagen. „Die Höhe hängt jeweils von Nachfrage, verfügbarer Erzeugung und der Lage am europäischen Strommarkt ab“, heißt es.

Die Tiwag fordert jedenfalls nicht nur den Ausbau erneuerbarer Energie, sondern auch der Netze, um den Strom aus PV-Spitzen zu den Großspeichern zu verlagern.


Neue Investitionen


Auch das Wirtschaftsministerium äußert sich ähnlich, allerdings aus einem anderen Grund. Um günstigen Strom aus Windkraft aus Deutschland nach Österreich bringen zu können, seien bessere Netze notwendig. Die Bundesregierung investiert deshalb 100 Mio. Euro in die neue Deutschlandleitung. So wird etwa das Umspannwerk St. Peter in Oberösterreich ausgebaut. „Damit sparen wir uns 375 Millionen Euro an Stromkosten“, sagt Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP).


Wer Strom sparen will, soll Klimaanlagen effizient nutzen, etwa durch gezielte Nutzung statt Dauerbetrieb, rät der Energieversorger. Außerdem sollen Räumen durch frühes Verschatten möglichst kühl gehalten werden, damit die Klimageräte weniger Energie benötigen. Und elektrische Geräte sollten, wenn möglich,
in Zeiten mit geringerer Netzbelastung betrieben werden.


Derzeit bieten Energielieferanten auch günstige Stromtarife zu Zeiten an, wenn viel Strom etwa durch Solaranlagen, produziert wird. So hat die Tiwag den Stromtarif bis 30. September täglich zwischen 10 und 16 Uhr auf 4,9 Cent netto halbiert. Der Tiroler Energieanbieter Gutmann verschenkt gar den Strom an den Wochenenden und Feiertagen bis August von 12 bis 16 Uhr. Auch 20 Prozent Netzkosten lassen sich in der Mittagszeit sparen. Dazu muss nur im Smartmeter-Portal des Strombetreibers der Viertelstundenwert (Opt-in) aktiviert werden.


„Wir investieren jetzt 100 Millionen Euro und sparen damit 375 Millionen Euro an Stromkosten.“
Wolfgang Hattmannsdorfer Energieminister

Tiroler Tageszeitung