Viel Wind um nichts?

29. Juni 2026

Der Greentech-Riese Siemens Energy investiert in Österreich massiv in Windkraft und Wasserstoff – während in Deutschland in beiden Bereichen Warnmeldungen die Runde machen.

Zum einen geht es um eine unerwartete Warnung von Windkraft-Chef Vinod Philip, dass fehlende Folgeaufträge die Werksauslastungen ab 2028 in ernste Schwierigkeiten bringen könnten. Europa verfehle nämlich seine Ausbauziele bei der Offshore-Windkraft um 40 Gigawatt (GW) an Leistung.
Die Ansage irritiert, da Siemens Energy Austria erst vor wenigen Wochen just ein neues Windkraft-Transformatorenwerk in Wollsdorf, Steiermark eröffnete (der trend berichtete), weitere 155 Millionen Euro unter anderem in ein Trafo-Reparaturwerk im Linzer Hafen investiert und die Fertigung von Bahn-Trafos von Nürnberg nach Österreich verlegt.


Zum anderen trudelt nun die nächste Meldung mit Österreich-Bezug ein: Die Industrie-Sparte von Siemens Energy stehe zur Disposition. Das ist ausgerechnet jener Teilbereich, der die prestigeträchtigen und hoch geförderten Wasserstoff-Leuchtturmprojekte mit Voest und Verbund (H2Future) in Linz abwickelt, und in Bruck an der Leitha den ersten große Elektrolyseur mit der OMV baut.


WORTKARG. Aleš Prešern, Managing Director von Siemens Energy Austria, zeigte sich auf Anfrage zu Details wenig auskunftsbereit. Auch das Management der Muttergesellschaft in München war zu keinen konkreten Stellungnahmen zu bewegen. Inoffiziell versucht man, die Wogen zu glätten: Die Warnung vor einer Ausbauverzögerung bei der Windkraft sei nur eine politische Stellungnahme gewesen, die die österreichischen Aktivitäten keineswegs beeinträchtige. Die Trafos aus Weiz könnten auch Onshore verwendet werden, außerdem exportiere Österreich ohnehin in die ganze Welt, der thematisierte mögliche Ausfall würde also wenig Schaden anrichten, beteuert Pressesprecher Tim Proll-Grewe.


Für die Kursschwankungen an der Börse sei die Windkraft jedenfalls nicht verantwortlich, eher Lieferkettenprobleme und die Entwicklung im Nahen Osten. Und die Ausgliederung der Industrie-Sparte sei nicht fix: „Siemens Energy überprüft regelmäßig sein Portfolio, um sicherzustellen, dass jeder Geschäftsbereich über die besten strategischen und finanziellen Voraussetzungen verfügt, um im Wettbewerb zu bestehen, zu investieren und langfristig zu wachsen.“


In Summe jedenfalls ist das seit einem Börsengang des Siemens-Konzerns bis auf eine Minibeteiligung unabhängige Unternehmen gut unterwegs. 2025 erwirtschaftete man 39 Milliarden Euro Umsatz und 1,6 Milliarden Euro Gewinn, vor allem wegen der Bereiche Stromnetze und Gasturbinen. Selbst in der lang schwer unter Druck stehenden Windkraft konnten zuletzt Schulden reduziert und Verluste verringert werden.

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