Das viel diskutierte Merit-Order-Prinzip zur Strompreisbildung – das teuerste zugeschaltete (Gas-)Kraftwerk bestimmt den Börsen-Strompreis – soll nach Ansicht heimischer Energieexperten nicht abgeschafft, sondern weiterentwickelt werden. Bei einem Mediengespräch des Netzwerks „Diskurs“ betonten die Fachleute, dass der Mechanismus kurzfristig effizient arbeite. Tara Esterl vom Austrian Institute of Technology (AIT) betonte, dass hohe Strompreise nicht automatisch ein Marktversagen bedeuten. „Eigentlich hat die Merit-Order schon gemacht, was sie soll. Sie hat Engpässe angezeigt“, so Esterl. Auch wenn die Preisspitzen für Konsumenten schmerzhaft seien, zeigten Modellrechnungen und Szenarien für das Jahr 2030, dass Eingriffe in die Preisbildung heikel seien. Von nationalen Gassubventionen riet sie dringend ab: „Das macht nur dann Sinn, wenn es ganz Europa macht. Für Österreich allein macht das keinen Sinn.“
Ziel müsse sein, das preissetzende Gas aus dem Markt hinauszudrängen, sagte Andreas Türk von Joanneum Research. Das würde durch den massiven Ausbau von Batteriegroßspeichern und flexibleren Verbrauch gelingen. Zudem betonte Türk, dass der Gaspreis nur zu 50 bis 60 Prozent aus den eigentlichen Rohstoffkosten bestehe. Der Rest setze sich aus Kosten des Emissionshandelssystems und Abgaben zusammen, wo ebenfalls Entlastungspotenzial liege.
Tiroler Tageszeitung





