
Das rumänische Atomkraftwerk Cernavoda wird in den nächsten zwei Tagen aufgrund des gesunkenen Wasserstands und Durchflusses der Donau die Abschaltprozedur einleiten. Die Abschaltung könnte mindestens zwei Wochen dauern, sagte am Dienstag der stellvertretende Generaldirektor der rumänischen Wasserbehörde Sorin Rândažu laut der Nachrichtenagentur Agerpres. Er bezeichnete die Abschaltung als „unausweichlich“, auch neue Donau-Ausbaggerungen würden daran nichts mehr ändern.
„Der Wasserstand in der Region ist deutlich gesunken, in den letzten Stunden um weitere sechs Zentimeter“, wurde Rândažu zitiert. „Es gibt keinen Zufluss flussaufwärts“, verwies er auf den niedrigsten Durchflusswert, den er jemals erlebt habe, von lediglich 1.370 Kubikmeter pro Sekunde am Dienstag. „Das bedeutet, dass das Atomkraftwerk in den nächsten zwei Tagen die Abschaltprozedur einleiten wird“, sagte Rândažu laut Agerpres gegenüber dem privaten Fernsehsender Digi24. Cernavoda würde in den kommenden Tagen nur Durchflussmengen von weniger als 300 Kubikmetern pro Sekunde erreichen.
„Allerdings gelangt nur ein Teil dieses Durchflusses zum Kraftwerk“, so der Spitzenbeamte. „Sollte der Wert unter 45 Kubikmeter pro Sekunde fallen, ist der Betrieb des Kraftwerks praktisch nicht mehr möglich. Daher leitet das Kraftwerk nach aktuellem Kenntnisstand das Abschaltverfahren ein.“ Rândažu fügte hinzu, dass die Abschaltung des Kraftwerks unter den gegebenen Umständen unvermeidlich sei und mindestens zwei Wochen dauern könne. „Angesichts der prognostizierten Wasserstände und Abflüsse sehe ich derzeit keine Möglichkeit, noch etwas zu tun.“
Zuletzt Sprengung, nun weitere Ausbaggerungen
Auch Ausbaggerungen und sogar die Sprengung eines Felsens zuletzt haben den Betrieb aus aktueller Sicht also nicht gerettet. Aus dem Donaustrom ausgebaggert wurden in den vergangenen sieben Tagen 100.000 Kubikmeter. Weitere vorgesehene Ausbaggerungen benötigen Zeit. Durch weitere solcher Maßnahmen könne das AKW dann wieder zwei bis drei Tage in den Betrieb gehen, stellte Rândažu in Aussicht.
Ungarn entkam zuletzt bei seinem Atomkraftwerk Paks der Abschaltung. Auch dieses wird mit Donauwasser gekühlt, doch die Donau führt Niedrigwasser wegen der Dürre – auch in Österreich. Für Ungarn fürchtete Rândažu laut den Angaben, dass es dort zu neuen Schwierigkeiten beim Betrieb von Paks kommen könnte. Dabei verwies er auf die Wetterprognosen für die kommenden sieben Tage.
Einer der zwei Reaktoren in Cernavoda war wegen der Dürre bereits heruntergefahren worden. Da auch weniger Wasserkraft erzeugt wird, herrscht in Rumänien eine Energiekrise.
APA



