Österreichs Umweltindustrie und Politik bündeln ihre Kräfte

16. Juni 2026, Wien
60.000 Beschäftigte erwirtschaften Jahresumsatz von 21 Mrd

Umweltminister Norbert Totschnig will die führende Rolle der heimischen Umwelttechnik-Unternehmen stärken. Dazu beitragen soll eine gemeinsame Absichtserklärung, die am Montagabend in Wien mit Industrievertretern unterzeichnet wurde. Dieser Schulterschluss von Industrie und Politik stärke „gezielt jene Technologien, die für Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und nachhaltiges Wachstum entscheidend sind“, sagte Totschnig.

Die grüne Transformation eröffne „große Chancen für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Österreich“, betont Totschnig, der Leiter des Ressorts für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), nach einem Kamingespräch mit Vertretern der heimischen Umwelt- und Energietechnik-Industrie. Die nun geschlossene Kooperation sieht einen regelmäßigen und strukturierten Austausch zwischen Politik, Industrie und Umwelttechnik-Unternehmen vor. Gemeinsam will man Maßnahmen zur Stärkung der heimischen Umwelt- und Energietechnologiebranche erarbeiten und die Branche sichtbarer machen.

Totschnig: „Innovation und Klimaschutz sind keine Gegensätze“

Die Absichtserklärung läuft vorerst bis Ende 2028. Im Anschluss sei eine Verlängerung angedacht, hieß es. Konkrete Projekte oder der finanzielle Rahmen der Kooperation wurden nicht genannt.

„Innovation und Klimaschutz sind keine Gegensätze“, das ist für Totschnig die wichtigste Botschaft aus dem Treffen mit Branchenvertretern. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die industrielle Wertschöpfung in diesem Bereich langfristig in Österreich bleibe. Über dem allem stehe der geplante Umbau einer stark von Rohstoffimport und fossiler Energie abhängigen linearen Wirtschaft hin zu einer wettbewerbsfähigen und zugleich resilienten biobasierten Kreislaufwirtschaft.

Österreich habe in der Energie- und Umweltpolitik eine weltweit gefragte industrielle Stärke aufgebaut, sagt Kari Ochsner, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Niederösterreich. Doch um angesichts wachsender Konkurrenz die starke Position zu halten und weiter auszubauen, brauche Österreich „klare Rahmenbedingungen für Investitionen, Innovation und Produktion“, sagt Ochsner.

Neue Plattform soll Brancheninteressen vertreten

Die neu gegründete IV-Plattform Green Tech soll die Interessen der Branche bündeln und industriepolitische Vorschläge auf den Tisch legen – „denn die besten Vorschläge für einen erfolgreichen Green-Tech-Standort kommen aus den Betrieben selbst“, sagt Ochsner. Er ist auch Vorsitzender der IV-Plattform Green Tech Industry und leitet ein Familienunternehmen, das Wärmepumpen in viele Teile der Welt exportiert.

Die Umweltwirtschaft ist laut Minister Totschnig ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in Österreich. Mit gut 3.300 Unternehmen und 57.800 Beschäftigten erzielte die Branche im Jahr 2023 einen Jahresumsatz von gut 21 Milliarden Euro. 2024 sei die Zahl der Beschäftigten um rund 2 Prozent oder 900 Personen gestiegen. Die Exportquote in diesem Bereich wurde mit 73 Prozent beziffert.

Österreichs international starke Stellung spiegle sich in einem Platz unter den Top-3 im EU-weiten „Eco-Innovation Index“, sagt Bernhard Puttinger, Geschäftsführer von Green Tech Valley, einem Netzwerk von Green-Tech-Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Süden Österreichs.

Förderzusagen bleiben trotz Sparbudget aufrecht

Zufrieden zeigt sich der Umweltminister, dass trotz der geplanten Budgetkürzungen im Doppelbudget 2027/2028 der Förderrahmen für Umweltmaßnahmen unverändert bleiben. „Es ist gelungen, dass wir den Zusagerahmen von 360 Millionen Euro beibehalten“, sagt Totschnig. 179 Millionen Euro sollen für den Kesseltausch, 181 Millionen Euro für die thermische Sanierung zur Verfügung stehen.

Eine klare Zuteilung der Fördermittel soll für Kontinuität und Planbarkeit sorgen, sowohl für private Haushalte als auch für die Industrie. Der Minister kündigte eine effizientere Vergabe der Fördermittel als früher an. Dafür gebe es bereits Ideen, die zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert werden sollen. Auch Gespräche mit Wohnbauminister Andreas Babler stünden auf der Agenda. „Das ist notwendig, wir brauchen eine Novelle, auch im mehrgeschossigen Wohnbau“, sagte Totschnig.

Investitionen seien auch beim Netzausbau notwendig, sagt Industrievertreter Kari Ochsner. Für ihn ist das auch eine Frage der Generationengerechtigkeit. „Wenn wir heute Geld investieren in den Netzausbau, helfen wir künftigen Generationen, die Elektrifizierung zu ermöglichen.“

APA