So funktioniert die Strompreisbremse

1. Juni 2026, Wien

Die Regierung hat sich darauf geeinigt, einen Deckel einzuziehen, wenn der Strompreis zu hoch wird. Was man zum neuen Energiepaket wissen muss.

Die Regierung will sich mit einer neuen Strompreisbremse auf künftige Energiekrisen vorbereiten. Haushalte und Unternehmen sollen entlastet werden, gleichzeitig gibt es Streit über die Finanzierung und die Folgen für den Ausbau erneuerbarer Energien.


Frage: Wie soll die neue Strompreisbremse aussehen?
Antwort: Die Regierung hat sich auf einen Krisenmechanismus geeinigt, der Haushalte und Unternehmen bei stark steigenden Strompreisen entlasten soll. Gleichzeitig soll ab 2027 ein eigener Industriestrompreis für besonders energieintensive Betriebe eingeführt werden. Ziel ist, Verbraucher in einer möglichen Energiekrise zu schützen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Industrie zu sichern.


Frage: Was heißt das konkret für Konsumentinnen und Konsumenten?
Antwort: Im Krisenfall soll der Arbeitspreis für Strom auf zehn Cent pro Kilowattstunde begrenzt werden. Umsatzsteuer und Abgaben kommen weiterhin dazu. Die Preisbremse gilt nicht für den gesamten Stromverbrauch, sondern nur für ein bestimmtes Grundkontingent. Damit ist vermutlich ein Grundverbrauch von 2900 Kilowattstunden im Jahr gemeint. Darüber hinaus gilt weiter der Marktpreis, so sollen Sparanreize erhalten bleiben. Die genaue Höhe wird noch diskutiert.


Frage: Wann greift die Strompreisbremse?
Antwort: Für den definierten Krisenfall müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Erstens muss der Strompreis für Haushalte mindestens drei Monate lang über 16,5 Cent pro Kilowattstunde liegen. Zweitens müssen auch die Großhandelspreise an der Strombörse über denselben Zeitraum hinweg sehr hoch sein, konkret über 165 Euro pro Megawattstunde. Wenn die Preise wieder sinken, läuft die Unterstützung noch drei Monate.


Frage: Wie wird die Strompreisbremse abgewickelt?
Antwort: Die Entlastung soll direkt über die Stromrechnung erfolgen. Energieanbieter müssen im Krisenfall einen Tarif von zehn Cent netto pro Kilowattstunde anbieten. Die Differenz zwischen diesem gedeckelten Preis und dem tatsächlichen Marktpreis wird den Anbietern ersetzt. Dafür zahlen Firmen einen Krisenbeitrag, der umverteilt wird. Die genaue Ausgestaltung fehlt noch.


Frage: Wie sehen die Maßnahmen für Unternehmen aus?
Antwort: Für KMUs ist ein einheitlicher Zuschuss pro verbrauchter Kilowattstunde geplant. Besonders wichtig ist aber der neue Industriestrompreis für energieintensive Unternehmen ab 2027. Profitieren sollen rund 400 große Betriebe mit hohem Stromverbrauch. Gefördert wird dabei maximal die Hälfte des Großhandelspreises, wobei eine Untergrenze bei fünf Cent pro Kilowattstunde gilt. Zusätzlich wird der bestehende Stromkostenausgleich verlängert. Damit werden energieintensive Unternehmen für indirekte CO2-Kosten entschädigt, die über den Strompreis weitergegeben werden.


Frage: Warum braucht es diese Bremse überhaupt?
Antwort: Laut Regierung geht es vor allem darum, für private Haushalte Inflation und steigende Lebenshaltungskosten abzufedern. Für die Industrie steht die internationale Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt. Mit günstigeren Strompreisen soll verhindert werden, dass Produktion oder Investitionen ins Ausland verlagert werden.


Frage: Gibt es Kritik an den Plänen?
Antwort: Kritik kommt aus der Stromwirtschaft und von den erneuerbaren Energien. Die Energieunternehmen werfen der Politik vor, die Branche immer wieder zur Finanzierung staatlicher Maßnahmen heranzuziehen. Besonders umstritten ist die geplante Gegenfinanzierung. Künftig sollen Betreiber von Windkraft- und Solaranlagen Investitionen langsamer abschreiben dürfen. Bisher konnten Unternehmen einen größeren Teil ihrer Investitionen in den ersten Jahren steuerlich geltend machen. Die Branche warnt davor, dass dadurch Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien unattraktiver werden könnten.


Frage: Warum spielt der Ausbau erneuerbarer Energien in der Debatte eine so große Rolle?
Antwort: Die Strombranche verweist auf Studien, wonach erneuerbare Energien langfristig die Strompreise senken. Jede zusätzliche Menge an Wind- oder Solarstrom drücke den Großhandelspreis, weil weniger teurer Strom aus Gaskraftwerken benötigt werde. In der Branche heißt es, dass Österreich langfristig nicht durch Zusatzbelastungen für Energieunternehmen, sondern durch einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien zu dauerhaft niedrigeren Strompreisen kommen würde.


Frage: Welche Fragen sind offen?
Antwort: Noch nicht endgültig geklärt ist, wie hoch das Grundkontingent für Haushalte genau sein wird. Offen ist auch, wie hoch die Zuschüsse für kleinere Unternehmen tatsächlich ausfallen werden. Außerdem bleibt abzuwarten, wie stark die geplanten steuerlichen Änderungen Investitionen in erneuerbare Energien beeinflussen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, ob die Maßnahmen langfristig tatsächlich budgetneutral bleiben oder ob bei einer neuen Energiekrise zusätzliche staatliche Mittel notwendig werden könnten.

Der Standard