Mit 85 Millionen Kilowattstunden Jahreserzeugung ist das neue Kraftwerk Tauernbach-Gruben das zweitstärkste im Bezirk. Es soll Strom für rund 20.000 Haushalte liefern.
Drei Jahre nach Baubeginn konnte das Kraftwerk Tauernbach-Gruben im Osttiroler Tauerntal offiziell in Betrieb genommen werden. Mit einer jährlichen Erzeugung von rund 85 Millionen Kilowattstunden leistet das künftig zweitstärkste Kraftwerk im Bezirk nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit vor Ort, sondern ist auch ein wichtiger Schritt in Richtung Energieautonomie Tirols.
„Die Unabhängigkeit war und ist die große Stärke Tirols. Dies möchten wir auch mit einer eigenständigen Energieversorgung erreichen und damit den Lebensraum und Wirtschaftsstandort nachhaltig stärken und absichern. Dafür haben wir im Rahmen der Regierungsklausur in Osttirol wichtige Maßnahmen beschlossen, aber auch unser Landesenergieversorger Tiwag leistet mit einem Rekordinvestitionsprogramm von 2,5 Milliarden Euro bis 2030 einen zentralen Beitrag für weniger Abhängigkeit von ausländischem Öl und Gas. Unterm Strich profitieren wir in Tirol von den günstigen Energiepreisen“, erklärte Landeshauptmann Anton Mattle bei seiner Festansprache.
Für das neue Kraftwerk in Osttirol hat die Tiwag rund 180 Millionen Euro investiert. „Kosten- und Zeitplan wurden eingehalten. Das ist bei einem Projekt in dieser Größenordnung nicht selbstverständlich“, betonte Tiwag-Vorstandsdirektor Alexander Speckle. Zudem fielen die Bauvorbereitungen inklusive Spatenstich mitten in die Corona-Pandemie. „Unsere Teams vor Ort haben mit den Partnerfirmen sämtliche Herausforderungen mit Bravour gemeistert. 2027 folgt mit der Inbetriebnahme der erweiterten Anlage im Kühtai der nächste Meilenstein. Auch die Arbeiten beim Kraftwerk Imst-Haiming laufen planmäßig für die Fertigstellung 2030.“
Zuletzt wurde 1988 mit dem Kraftwerk Amlach ein größeres Tiwag-Projekt in Osttirol umgesetzt. Die neue Anlage am Tauernbach ist künftig das zweitstärkste Kraftwerk im Bezirk und kann den Strombedarf von rund 20.000 Haushalten abdecken beziehungsweise 60.000 Tonnen CO2 einsparen. Es wurde als Ausleitungskraftwerk konzipiert: Das Wasser wird von der Fassung bei den Schildalmen über einen 8,5 Kilometer langen, unterirdischen Triebwasserweg zum Krafthaus in Gruben geleitet.
Seit Anfang Juli läuft die Nassinbetriebsetzung – mittlerweile konnten bereits die ersten Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Noch im September startete der Probebetrieb. „Die Auswirkungen der Trockenheit waren an diesem Standort weniger zu spüren. Aus Erzeugungs- und Ertragssicht sind wir sehr zufrieden“, zieht der Tiwag-Vorstandsdirektor ein erstes Resümee.
Ein besonderer Fokus wurde im Zuge der Umsetzung auf die Naturverträglichkeit gelegt: Zahlreiche Renaturierungs- und Ausgleichsmaßnahmen wurden von den Tiwag-Experten vor Ort umgesetzt. Am Tauernbach konnte mit der Herstellung der Fischdurchgängigkeit bei der Winterbrücke eine letzte große Maßnahme abgeschlossen werden.
Auch an der Schwarzach wurden durch Aufweitungen in den Bereichen Görtschach und Dölach neue Lebensräume für Fische und Kleinstwassertiere geschaffen. Speckle: „Damit ist dieses neue Kraftwerk auch ökologisch ein Vorzeigeprojekt.“
Kleine Zeitung



