Auch im Bezirk Liezen wollen immer mehr von Energiegemeinschaften profitieren. Nun wurde auch das Regionalmanagement aktiv.
Energiegemeinschaften boomen. Immer mehr Privatpersonen – aber auch Gemeinden, Unternehmen, Vereine und Organisationen – schließen sich zur gemeinsamen Produktion und Verwertung von Energie zusammen. Das bestätigt auch Johannes Kohlmaier von der Energie Agentur Steiermark, der offiziellen Beratungsstelle des Landes Steiermark. Österreichweit habe es Ende März insgesamt rund 12.000 Energiegemeinschaften gegeben, die Hälfte davon Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG).
„Für die Steiermark haben wir leider keine genauen Zahlen“, bedauert der Experte. Sie würden aber irgendwo im vierstelligen Bereich liegen, Tendenz stark steigend. Die Unkenntnis erkläre sich aus der hohen Zahl an Stromnetzbetreibern in der Grünen Mark. In keinem anderen Bundesland gebe es mehr.
Mitglieder von Energiegemeinschaften würden von attraktiveren Bezugspreisen und Einspeistarifen, vor allem aufgrund reduzierter Netzentgelte, und einem hohen Maß an Unabhängigkeit vom gegenwärtig äußerst volatilen Strommarkt profitieren, erklärt Kohlmaier. Auch der regionale Nachhaltigkeitsgedanke spiele für viele eine Rolle. Um diese Vorteile möglichst vielen im Bezirk zugänglich zu machen, hat das Regionalmanagement Liezen (RML) die Energiegemeinschaft Region Liezen initiiert.
Der offizielle Startschuss erfolgte mit der konstituierenden Sitzung der zehn Gründungsgemeinden Altenmarkt bei St. Gallen, St. Gallen, Landl, Ardning, Lassing, Liezen, Wörschach, Öblarn, Gröbming und Sölk. In jeder gibt es eine eigene regionale EEG, deren Gründung das RML übernommen hat. Sie alle wurden unter dem Dach der Energiegemeinschaft Region Liezen, einer Bürgerenergiegemeinschaft, vereint. Der organisatorische und administrative Aufwand wird zentral über das RML koordiniert. Für die technische Abwicklung sowie die laufenden Abrechnungen sorgt ein spezialisierter externer Dienstleister. Ab Oktober soll die Teilnahme für Bürgerinnen und Bürger, Vereine sowie Betriebe – Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern oder einem Umsatz von über 50 Millionen Euro sind ausgenommen – kostenlos möglich sein. Weitere Gemeinden haben bereits Interesse bekundet.
Eine davon ist die Stadtgemeinde Trieben, wo man schon 2022 im Zuge der Windpark-Volksbefragung die Gründung einer EEG beschlossen hat. Die 18 Cent pro Kilowattstunde, die man ins Auge gefasst habe, seien aber schon damals kein sehr attraktiver Tarif gewesen, sagt Bürgermeister Klaus Herzmaier. „Wir haben das dann deshalb nicht mehr weiterverfolgt.“
In der Energiegemeinschaft Region Liezen „sehen wir eigentlich den größeren Mehrwert, wir können zum Beispiel auch die Triebener mit Klein-PV-Anlagen miteinbeziehen“, erklärt der Stadtchef. Die Beschlussfassung im Gemeinderat sei für September geplant. Auch eine Infoveranstaltung für die Bevölkerung soll es geben.
In Stainach-Pürgg ist man schon einen Schritt weiter. Bereits letztes Jahr habe man eine offene, heuer im Nachgang noch eine Gemeinde-EEG gegründet, erzählt Bürgermeister Bernhard Schachner. Letztere erzeuge – „im Wesentlichen mit unseren vier Kraftwerken“ – rund eine Million Kilowattstunden Strom pro Jahr. Mehr als die kommunalen Gebäude und Anlagen verbrauchen. „Der Überschuss kommt in die offene Energiegemeinschaft“, erklärt er. „Wir haben einen Autarkiegrad von 98, 99 Prozent und bereits unsere Vorschreibungen beim Energielieferanten reduzieren lassen“, zeigt sich Schachner zufrieden. Die Gründung der Energiegemeinschaft Region Liezen habe er interessiert verfolgt, er sehe aber keinen Grund, an der derzeitigen Struktur etwas zu ändern.
Von Benedikt Karl
Kleine Zeitung



