Wie das Land bei Energie unabhängiger wird. Webseite soll Fakten transparent aufzeigen.

23. Oktober 2026

Transformation. Die Kosten für Importe von Erdöl und Erdgas werden oft mit rund zehn Milliarden pro Jahr beziffert. Dabei handelt es sich aber nur um einen Überschlagswert. „Heuer wird’s mehr“, sagt Christoph Dolna-Gruber von der Energieagentur. Mit mehr selbst erzeugter erneuerbarer Energie könnte die Sache ganz anders aussehen. Wie, das soll der neue „Kompass Energieunabhängigkeit“ aufzeigen.


Akzeptanz bei Kunden


„Am Nationaltag gedenken wir der politischen Unabhängigkeit Österreichs. Wir wollten uns ansehen, wo wir bei der Energieversorgung stehen“, sagt Barbara Schmidt, Geschäftsführerin von „Oesterreichs Energie (OeE). Der Branchenverband der Elektrizitätswirtschaft hat die Webseite gemeinsam mit der Energieagentur kreiert. „Die Akzeptanz der Energiewende ist hoch, aber es gibt Felder, wo sie infrage gestellt wird“, sagt OeE-Präsident Michael Baminger. Durch transparente Infos sollen Menschen besser „auf die Reise mitgenommen“ werden.


Bei der Eigenversorgung mit Energie erreicht das Land derzeit 41 Prozent, erklärt Dolna-Gruber. „Über ein Jahr gerechnet kommen wir bis Ende Mai aus, für den Rest des Jahres sind wir von Importen abhängig.“ Das liegt vor allem am hohen Anteil von fossiler Energie in Verkehr, Industrie und Raumwärme. Die Situation habe sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Bei neu installierter Kraftwerksleistung liegt Österreich – vor allem wegen des Photovoltaik–Booms – über dem Zielpfad des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes. Die tatsächliche Erzeugung erneuerbaren Stroms hinkt jedoch hinterher. Das liegt an der Witterung, über die man keine Kontrolle habe.


Besser investieren


Das Geld für fossile Importe könnte man besser investieren. Um zehn Milliarden Euro könnte man theoretisch 1.000 Windkraftwerke pro Jahr bauen. Kauft man um das Geld Öl und Gas im Ausland ein, gebe es eine Reihe unterschätzter Zusatzkosten, sagt Dolna-Gruber. Dazu zählen hohe Risiken und hohe Versicherungskosten. Außerdem seien mit fossilen Importen schwankende Preise, darauf folgende staatliche Subventionen, hohe Umwelt- und Gesundheitskosten (durch Emissionen) und eine geschwächte Verhandlungsposition Europas mit anderen Weltmächten verbunden.


Mehr Unabhängigkeit dürfe man nicht mit Autarkie und Isolation verwechseln. Importe seien weiterhin notwendig und bringen auch einige Vorteile. Der europäische Strommarkt helfe etwa sehr dabei, Schwankungen auszugleichen. Mehr Eigenproduktion brächte aber mehr heimische Wertschöpfung.


D. Kotrba

Kurier