In den Stausee fließt zu wenig Wasser ein

6. August 2026, Salzburg

Die Trockenheit führt zu Einbußen in der Wasserkraft. Die Salzburg AG liegt derzeit bei 25 Prozent weniger Stromerzeugung. Sie betont aber: Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet.


Beim Wiestalstausee, der sich über Ebenau bis nach Adnet in den Tennengau erstreckt, herrscht Niedrigwasser. Das ist derzeit auch am Ufer mit freiem Auge erkennbar.
So ausgetrocknet sei der Speicherteich selten gewesen, heißt es auch von der Betreiberin des Wasserkraftwerks Wiestal, der Salzburg AG. „Die Tendenz ist aktuell sinkend, da wir deutlich mehr Restwasser abgeben müssen, als in den See zufließt.“


Mit dem Speicherkraftwerk werden nach Angaben des Energieunternehmens jährlich im Schnitt 15.000 Haushalte in Salzburg mit Strom versorgt, zusammen mit dem Kraftwerk Strubklamm und dem Wiestal-Ausgleichsbecken sind es 27.000 Haushalte pro Jahr. Im ersten Halbjahr liegt man mit der Stromerzeugung aus Wasserkraft aktuell 25 Prozent unter Plan.


Salzburg AG: „Ein schlechtes Jahr für Strom aus Wasserkraft“


Bereits Mitte Juli hieß es von der Salzburg AG, dass man in Sachen Speicherkraftwerke wie in Wiestal dringend auf Niederschläge angewiesen sei. Da betrug der Pegelstand im Wiestalstausee drei Meter unterhalb des Stauziels. Nun hat sich die Situation verschärft. Anfang August teilt das Unternehmen auf Anfrage mit, dass der Pegel derzeit 4,50 Meter unterhalb des Stauziels liegt. „In der Dimension haben wir die Trockenheit selten gespürt“, sagt Vorstand Herwig Struber. Die beiden Kraftwerke Wiestal und Strubklamm seien derzeit nur mit reduzierter Leistung im Einsatz, stünden aber im Anlassfall zur Verfügung.


„Es ist keine Freude, aber noch verfallen wir nicht in Panik“, sagt Struber. Laufkraftwerke seien permanent im Einsatz, Speicherkraftwerke liefen nur zu Spitzenzeiten, das sei ein normaler Vorgang. „Derzeit sieht es aber nach einem energiewirtschaftlich eher schlechteren Jahr bezogen auf die Stromproduktion aus Wasserkraft aus.“ Vor allem Kleinwasserkraftwerke seien derzeit von der Trockenheit erfasst – hier gebe es einen Abgang von bis zu 60 Prozent bei der Stromerzeugung.


Abgerechnet werde aber zum Schluss, betont Struber. „Wir beobachten seit mehreren Jahren, dass eine Verschiebung stattfindet. Es gibt nun mehr Niederschläge in den Wintermonaten – was uns hilft, da dann der Verbrauch auch höher ist im Land.“ Die Wassermengen übers Jahr gesehen seien zuletzt nicht gesunken, aber die Schwankungen würden höher ausschlagen – bis zu 15 Prozent Unterschied zwischen den Saisonen. In der Vergangenheit lag die Schwankung lediglich im einstelligen Bereich. „Die Hitzeperioden dauern länger, gleichzeitig dauern dann aber auch die Phasen mit Niederschlägen länger“, sagt Struber. Daher würden Speicherkraftwerke immer wichtiger werden.Es findet eine saisonale Verschiebung statt. Herwig Struber, Vorstand Salzburg AG Das geht auch aus einer Studie von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der Energiewirtschaft, hervor: Es gäbe weniger Niederschläge im Sommer, dafür mehr im Winter, Starkregen werde künftig zunehmen. Speicherkraftwerke würden die Flexibilität der Energieversorgung erhöhen.


Windräder in Salzburg: „Nur Windkraft können wir noch nicht anbieten“


Die Versorgungssicherheit könne auch bei weniger Stromproduktion in Trockenphasen gehalten werden, betont Struber. 32 Wasserkraftwerke betreibt die Salzburg AG allein oder mit Partnern im Land. Im bundesweiten Vergleich liege Salzburg bei der Wasserkraft aktuell knapp über dem Durchschnitt. „In Salzburg sind wir mit Energiemix gut aufgestellt, wenn wenig Wasser fließt, haben wir Sonne, die über Photovoltaikanlagen mehr Strom produziert als sonst.“ Er räumt aber ein: „Nur Wind können wir noch nicht anbieten. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre das – neben dem Ausbau der Speicher –, Wind als Energiequelle bald nutzen zu können. Das hilft uns bei der Erfüllung der Ziele für den Ausbau von erneuerbarer Energie.“


Ausbau von Wasserkraft in Salzburg: Trockenphasen stärker im Blick


Der Anteil der Wasserkraft an der gesamten Stromerzeugung in Salzburg macht etwa 80 Prozent aus, wie Energielandesrat Maximilian Aigner (ÖVP) bestätigt. Im Wasserinformationssystem des Landes sind derzeit 516 Wasserkraftanlagen vermerkt. Die Engpassleistung beträgt 2517 Megawatt. Durch Ausbau schaffen wir den Ausgleich in Trockenphasen. Maximilian Aigner, Landesrat „Die beste Absicherung gegen witterungsbedingte Schwankungen ist ein breiter Energiemix aus Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft“, betont auch Aigner. „Durch das Zusammenspiel und den weiteren Ausbau dieser Technologien können Wintermonate, Nachtzeiten, Flauten und längere Trockenperioden bestmöglich ausgeglichen werden.“ In den vergangenen Jahren wurden die Kraftwerke Stegenwald, Limberg III und jenes an der Fischachmündung in Bergheim errichtet. Heuer wird noch das Kraftwerk Sulzau in Neukirchen eröffnet, für das Werk in Golling läuft das Vorverfahren zur Umweltprüfung. Dazu gibt es zwei Windkraftwerke in Aussicht: am Lehmberg im Flachgau und das Windsfeld im Pongau. In der Strategie „Klima & Energie Salzburg 2050“ werde die Entwicklung der Wasserkraft laufend evaluiert, heißt es von Aigner. Im nächsten Fortschrittsbericht würden auch die Auswirkungen zunehmender Trockenperioden auf die Wasserkraft verstärkt behandelt.

Simona Pinwinkler

Salzburger Nachrichten