LEAG baut auf Gas als Brücke zur Klimaneutralität und will Anlagen schrittweise auf Wasserstoff umrüsten.
Die LEAG ist in Deutschland eine Größe – das Unternehmen, oder besser gesagt die Unternehmen, die unter dem Konzerndach versammelt sind, sind ein Energiekonzern mitten in der Transformation. Bei LEAG arbeiten rund 6500 Menschen an über 20 Energie- und Industriestandorten, insbesondere in Brandenburg und Sachsen. Die LEAG ist Deutschlands zweitgrößter Stromerzeuger und einer der größten privatwirtschaftlichen Arbeitgeber in Ostdeutschland. Seit 2024 ist der aus Baden-Württemberg stammende Top-Manager Adolf Roesch Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns. Beim VN Business Circle stellte er nicht nur das Unternehmen, das in den Geschäftsfeldern Bergbau, Kraftwerke und Vertrieb tätig ist, vor, sondern berichtete über einen Energieproduzenten, der ambitioniert den Übergang zu einem dekarbonisierten Energiesystem vorantreibt. Allein bis 2030 werden dafür 5,8 Mrd. Euro investiert.
Energiewirtschaft resilient
Die durch den Nahostkonflikt wieder ausgelösten Ängste, was die Energieversorgung betrifft, versteht er, doch er tritt ihnen genauso wie sein illwerke-vkw-Vorstandskollege Christof Germann im Gespräch mit den VN entgegen. Die Energiewirtschaft sei resilient aufgestellt, auch wenn man an den energiepolitisch vorgegebenen Zielen sowohl in Deutschland als auch in der EU noch arbeiten müsse. Dabei gehe es um die sichere Energieversorgung, aber auch darum, Privatkunden und der Wirtschaft diese Energie zu einem konkurrenzfähigen Preis zur Verfügung stellen zu können.
„Bei uns war in den letzten Jahren der Stromverbrauch stabil“, so der deutsche Manager, „das heißt aber, dass die Wirtschaft nicht gewachsen ist.“ Ein Alarmsignal, denn der Standort Europa sei da eindeutig im Nachteil, zeigt er auf die CO2-Preise: In Europa bezahle man 76 Euro pro Tonne, in den USA zwischen 0 und 10 Euro und in China sei es ähnlich wie in den USA. „Wenn man daran nichts ändert, droht die Deindustrialisierung – das kann es nicht sein“, sind sich Roesch und Germann einig. Bei Netzentgelten könne man „einiges sparen“, wichtig sei, dass man nicht auf einzelne Maßnahmen setze. Es sei wichtig, systemisch vorzugehen, um wirklich effizient zu sein.
Wasserstoffoption
Kein Widerspruch zur Energiewende ist für Roesch der Bau von zwei Gaskraftwerken, die als Backup dienen sollen, denn Wind und Sonne liefern nicht jederzeit bedarfsgerecht Strom. Um die Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig die Stromversorgung rund um die Uhr zu sichern, plant LEAG Gaskraftwerke, die schrittweise auf Wasserstoff umgestellt werden können. „Darauf kann man mittelfristig nicht verzichten“, so Roesch.
Verzichten will Roesch sehr wohl auf die Atomkraft, deren Comeback in letzter Zeit immer wieder ins Spiel gebracht wird. Zu viele Fragen seien nicht geklärt – realistisch müsse man sehen, dass bis ein neues Kernkraftwerk entstehe, 20 bis 25 Jahre vergehen. „Da sind wir schon jenseits der Ziele und Termine für den Energiewandel“ und nach wie vor gebe es kein Endlager für den radioaktiven Abfall. Auch in Sachen Kernfusion gebe es seit Jahrzehnten zwar Diskussionen, aber keine Fortschritte, erteilt er der Atomkraft eine Absage.
VN Vorarlberger Nachrichten




