Den steirischen Flüssen geht das Wasser aus

6. August 2026

Niedrige Pegelstände der Flüsse führen zu einem Einbruch in der Stromproduktion von Kleinwasserkraftwerken. DieWassernutzung wird zum Problem.



Bereits Mitte Juli zeichneten Experten ein ernstes Bild vom Wasserstand in süd- und oststeirischen Fließgewässern. Niedriger Pegel und geringer Durchfluss lassen nicht nur Flora und Fauna ächzen, sondern auch die Betreiber von Kleinwasserkraftwerken in den Bezirken Südoststeiermark, Leibnitz und Deutschlandsberg.


Bereits jetzt lässt sich für manche Betreiber von kleinen Flusskraftwerken abschätzen, dass die Stromproduktion 2026 um 30 bis 50 Prozent geringer sein wird als in einem Durchschnittsjahr. „Seit wir 2012 das Kraftwerk in Neumarkt an der Raab gepachtet haben, hatten wir noch nie so eine Trockenheit“, so Bernhard Jank. Die oberösterreichische Firma Jank Hydropower betreibt in ganz Mitteleuropa Flusskraftwerke – überall sei die Situation ähnlich.


Das bestätigt auch Bernd Lippacher vom Verein Kleinwasserkraft Österreich: „Inneralpin gibt es noch Grundwasserreserven. In der Südsteiermark ist vereinzelt mit Einbußen von 40 Prozent zu rechnen.“ Zwischen 100 und 150 Wasserkraftwerke gebe es in Leibnitz, Deutschlandsberg und der Südoststeiermark. Lippacher betont: „Die Wasserkraft ist das Rückgrat unserer Stromversorgung.“


Auch die Firma E-Lugitsch in Gniebing (Gemeinde Feldbach) versorgt über ihr Raab-Kraftwerk eine Energiegemeinschaft und örtliche Abnehmer mit Strom. Was darüber hinaus produziert wird, vertreibt das Unternehmen Kiendler an seine Kunden. „Derzeit läuft das Wasser ungenutzt vorbei. Wir merken seit den 2000ern, dass der Durchfluss immer weniger wird“, erzählt Geschäftsführer Werner Lugitsch. Startete man 1982 mit 1,2 Millionen kWh pro Jahr, liege man heute zwischen 300.000 und 700.000.


Damit sei rein wirtschaftlich gesehen das Betreiben des Kleinwasserkraftwerks von E-Lugitsch nicht sinnvoll. Ein Stilllegen sei finanziell zu teuer, denn dafür müsse man die Anlage zurückbauen. Ein Dilemma, vor dem viele kleine Kraftwerksbesitzer in Zukunft stehen werden, ist Lugitsch sicher.
Ebenso wird sich der Konflikt darum, wer Vorrang in der Wassernutzung hat, künftig zuspitzen. Beispielsweise klagen die Teichwirte, dass sie zu wenig Wasser aus Flüssen und Bächen bekommen. Was laut Lugitsch den Konflikt noch verschärft: „Es gibt zahlreiche unerlaubte Wasserentnahmen.“ Dabei hat er durchaus Verständnis dafür, dass bei solcher Trockenheit jeder das Wasser haben will: „Die Frage ist, was uns wichtiger ist.“


Prekär ist die Situation auch für Kraftwerksbetreiber an der Sulm in den Bezirken Deutschlandsberg und Leibnitz. Wie etwa bei der E-Werk Gleinstätten GmbH, auch bekannt als KTG Austria. Erst im Frühjahr wurde von ihr bei Haslach ein Wasserkraftwerk mit einer Spitzenleistung von 67 kW in Betrieb genommen. Von der geplanten Jahresproduktion von 250.000 Kilowattstunden ist man meilenweit entfernt. „Wir liegen bis jetzt in Summe bei 28.000, das geht sich nicht einmal mehr ansatzweise aus“, berichtet Geschäftsführer Arnold Prattes.


Kein Wunder: Der Wasserdurchfluss lag heuer im Schnitt bei unter zwei Kubikmetern pro Sekunde, das langjährige Mittel liegt bei 3,5. Aktuell fließt die Sulm gar nur noch mit 0,7 Kubikmetern pro Sekunde vorbei. Viel zu wenig für einen wirtschaftlichen Betrieb: „Das Kraftwerk steht schon seit fast zwei Wochen still“, erklärt Prattes. Eine Wiederinbetriebnahme mache erst nach länger anhaltenden Niederschlägen Sinn, die aber nicht in Sicht sind.


Ähnliches gilt für das E-Werk Kiendler: Zwei von insgesamt fünf Wasserkraftwerken in der Steiermark und Kärnten stehen aktuell still, eines läuft eingeschränkt. Lediglich die beiden Anlagen nahe des Firmensitzes im südsteirischen Ragnitz laufen noch im Normalbetrieb.


Damit das auch langfristig so bleibt, regt Geschäftsführer Ulrich Kiendler eine Anpassung der Grenzwerte für die Restwassermenge an. Also jener Menge Wasser, die nach einer Ausleitung durch ein Kraftwerk mindestens im Gewässer verbleiben muss. Weil es tendenziell immer trockener werde, seien die aktuellen Werte nicht realistisch.

Von Jonas Rettenegger und Robert Lenhard

Kleine Zeitung