Interview. Wie die NEUE berichtete und die Illwerke vkw ihre Kunden verständigte, gibt es neue Stromtarife. Es gäbe noch Potenzial, meinte ein Energieexperte. Josef Neubauer von den Illwerken vkw gibt Antworten zu neuen Tarifen und künftigen Modellen.
Wie Martin Reis vom Energieinstitut in der NEUE feststellte, war zwar die Abschaffung des nicht mehr zum heutigen Stromerzeugungsmix passenden Nachttarifes ein richtiger Schritt, der auch gesetzlich vorgeschrieben wurde, aber es sei noch Potenzial vorhanden, um Stromerzeugung und Stromverbrauch zeitlich näher zusammenzubringen. Wir haben mit Josef Neubauer, dem Leiter des Geschäftsfeldes „Versorgung und Dienstleistung“, bei den Illwerken vkw gesprochen.
Gab es denn Kundenreaktionen auf die neuen Tarife?
Josef Neubauer: Es gab erwartet viele Anfragen, aber wir waren vorbereitet, und mittlerweile ist es wieder ruhiger geworden. Die allermeisten Kunden konnten wir auch zufriedenstellen und etwa 15 Prozent unserer Kunden haben bisher bereits in das neue Produkt „Strom Duo“ gewechselt, bei dem es im Sommer von 10 bis 16 Uhr einen günstigeren Strombezug gibt. Insgesamt decken wir rund 90 Prozent aller Energiekunden in Vorarlberg mit unserer Versorgung ab.
Ein Leserbriefschreiber beschwerte sich, dass auf die höhere Grundgebühr beim Tarif „Duo“ nicht korrekt hingewiesen wurde.
Neubauer: Wir haben gemerkt, dass die Kunden das sehr wohl mitbekommen haben und konkret nachgefragt haben. Auf unserer Website, dem Vergleichsrechner und in den Produktblättern ist die Höhe der Grundgebühr natürlich ausgewiesen. Der Tag/Nacht-Stromtarif musste aus gesetzlichen Gründen abgeschafft werden und wir haben mit dem „Strom Duo“-Tarif ein zeitgemäßes Modell geschaffen, bei dem der Kunde im Sommer aktiv Stromkosten sparen kann.
Beim Sommerstrom von 10 bis 16 Uhr gibt es eine Vergünstigung von etwa zehn Prozent, ist das nicht sehr bescheiden, wenn man das Verbraucherverhalten der Kunden steuern will?
Neubauer: Wir brauchen Lösungen für unterschiedliche Kunden, und der Markt hat sich seit vier Jahren stark verändert. Die Preise sind sehr volatil geworden, und wir haben heute auch eine andere Kundenstruktur, mit PV-Anlagen, mit Wallboxen, die auch selbst Strom produzieren und so zu Prosumern geworden sind, also Produzenten und Konsumenten. Auf der anderen Seite haben wir viele Kunden, die in einer Wohnung leben und nicht diese Möglichkeiten haben. Für die ersteren, aktiven Kunden bieten wir auch unsere dynamischen Stromtarife, wenn sie sich aktiv mit den Tarifen und dem Verbrauch beschäftigen wollen und können.
Im Winter gibt es überhaupt keine tariflichen Anreize, Strom dann zu verbrauchen, wenn viel Strom zur Verfügung steht? E-Auto laden wäre klüger in der Nacht von 0 bis 6 Uhr als von 18 bis 21 Uhr, wenn der Stromverbrauch schon sehr hoch ist. Dafür gibt es keinen tariflichen Anreiz.
Neubauer: Vorläufig haben wir das so entschieden und werden es vorläufig auch so belassen, auch wenn es in Zukunft regelmäßig neue Tarife geben kann. Wir arbeiten an Modellen, mit denen man preisgeführt das E-Auto laden kann oder auch den Batteriespeicher kostengünstig aufladen kann, so man einen hat.
Die „Tiroler Wasserkraftwerke AG“ (Tiwag) macht es ihren Kunden ja einfach, Stromkosten zu sparen und gleichzeitig die Netze und Erzeugungsanlagen zu schonen, indem sie über die auch bei uns fast flächendeckend installierten Smart Meter den Verbrauch beim Kunden steuern: E-Auto laden, Batteriespeicher laden oder Großverbrauchergeräte starten.
Neubauer: Wir arbeiten an solchen Lösungen, die wir hoffentlich schon bald präsentieren können. Es wird eine andere technologische Lösung als die der Tiwag, aber mit demselben Ziel und demselben Nutzen. Bis wann wir solche Modelle anbieten, können wir heute noch nicht sagen.
Haben wir schon zu viel Photovoltaik im Netz? Der Chef des Übertragungsnetzbetreibers Österreichs (APG), Gerhard Christiner, meinte, dass die PV einen massiven Netzausbau für wenige Stunden am Tag erfordere und Strom verteuere.
Neubauer: Das ist eine Frage des Übertragungsnetzes in ganz Österreich. In Vorarlberg haben wir nicht die großen Netzprobleme wie in anderen Teilen Österreichs. Wir arbeiten in Vorarlberg weiter an einem Ausbau der PV-Anlagen und haben das auch mit dem Land so abgestimmt, um die Ziele der Energieautonomie zu erreichen. Zum Beispiel haben wir heute beschlossen, dass wir auch auf unseren eigenen Gebäuden weiter PV-Anlagen installieren, und wir unterstützen unsere Kunden beim Ausbau weiter mit Förderungen. Das gilt insbesondere für die Anschaffung von Batteriespeichern, um den Strom der PV-Anlagen in die Nacht hinein zu speichern.
Kommt jetzt der Batteriegroßspeicher der Illwerke vkw, und wenn wo?
Neubauer: Der ist aktuell in Prüfung. Sobald es Ergebnisse gibt, werden wir diese zeitnah kommunizieren.
Ein Doktorand an der FHV, Lukas Moosbrugger, entwickelte ein intelligentes Steuermodul für Heimspeicher, das automatisch die Wetterdaten, die Tarife des kommenden Tages, die Erzeugung und den Verbrauch checkt und so Kosten für den Verbraucher minimiert und gleichzeitig das Netz entlastet.
Neubauer: An solchen Lösungen arbeiten wir, wir werden mit einfacheren Modellen starten, aber das klingt zukunftsfähig. Wir arbeiten in diese Richtung und entwickeln uns sukzessive weiter. Aktuell ist der Tarif „Strom Duo“ das beste Modell, und wer sich aktiv in den Strommarkt einbinden will, dem stehen unsere dynamischen Tarifmodelle zur Verfügung. Unsere Modelle müssen für alle funktionieren und nicht nur für einzelne, das bringt andere Herausforderungen mit sich. Die Einspeisetarife von den PV-Anlagen sind noch bis Ende Jahr gestaffelt fixiert und dann kommen auch dort neue Tarifmodelle. Die neuen Tarife werden wir rechtzeitig bekanntgeben.
Info
Das Open-Source-Programm von Lukas Moosbrugger bietet ein Web-Tool zur Berechnung der Rentabilität von Batteriespeichern beim Eigenverbrauch: homebattery.labs.fhv.at
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Von Kurt Bereuter
Neue Vorarlberger Tageszeitung



