Bei der Herbstklausur in Lienz stellte Landesregierung weitere Maßnahmen auf dem Weg zur Energieautonomie vor.
Die Herbstklausur der Tiroler Landesregierung in Osttirol stand im Zeichen der Energiewende: Tirol hält am Ziel fest, bis 2050 energieautonom zu sein. Heute versorgt sich das Land an 220 von 365 Tagen vollständig mit heimischer, erneuerbarer Energie. Ziel ist es, den Import fossiler Brennstoffe zu beenden. Die beschlossenen Maßnahmen wurden am Dienstag von Landeshauptmann Anton Mattle, seinen Stellvertretern Philip Wohlgemuth und Josef Geisler sowie Landesrat René Zumtobel im Lienzer Rathaus präsentiert.
„In den vergangenen Jahren ist deutlich geworden, wie schnell sich internationale Krisen auf unsere Energieversorgung und die Preise in Österreich auswirken. Unser Ziel ist deshalb klar: Tirol soll energieautonom werden“, sagt Mattle. 60 Prozent des Tiroler Endenergiebedarfs werden aus erneuerbaren Energieressourcen gedeckt – insbesondere aus Wasserkraft und Biomasse. Seit 2014 wurden Maßnahmen wie der Ausbau von Photovoltaik und Wasserkraft gesetzt. Laut Geisler sei dies eine erfreuliche Zwischenbilanz, auf der man sich nicht ausruhen könne.
Die Grundlage für die weitere Entwicklung bildet das „Energie-Zielszenario Tirol 2050“, das laufend von der Energieagentur Tirol evaluiert wird. Demnach ist Energieautonomie bis 2050 möglich. Dafür muss der Endenergiebedarf bei Gebäuden, Mobilität und Produktion deutlich sinken. Gleichzeitig müssen erneuerbare Energieträger, Stromnetze und Speicherkapazitäten ausgebaut werden. Notwendig sei etwa, die Wasserkraft um rund 25 Prozent auszubauen. Auch Umweltwärme, Photovoltaik, Biogas und Wind sollen stärker genutzt werden.
Mit dem Ausbau erneuerbarer Energie steigt die Bedeutung von Speichern wie Stauseen. „Unsere Speicherkraftwerke brauchen keine kritischen Rohstoffe, die importiert werden müssen“, sagt Mattle. Im kommenden Jahr soll zudem die Förderung netzdienlicher Stromspeichersysteme, etwa für Batteriespeicher in Privathaushalten, weiterentwickelt werden. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Gebäudesektor, auf den 45 Prozent des Endenergiebedarfs entfallen. Dämmung, effiziente Heizsysteme und erneuerbare Wärme sollen weiter forciert sowie Nah- und Fernwärmenetze ausgebaut werden. Mit der Aktion „Mission Keller-Check“ erhalten Haushalte in der Heizsaison 2026/27 kostenlose Dämmsets und Unterstützung bei der Dämmung von Heizungsrohren.
Auch die Wohnbauförderung wird bis 2027 weiterentwickelt. Geplant sind einfachere Förderbestimmungen, angepasste Zuschüsse und schrittweise Sanierungen. Auch das Recycling von Baustoffen soll stärker berücksichtigt werden. „Mit der Wohnbauförderung haben wir in Tirol ein Erfolgsmodell für mehr leistbares Wohnen. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Hebel für die Energiewende“, sagt Wohlgemuth. Im Verkehrsbereich setzt Tirol auf öffentliche Verkehrsmittel und saubere Antriebe. „Über 198.000 Tiroler mit einer VVT-Jahreskarte leisten einen wichtigen Beitrag“, erklärt Zumtobel. Bis 2040 soll die VVT-Flotte vollständig auf emissionsfreie Antriebe umgestellt werden.
Die Maßnahmen sehen zudem eine Vereinfachung von Verfahren im Energiesektor vor. Landesgesetzliche Vorgaben sollen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Gleichzeitig sollen technische Barrieren bei Fahrplan- und Ticketapps abgebaut werden. In neun Regionen werden dafür Lösungen und Schulungsformate erprobt. „Digitale Angebote dürfen niemanden vom öffentlichen Verkehr ausschließen“, betont Zumtobel.
Kleine Zeitung




