Massive Einbußen bei der Kleinwasserkraft

15. September 2026, Salzburg

Wegen der geringen Niederschläge sinkt die Stromproduktion aus Wasserkraft deutlich. Das trifft vor allem die Betreiber der knapp 500 Salzburger Kleinwasserkraftwerke.


Es ist eine magere Bilanz, die Kraftwerksbetreiber Günther Deisl heuer zieht. Deisl ist Seniorchef des Sägewerks Deisl in Adnet, das drei Kleinkraftwerke betreibt. Bei den zwei Kraftwerken in Adnet und in Kaltenhausen seien die Stromerträge heuer um 70 Prozent zurückgegangen, sagt Deisl. „So schlecht war es noch nie.“ Etwas besser sei die Lage beim Almkanal-Kraftwerk in Grödig, „weil dort das Einzugsgebiet größer ist. Da haben wir nur ein Minus von ungefähr 20 Prozent.“


Im Land Salzburg liefern rund 480 Kleinwasserkraftwerke Strom – das sind Anlagen mit einer Maximalleistung von zehn Megawatt. Die Salzburg AG verzeichnet bei ihren 14 Kleinwasserkraftwerken in den Monaten Juni bis August einen Erzeugungsrückgang von etwa 40 Prozent. Die kleinen Anlagen seien sogar stärker von der Trockenheit betroffen als die größeren Anlagen, heißt es.


Stromerzeugung sank zum Teil auf die Hälfte


„Man kann grosso modo sagen, dass wir heuer um 30 bis 50 Prozent weniger Strom produzieren als im Mittel der vergangenen Jahre“, sagt Sophie Uitz, die Landessprecherin des Vereins Kleinwasserkraft Österreich. Uitz betreibt selbst zwei kleine Kraftwerke im Lungau. „Ich stehe mit diesen Anlagen bei knapp 50 Prozent weniger im Vergleich zum ersten Halbjahr der letzten Jahre.“ Allerdings könnte sich bis Jahresende noch einiges tun. „Wenn es einen nassen Herbst gibt und einen nassen, warmen Winter, könnte die Produktion gegen Jahresende auch noch anziehen.“ Dass die Erträge schwanken, ist man in der Branche allerdings gewohnt. Bessere Jahre wechselten sich in der Vergangenheit immer wieder mit schlechteren ab. „Wir sind hier immer schon Volatilitäten ausgesetzt gewesen. Kleinwasserkraft betreiben ist deshalb immer eine langfristige Investition. Da denkt man nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten“, sagt Uitz. 2025 und bisher auch 2026 seien schlechte Jahre gewesen, 2024 dagegen eines der ertragreichsten Jahre. „Da gab es Rekordumsätze.“


Ein Unsicherheitsfaktor ist neben der Wassermenge auch der Strommarkt – es gebe schließlich „hochpreisige“ und dann wieder „niedrigpreisige“ Jahre, wie Uitz sagt. „Für die Betreiber heißt das, dass sie nachhaltig haushalten müssen und vorausschauend planen.“ Aus alldem ergibt sich für die Landessprecherin des Vereins Kleinwasserkraft Österreich auch eine Forderung an die Politik. Diese sollte nicht nur in guten Jahren Überschusserlöse von Kraftwerksbetreibern abschöpfen, sondern in schlechten Jahren auch „ein Sicherheitsnetz einziehen. Wenn also der Preis unter ein Minimum fällt, sollte garantiert werden, dass keine zu großen Verluste entstehen.“


Der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse jedenfalls weiter voranschreiten. Wichtig wäre dabei auch ein Abbau der Bürokratie, sagt Uitz. Man könnte etwa die Nutzungsdauer bei den Wasserrechten verlängern, sodass weniger oft neu angesucht werden müsse. „Es gäbe viele Hebel, wie man die Verfahren vereinfachen könnte.“


Die Trockenheit traf heuer jedoch nicht alle gleich. Vergleichsweise glimpflich kamen die Betreiber der Kraftwerke am Salzburger Almkanal davon. Die Salzburg AG etwa verzeichnete beim Kraftwerk Eichetmühle bis Juli normale Erträge. Erst im August sei der Ertrag um knapp acht Prozent gesunken. Die Stieglbrauerei wiederum verbuchte bei ihrem Alm-Kraftwerk Pulvermühle im Jänner und Februar ein Minus von rund 20 Prozent im Vergleich zum Spitzenjahr 2024. „Von März bis August gab es nur Abweichungen im einstelligen Prozentbereich“, sagt Chefbraumeister Christian Pöpperl. Der Grund für die vergleichsweise stabile Lage am Almkanal ist, dass der Kanal von der Königsseeache gespeist wird. Es sei gesetzlich festgelegt, dass dem Almkanal 5,5 Kubikmeter pro Sekunde von der Königsseeache zustehen, sagt Almmeister Lukas Peter. Allerdings konnte dieses vorgeschriebene Ziel zuletzt auch nicht immer erreicht werden. Peter: „Im letzten Monat waren wir auf rund vier Kubikmeter herunten.“


Von einem spürbaren Minus am Almkanal berichtet hingegen Franz Kok von der Ökostrombörse. Das neue Kleinwasserkraftwerk Sinnhub in Leopoldskron etwa habe im soeben beendeten Betriebsjahr 305.000 Kilowattstunden (kWh) geliefert. „Unsere Versorgungsvereinbarung mit den Teilnehmern liegt bei 300.000 Kilowattstunden. Wir liegen also knapp über dem, was wir abliefern müssen.“

Thomas Hödlmoser

Salzburger Nachrichten