Der Preis für Erdgas ist stark gestiegen. Aber auch die Netzgebühren werden laut E-Control im kommenden Jahr erneut österreichweit um rund sieben Prozent angehoben. Was sind die Ursachen für die Teuerung?
Österreich steht ein teurer Winter bevor. Teuer deshalb, weil der europäische Gaspreis seit Wochen in lichten Höhen schwebt. Derzeit liegt der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat bei rund 98 Euro pro Megawattstunde – im Februar lag er noch bei rund 30 Euro je MWh. Doch nicht nur der Gaspreis wird teurer, auch die Gebühren, um das Gas durch Österreich bis zu den Haushalten zu transportieren. Diese Netzentgelte machen rund 20 Prozent der gesamten Gasrechnung aus, der Rest entfällt auf die Kosten für die Gaslieferung sowie Steuern und Abgaben.
Sie steigen 2027 deutlich, wie die E-Control vor kurzem veröffentlicht hat: um 7,2 Prozent österreichweit. Nach einem Plus von 16 Prozent 2025 und 18 Prozent 2026 fällt der Anstieg diesmal nicht so stark aus. Die Begründung fiel knapp aus: Der Gastransit und der Verbrauch von Erdgas sei rückläufig, hieß es.
Gasverbrauch sinkt
Immer weniger Menschen heizen mit Gas. Die Zahl der Gasheizungen ist von 2022 bis 2024 um knapp 50.000 auf 843.700 zurückgegangen. Wichtigster Gradmesser ist aber die Zahl der Zählpunkte. Laut Zahlen aus dem Energieministerium ist die Zahl der Gaszählpunkte in Österreich zwischen 2015 und 2024 um rund 156.000 auf etwa 1,2 Millionen gesunken. Das heißt, die Gebühren für die Netze teilen sich auf weniger Endkunden auf. Es wird teurer für alle.
„Wir haben 2022 einen deutlichen Verbrauchsrückgang beim Gas gesehen“, sagt Carola Millgramm, Leiterin der Abteilung Gas bei der E-Control. Generell sinkt der Gasverbrauch in Österreich: 2021 lag der Endkundenverbrauch bei mehr als 96 Terawattstunden (TWh), 2024 sank er auf rund 74 TWh. 2025 gab es wieder einen leichten Anstieg. Die Haushalte machen rund ein Drittel des Gasendverbrauchs aus, der Löwenanteil entfällt auf die Industrie. Der Gasverbrauch hängt auch von Wetter und Konjunktur ab. Die milden Winter 2023/2024 und 2024/2025 sorgten für einen Rückgang beim Gasverbrauch.
Die Entgelte sind aber auch gestiegen, weil wichtige Transitgebühren fehlen. Durch Österreich verlaufen mehrere Fernleitungspipelines, in denen etwa Gas nach Italien exportiert wird. Doch durch den Wegfall des russischen Gases wird diese Transitroute nicht mehr benötigt.
Verträge ausgelaufen
„Die Fernleitung nach Italien exportiert nur noch rund zehn Prozent ihrer technischen Kapazität“, sagt Millgramm. Viele Verträge mit sogenannten „Shippern“, also Unternehmen, die Transportkapazitäten buchen, seien ausgelaufen und nicht mehr erneuert worden. Doch das Gasnetz muss unabhängig von seiner Auslastung betrieben, gewartet und instand gehalten werden. Den Wegfall der ausländischen Transitgebühren müssen nun also die österreichischen Kunden schultern.
Nicht zuletzt steigen die Entgelte laut E-Control auch, weil Biogas-Anlagen an das Gasnetz angeschlossen werden. Sie erzeugen aus Abfällen, Ernteresten und Gülle Gas, das verstromt wird und Wärme erzeugt. Die Regierung will, dass künftig Biogas ins Gasnetz eingespeist wird, um damit die Abhängigkeit von ausländischem Erdgas zu reduzieren. Weil der Anschluss mit hohen Kosten verbunden ist, übernehmen sie die Verteilernetzbetreiber. Die Kosten werden wiederum auf alle Endkunden verteilt. Laut Biogas-Verband gibt es derzeit nur rund 50 Anlagen, die aufgrund ihrer Größe und Nähe zum Gasnetz auf Gaseinspeisung umrüsten müssen. Sie hätten jedoch „keinen signifikanten Anteil an den Gasnetz-Entgelten“, heißt es vom Verband.
Im Energieministerium ist man sich der Problematik bewusst. „Wir müssen verhindern, dass Gaskundinnen und Gaskunden die Kosten für ein zunehmend überdimensioniertes Netz tragen“, heißt es schriftlich auf Anfrage des STANDARD. Derzeit wird im Ministerium an einer Neufassung des Gaswirtschaftsgesetzes (GWG) gearbeitet. Die Zeit drängt: Österreich ist wie 25 andere EU-Länder säumig mit der Umsetzung der europäischen Gasbinnenmarktrichtlinie. Nur Italien hat die Richtlinie bisher umgesetzt.
An Bedarf anpassen
Mit der Richtlinie sollen die Voraussetzungen für die Transformation der Gasversorgung – weg vom Erdgas hin zu Erneuerbaren Gasen und Wasserstoff – geschaffen werden. So sind die Mitgliedsstaaten unter anderem verpflichtet, die Gasnetze an den tatsächlichen Bedarf anzupassen und Stilllegungspläne zu erstellen, wenn eine Verringerung der Erdgasnachfrage zu erwarten ist. „Wir wollen vermeiden, dass heute noch in Leitungen investiert wird, die morgen möglicherweise nicht mehr gebraucht werden. Günstiger dürften die Gasnetz-Entgelte jedenfalls künftig nicht mehr werden.
Der Standard



