Studie: Deutschland abhängig von wichtigen Gütern aus China

26. Mai 2026, Berlin
Keine Diversifizierung in kritischen Bereichen
 - Qingdao, APA/CN-STR

Deutschland ist einer Studie zufolge bei strategisch wichtigen Gütern zunehmend abhängig von China. Entgegen den Zielen der deutschen Regierung sei Chinas Importanteil bei mehreren Produkten und Rohstoffen gestiegen, die als kritisch eingestuft werden, lautet das Fazit einer am Dienstag veröffentlichten Analyse der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung.

Bei wiederaufladbaren Lithium-Batterien etwa sei Chinas Anteil an der gesamten Importmenge von 49,7 Prozent im Jahr 2023 auf 66,5 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Auch bei Antibiotika nahm der Anteil chinesischer Lieferungen demnach zu, und zwar von 65,3 auf 72,9 Prozent. Bei Vitaminen und Provitaminen sei der Anteil von 71,3 auf 81,6 Prozent gestiegen.

Zudem habe der chinesische Anteil bei Solarpanels einen neuen Höchstwert erreicht: Mittlerweile betrage er 92,6 Prozent des Gesamtimportgewichts. Zudem sei die Volksrepublik praktisch der einzige Lieferant für die Seltenen Erden Praseodym, Neodym und Samarium. Diese seien für die Produktion leistungsstarker Permanentmagnete etwa in E-Motoren wichtig. Zugleich sei die Importmenge dieser Warengruppe von 3,1 Tonnen im Jahr 2023 auf 13,0 Tonnen im Jahr 2025 gestiegen.

Deutschland „noch verletzlicher“

„Ausgerechnet in kritischen Bereichen diversifiziert Deutschland nicht, sondern wird noch abhängiger und damit noch verletzlicher“, sagte Studienautor Frederic Spohr, der die Büros der Naumann-Stiftung in Taiwan und Korea leitet. „Künftig könnte das De-Risking für Unternehmen noch komplizierter werden, da die chinesische Regierung mittlerweile aktiv dagegen steuert.“

Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wird in dieser Woche zu einem Besuch in China erwartet. Teil der Delegation sind unter anderem die Vorstandschefs von BASF und Thyssenkrupp, Markus Kamieth und Miguel Lopez, sowie Siemens-Energy-Vorstand Tim Holt. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, für die deutsche Regierung sei es besonders wichtig, sich im Rohstoffbereich resilienter aufzustellen und zugleich fairen Wettbewerb einzufordern. Diese Themen spielten auch in den Gesprächen in China eine Rolle.

APA/Reuters