Goldgräberstimmung in der Speicherwelt

23. September 2026, Salzburg

Bei der Salzburg Netz gibt es Anfragen zu Batteriespeichern mit knapp 1000 Megawatt. Ein oö. Start-up hat demnächst 300 MW in Betrieb. Vieles hängt von den neuen Netzentgelten ab.


Der Flachauer Leo Huttegger ist ein Solarpionier. Vor einem Jahrzehnt baute der Landwirt mit einem Nachbarn die damals größte Freiflächen-Photovoltaikanlage Österreichs. Auf einer Fläche von fünf Fußballfeldern stehen Solarpaneele, die an einem durchschnittlichen Tag so viel Strom erzeugen, um die rund 1000 Flachauer Haushalte zu versorgen.


Nun geht Huttegger einen Schritt weiter: In Reitdorf und in Flachau sind zwei Großbatteriespeicher geplant, erzählt er: „Mittags, wenn die Leitungen glühen, können wir den Strom rausnehmen und abends, wenn er wieder gebraucht wird, abgeben.“ Etliche Millionen Euro an Investitionen seien geplant, die Projekte in der finalen Phase. „Wir können nicht warten, wir müssen handeln. 2015 haben mich alle für blöd erklärt, als ich mit den PV-Anlagen angefangen habe.“ Huttegger ist längst nicht der Einzige, der solche Pläne wälzt. Bislang waren es aber vor allem kleine Batteriespeicher von Privatkunden. Im Netzgebiet der Salzburg Netz GmbH sind derzeit knapp 15.000 solcher Speicher installiert, ein Zuwachs von rund 60 Prozent gegenüber Ende 2024. Nun werden die Anlagen sehr viel größer: Bei der Salzburg Netz gibt es aktuell rund 50 Anfragen zu Großbatteriespeicher-Projekten mit einer Gesamtleistung von knapp 1000 MW, heißt es vom Unternehmen. Wie viele dieser Projekte tatsächlich umgesetzt würden, lasse sich derzeit nicht abschätzen. Ein Dutzend Projekte sind aber sehr konkret, das größte hat eine Leistung von 150 MW, erklärt eine Sprecherin der Salzburg AG.


Der Energieversorger will auch selbst Speicher errichten. Am Gelände des Heizkraftwerks Nord in der Stadt Salzburg ist eine Anlage mit 15 MW Leistung und 30 MWh Speichervolumen geplant. Mit dem Bau der sieben Batteriecontainer soll demnächst begonnen werden. Die Bauverhandlung hat bereits stattgefunden. In Oberndorf wurde im Mai mit dem Bau des ersten großen Batteriespeichers im Bundesland gestartet. Auf einem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück im Gewerbegebiet Staffl investiert das Unternehmen Blackvolt Energy GmbH nach eigenen Angaben 15 Millionen Euro.
Die oberösterreichische Powerlink H2 GmbH ist schon weiter. Das Unternehmen mit Sitz in Wels hat bereits Batteriespeicher mit rund 150 MW in Betrieb, weitere 150 MW sind im Endausbau und werden bis Jänner laufen. Die größten darunter haben zwischen 30 und 40 MW und stehen bei Unternehmen im Bundesland, etwa bei Schachinger Logistik in Linz-Hörsching, die bis 2030 ihre gesamte Flotte von 100 Lkw und 200 Transportern auf elektrischen Antrieb umstellt. Wir entwickeln Projekte, finanzieren sie und betreiben sie. In Planung seien viele weitere Anlagen in Österreich, aber auch in anderen europäischen Ländern, wie der frühere Chef der Energie AG, Werner Steinecker, einer der Eigentümer des Batteriespeicher-Entwicklers und -Betreibers, am Montag sagt. Das größte Projekt sei „im dreistelligen Bereich“ und werde zu den Spitzenreitern in Europa aufschließen. Details zum Standort in Österreich werden, wie derzeit meist im Speicherbusiness, nicht verraten. Denn es herrscht Goldgräberstimmung und das knappe Gut sind die Netzanschlüsse.


Powerlink gehört zu den Früh- und Schnellstartern. Binnen 18 Monaten wurden rund 150 Mill. Euro investiert. Unter den Investoren ist auch die Beratungsfirma des früheren Bundeskanzlers Werner Faymann. „Wir sehen einen gewaltigen Bedarf an Batteriespeichern“, sagt Steinecker. Allein beim heimischen Übertragungsnetzbetreiber APG gebe es Anfragen für Netzanschlüsse von bis zu 20.000 MW.


E-Control bremst mittels Verordnung


Die Energieregulierungsbehörde E-Control versucht, einen „Wildwuchs“ bei Batteriespeichern zu verhindern. Sie geht in den nächsten zehn Jahren von einem Bedarf von 3000 bis 5000 MW aus. Der Hebel ist die bereits im Finish befindliche Neuregulierung der Netzentgelte. Die entsprechende Grundsatzverordnung soll noch im Oktober in Kraft treten. Die Speicherbranche, seit Kurzem im Bundesverband Energiespeicher organisiert, wünscht sich eine weiter gehende Befreiung der Batteriespeicher von Netzkosten als im Entwurf geplant, sonst würde der notwendige Ausbau gebremst. Die neuen Tarife sehen – unter bestimmten Voraussetzungen – eine Reduktion der Netzkosten für Batteriespeicher vor. Eine Befreiung – für 20 Jahre wie bei Pumpspeicherkraftwerken – ist für „systemdienliche Speicher“, die tatsächlich dazu beitragen, den teuren Netzausbau zu reduzieren.
Die Netzentgelte sollen nach Ansicht der Behörde nicht als Speicherförderung missverstanden werden. Auch die Arbeiterkammer (AK) warnt vor mehr Rabatten für Strombatterien, denn „jede Entgeltbefreiung für Speicher bedeutet automatisch höhere Kosten für alle übrigen Netzkunden“. „Würden fünf Gigawatt Speicher vollständig befreit, wären das rund 350 Millionen Euro pro Jahr – etwa zehn Prozent der gesamten Netzkosten“, rechnet AK-Energieexperte Joel Tölgyes vor. Bei einer mehrjährigen Ausnahme würde sich das rasch auf einen Milliardenbetrag summieren.

Monika Graf, Iris Burtscher

Salzburger Nachrichten