Negative Strompreise und geopolitische Unsicherheiten prägen den Strommarkt. Während dynamische Tarife viel Sparpotenzial eröffnen, setzen viele Haushalte auf Preisgarantien. Ein Tarifvergleich lohnt sich mehr denn je, empfiehlt die ÖGVS-Studie.
Die Dynamik der Weltlage lässt sich dieser Tage gut am Stromzähler ablesen. Der heimische Strommarkt oszilliert wie noch nie zwischen zwei gegensätzlichen Trends. Der forcierte Ausbau der Erneuerbaren führte am tagesaktuellen Spotmarkt im ersten Quartal zu einem Rekord an negativen Strompreisen, weil mehr produziert wurde, als parallel verbraucht werden konnte. „Diese Entwicklung befeuert die Nachfrage nach stündlich dynamischen Tarifen massiv. Konsumenten, die ihren Verbrauch intelligent steuern, etwa über automatisierte Systeme für Wärmepumpen sowie für das gezielte Laden von Elektrofahrzeugen, können von diesen Marktphasen enorm profitieren“, sagt Henrik Peperkorn von der Gesellschaft für Verbraucherstudien (ÖGVS), der diesen Markt jüngst untersucht hat. Geradezu konträr dazu verhalten sich große Teile der Haushalte, die in Sorge vor weiteren geopolitisch bedingten unberechenbaren Preisausschlägen auf die Sicherheitskarte setzen. Peperkorn: „Verträge mit strengen, oft zwölfmonatigen Preisgarantien erleben ein echtes Comeback.“
Offenbar veranlasst diese Lage aber doch immer mehr Verbraucher dazu, sich mit ihren Lieferanten auseinanderzusetzen. Mit über 110.000 Anbieterwechseln bilanziert die Aufsichtsbehörde E-Control einen neuen „Wechselrekord“ für das erste Quartal 2026. ÖGVS bietet mit ihrer aktuellen Studie zum Markt eine gute Ausgangsbasis für Wechselwillige.
DAS STUDIENDESIGN. Mit 40 Prozent trugen die Preise das meiste zur Gesamtwertung bei. Untersucht wurden drei Nutzungsszenarien in zwölf Netzgebieten mit einem Jahresverbrauch von 2.000, 3.500 und 5.000 kWh. Gerechnet wurde mit und ohne Neukundenboni. 25 Prozent Anteil hatte der Kundenservice, der vor allem mit verdeckten Anrufen getestet wurde. 15 Prozent gab es für die Angebotsvielfalt und 20 Prozent trugen gute Internetauftritte bei.
Bei den Konditionen zeigte sich erneut, wie viel Sparpotenzial in einem GESAMTERGEBNIS
Wechsel steckt. „Der reine Energiepreis bleibt auch im Jahr 2026 der wichtigste Hebel beim Anbieterwechsel. Die Schere zwischen teuren Altverträgen aus den Krisenjahren und den aktuellen Konditionen im Neukundengeschäft ist weiterhin weit geöffnet“, bilanziert Peperkorn.
Mit dem Auslaufen der Strompreisbremse Ende 2024 sind die Preise im letzten Jahr auch wieder deutlich gestiegen. „Damit Verbraucher in der aktuellen Marktlage nicht benachteiligt werden, zeichnen sich exzellente Konditionen nicht nur durch einen hohen Wechselbonus im ersten Jahr aus. Ein Spitzenreiter in dieser Kategorie bietet auch für das zweite Vertragsjahr einen dauerhaft niedrigen und fairen reinen Arbeitspreis pro Kilowattstunde“, sagt Peperkorn. Die Betrachtung der mittelfristigen Vertragsbedingungen ist unbedingt ratsam, um Kostenfallen zu umgehen. Beeindruckt hat in dieser Hauptkategorie die Energie-Direct Austria, sie sich mit 99,5 Prozent klar an die Spitze setzte. Gutmann GmbH schaffte mit ebenfalls hervorragenden 97,7 Prozent den zweiten Platz.
STROM FÜR ALLE FÄLLE. In der Kategorie Angebotsvielfalt zahlten die Tarifvarianten und -bindungen auf das Ergebnis ein, aber nicht nur: Herkunft oder Ökostromoptionen wurden ebenfalls bewertet. „Ein zeitgemäßes Angebot zeichnet sich im Jahr 2026 durch ein hohes Maß an Flexibilität aus. Gefragt sind Strukturen, die den unterschiedlichsten Kundenbedürfnissen optimal gerecht werden“, so Peperkorn, und damit die Dualität unter den Kunden – langfristige Sicherheit versus stundengenaue, dynamische Tarife – adressieren können. Hier punkteten gleich drei Anbieter und holten sich ex aequo den Kategoriesieg: Energie OÖ, Hofer Grünstrom und die W.E.B. Grünstrom.
Beim Service wurden Kontaktmöglichkeiten untersucht und vor allem die Ergebnisse verdeckter Beratungsanrufe stark gewichtet. Wobei gutes Service offenbar eine Herausforderung darstellt, wie Projektleiter Peperkorn berichtet: „Die Anforderungen an die Serviceteams sind durch die Etablierung neuer, flexibler Tarifmodelle spürbar gestiegen.“ Topanbieter schaffen es dennoch, ohne große Wartezeiten zu kompetenten Mitarbeitenden durchzustellen. Dazu gehörte fraglos die oekostrom AG mit starken 96,6 Prozent, knapp gefolgt von aWATTar und der AAE Naturstrom.
Bei den Internetauftritten konnten die Anbieter mit Funktionalität, Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit punkten. Neben Transparenz und Sicherheit zählten auch Energiespartipps oder die Möglichkeit zum Onlineabschluss. „Das Niveau präsentiert sich erfreulich stark. Gleich sieben Unternehmen im Testfeld erfüllten die Kriterien par excellence und erreichten die maximale Wertung“, sagt Peperkorn. „Diese Anbieter setzen Maßstäbe bei der Benutzerführung und der verständlichen Aufbereitung komplexer Preisbestandteile.“
Auf dem Podest der heurigen Studie landete erstmals die EnergieDirect dank ihrer starken Konditionen, knapp gefolgt von der Gutmann GmbH, die preislich ebenfalls attraktiv war. Auf dem dritten Platz folgt wie bereits im Vorjahr die Energie Steiermark, die in allen Kategorien sehr gute Ergebnisse erzielte.
Die ausführlichen Testergebnisse mit allen Details sind gegen 1.640 Euro zuzüglich USt. unter info@qualitaetstest.at erhältlich.
Getestet wurden gesamt 47 Anbieter: AAE Naturstrom, Auri, AVIA Energy, aWATTar, disk.energy, Drei Energie, E-WERK FRANZ, E.ON, E1 Erste Energie, eFRIENDS, Energie AG OÖ, Energie Graz, Energie Klagenfurt, Energie Ried, Energie Steiermark, EnergieDirect, ENSTROGA, fairnando, go green energy, goldgas, Grünwelt Energie, Gutmann GmbH, Hofer Grünstrom,
KELAG, Lidl Energie, M4Energy, Maxenergy, Montana, MyElectric, Naturkraft, oekostrom, PKR Strom, Pullstrom, redgas, RZ Pellets & Ökostrom, smartENERGY, Spotty, Stadtwerke Bruck, Stadtwerke Judenburg, Stadtwerke Mürzzuschlag, Switch NUR ENERGIE, Unsere Wasserkraft, Verbund, Voltino, W.E.B. grünstrom, wüsterstrom E-Werk, X-POWR.
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