Resilienz. Im KURIER Energie-Chat gab E-Control-Vorstand Michael Strebl Auskunft darüber, was Strom- und Gaskunden angesichts der Energiekrise konkret tun sollten.
Seit dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar gibt es auf Energiemärkten große Verunsicherung. Das hat in vielen Menschen den Wunsch nach mehr Krisensicherheit geweckt. Im KURIER Energie-Chat stellten Leser E-Control-Vorstand Michael Strebl Fragen zur aktuellen Situation.
? Wieso ist der Strompreis trotz des Iran-Krieges so stabil geblieben?
Der Gaspreis ist zwar gestiegen, sein Einfluss auf den Strompreis sei aber saisonabhängig, sagt Strebl. Im Frühling und Sommer wird mehr Wasser-, Wind- und Solarenergie erzeugt. Gaskraftwerke laufen erst im Herbst und Winter wieder vermehrt. Dann erwartet die E-Control auch eine Preissteigerung bei Strom. Kunden sollten ihre Tarife überprüfen und Preise vergleichen, etwa mit dem Tarifkalkulator der E-Control.
? Wie viel kann man aktuell bei einem Lieferantenwechsel sparen?
„Es gibt Orte, wo durchschnittliche Verbraucher bei einem Wechsel des Gaslieferanten im Jahr 524 Euro einsparen können. Bei Strom sind es bis zu 298 Euro“, sagt Strebl. Die Wechselbereitschaft ist durch die Energiekrise eindeutig gestiegen. „Das vergangene Quartal war jenes mit der höchsten Wechselrate überhaupt.“ Bei Strom waren es 1,7 Prozent, bei Gas 2,4 Prozent aller Kunden, die den Lieferanten gewechselt haben.
? Dynamische Tarife versus fixe Tarife: Was ist in einer Krisensituation besser?
„In der jetzigen Situation raten wir Kunden eher, sich einen Fixpreis zu verschaffen. Derzeit sind noch sehr günstige Angebote am Markt“, so Strebl. Durch den neuen Sommer-Niedrig-Arbeitspreis (SNAP), der von April bis September, täglich von 10 bis 16 Uhr gilt, bringt man aber auch ein dynamisches Element in Fixtarife. Wenn Stromkunden es schaffen, ihren Verbrauch in diese Zeit zu verschieben, können sie bei Netzentgelten sparen.
? Was kann man machen, wenn man an einen Vertrag gebunden ist?
„Es gibt Lieferanten, die Kunden kulanterweise aus dem Vertrag herauslassen.“ Sich einer Energiegemeinschaft anzuschließen und zu gewissen Zeiten von deren Preisen zu profitieren, sei jederzeit möglich.
? Versuchen Österreicher seit der Krise verstärkt, eigene Energie zu erzeugen?
Die Eigenversorgung von Haushalten mit Strom steigt. Die Gelegenheit zur eigenen Stromerzeugung zu nutzen, ist laut Strebl gescheit, selbst mit kleinen Balkonkraftwerken.
? Wie kann sich das ganze Land unabhängiger von fossiler Energie machen?
„Jede Kilowattstunde, die wir aus Photovoltaik, vor allem aber aus Wind erzeugen, macht uns unabhängiger von unangenehmen geopolitischen Entwicklungen.“ Das geplante Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) wird momentan im Parlament verhandelt. Wichtig ist laut Strebl aber auch, das Stromnetz weiter auszubauen und mehr Flexibilitäten zu schaffen.
? Wie schreitet der Ausbau von Speichern voran?
Strebl vergleicht die Notwendigkeit von Stromspeichern mit der Getreideernte: „Die ist im Sommer, trotzdem wollen sie auch im Winter Brot essen.“ In Österreich werden deshalb Pumpspeicherkapazitäten erhöht. Außerdem gebe es viele Anfragen für den Netzanschluss von Batteriespeichern. „Nicht alle dieser Projekte werden verwirklicht werden“, so Strebl, aber eine verstärkte Dynamik sei deutlich. Weiterhin enorm wichtig seien die heimischen Gasspeicher. Sie seien derzeit zu 43 Prozent gefüllt. Für die Jahreszeit sei das ein völlig normaler Stand. Der E-Control-Vorstand macht sich keine Sorgen um die Versorgung im Winter.
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