Elektronik ist durch den Chiphunger der KI-Industrie teurer geworden. Doch Rechenzentren brauchen nicht nur Prozessoren, sondern auch Strom – und werden zu Rivalen für Private.
Mit dem Bau-Boom bei Rechenzentren geht großer Stromhunger einher. Allein das neue Google-Rechenzentrum, das in Kronstorf (OÖ) gebaut wird, soll im Endausbau einen Jahresverbrauch von 4,4 Terawattstunden haben.
In den USA haben die KI-Konzerne damit begonnen, sich Kapazitäten zu sichern. Dabei schreckt die Branche, die sich so gern als „grün“ vermarktet, nicht vor fossiler Energie zurück: Da werden AKWs reaktiviert und IT-Magnat Elon Musk setzt bei der Versorgung seiner xAI-Rechenzentren auf Erdgas. Der Energiehunger ist so gigantisch, dass Musk um eine Milliarde US-Dollar eigens eine Firma kaufte, die Gasturbinen herstellt.
KI-Konzerne wollen netzunabhängig werden
Hintergrund: Nicht überall, wo Rechenzentren gebaut werden, ist das Netz gerüstet. Deswegen versuchen Tech-Konzerne, den Strombedarf „vor Ort“ zu decken und Generatoren auf dem Betriebsgelände zu platzieren. Hier sind mobile Gaskraftwerke vorerst alternativlos. Und laut Prognose der Internationalen Energieagentur IEA wird dies noch länger so bleiben und der Stromverbrauch in Rechenzentren bis 2030 auf das Vierfache explodieren. In den USA wird vor allem Erdgas, in China Kohle für KI verfeuert. Was die Frage aufwirft, ob wir künftig mit reichen KI-Konzernen um Gas und Strom konkurrieren.
Ausschließen will die Regulierungsbehörde E-Control dies nicht. Auf „Krone“-Anfrage heißt es, man sei durch die Einbindung in das EU-Netz für Engpässe gerüstet und behandle Rechenzentren im Zweifel wie andere Großverbraucher, die den Verbrauch senken müssten.
Aber Serverfarmen seien dennoch herausfordernd: „Derzeit gibt es mehr Anfragen für Netzanschlüsse als verfügbare Kapazität.“ Ob die Preise steigen, hänge von Angebot und Nachfrage ab. „Kurzfristig ist davon auszugehen, dass Effekte von zusätzlichem Verbrauch durch das Rechenzentrum vor allem im Winter zu sehen sein werden.“ Als preisdämpfende Maßnahme empfehle sich der Windkraft-Ausbau.
Prinzipiell berge KI aber auch neue Chancen: „Es gibt Ansätze, die helfen, die Netze besser auszunützen, oder etwa Wettereffekte auf erneuerbare Erzeugung besser abschätzen zu können.“ Hier seien souveräne Lösungen gefragt, bei denen die Daten unter europäischer Kontrolle bleiben.
D. Erlinger
Kronen Zeitung



