Großprojekt liefert bald saubere Energie für 20.000 Haushalte. Herbert Brandner, Abteilungsleiter bei Wien Energie für erneuerbare Stromerzeugung, wirft einen Blick zurück und einen in die Zukunft.
Herbert Brandner kennt jedes Windrad, das Wien Energie in Ebreichsdorf errichtet hat, auf einen Blick. Für den Laien scheint das gar nicht so einfach zu sein, denn rund um den Windpark Ebreichsdorf wurden auch Windparks anderer Energieanbieter errichtet. Doch aufgrund der Form der Gondel, die oben am Turm jedes Windrades thront, kann Brandner sofort identifizieren, welches Windrad zu welchem Windpark gehört.
Die Gondel ist das technische Herzstück eines jeden Windrades. Sie beherbergt die wesentlichen Komponenten zur Stromerzeugung. Die Form der Gondel – wie ein Ei oder rechteckig geformt, sagt nicht nur über die Erzeugerfirma etwas aus, sondern auch darüber, wo der Generator angebracht ist.
In der eiförmigen Gondel befindet sich ein Permanentmagnetgenerator, der ohne Getriebe die Umdrehungsanzahl der Rotoren umwandelt. Und auf den eckigen Gondeln befindet sich oben ein Getriebe, wo die Stromumwandlung wie bei einem Auto oder bei einem Fahrrad funktioniert.
Die Gondel wiegt übrigens etwa 80 Tonnen – so viel wie eine Eisenbahnlok. Die Rotorblätter, die auf der „Nase“ des Windrades montiert werden, sind nicht steif, sondern elastisch. Sie bestehen aus einem bestimmten Verbundmaterial, „ähnlich wie Segelboote“, erläutert Brandner. Drei Windräder fehlten beim letzten Lokalaugenschein der Wien Energie noch, um den Windpark, der insgesamt zehn Windräder umfasst, komplett zu machen. Hier, neben der B210 in Ebreichsdorf in Richtung A3, werden sieben Windräder aufgestellt, drei weitere zwischen Unterwaltersdorf und Seibersdorf errichtet. Doch um Windräder aufstellen zu können, braucht man ihn einmal nicht: den Wind. Denn nur wenn es windstill ist, können die tonnenschweren einzelnen Turmsegmente tatsächlich mit einem Spezialkran Element für Element übereinandergestapelt und im Fundament fest verankert werden. Windpark-Realisierung dauerte länger 2012 wurde mit der Projektierung begonnen, die Windpark-Zonierung war seit 2014 ausgewiesen. Im selben Jahr fand auch die Volksabstimmung statt, die pro Windpark ausging. Im Jahr 2015 konnte nach einer erfolgreichen Flächenwidmung die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingeleitet werden. Das UVP-Verfahren dauerte länger als ursprünglich angenommen, weil verschiedene Parteien Einsprüche erhoben, die alle in den diversen Gerichtsinstanzen behandelt werden mussten. Dass der Windpark jetzt in die Zielgerade biegt, ist daher für alle Beteiligten, auch für die lokale Politik, eine große Erleichterung. Bürgermeister Wolfgang Kocevar (SPÖ) betont: „Der Windpark zeigt, wie wichtig Ausdauer bei der Umsetzung solcher Vorhaben ist. Gerade angesichts globaler Krisen und der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern ist es notwendig, verstärkt auf alternative Energiequellen zu setzen. Auch künftig wollen wir in Windenergie und Photovoltaik investieren, um die regionale Unabhängigkeit weiter zu stärken.“
Das Wichtigste für Wien Energie sei es, die Bevölkerung von Beginn an in jedes Windpark-Projekt miteinzubeziehen. Man müsse rechtzeitig Ängste nehmen, es sei aber auch eine Generationenfrage, wie die Bevölkerung mit dem Thema Windkraft umgeht.
Und noch etwas Positives kommt dazu: Das rote Dauerblinken in der Nacht soll bald der Vergangenheit angehören. Die sogenannte „Bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung“ soll das Leben der Anrainer erleichtern. Der Windpark Ebreichsdorf hat jedenfalls alle technischen Voraussetzungen dazu.
Zum Einsatz kommen moderne Windkraftanlagen des Typs Vestas V117 mit einer Leistung von jeweils 3,45 Megawatt. Insgesamt erreicht der Windpark eine Kapazität von 34,5 Megawatt. Mit einer Nabenhöhe von rund 141 Metern wird künftig eine jährliche Stromproduktion von etwa 76.000 Megawattstunden erzielt – genug, um rechnerisch rund 20.000 Haushalte mit sauberer Energie zu versorgen.
Die vollständige Inbetriebnahme ist in der ersten Jahreshälfte 2026 geplant. Ein großes Eröffnungsfest für alle Bürgerinnen und Bürger ist bereits fixiert: Am 3. Juli wird der Windpark offiziell eröffnet.
Von Judith Jandrinitsch und Thomas Lenger
NÖN Niederösterreichische Nachrichten




