Historische Ölschocks dämpfen Verbrauch

10. April 2026, Wien
Krisen dämpfen den Ölhunger
 - Montebello, APA/AFP

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran und die Sperre der Straße von Hormuz haben die Verletzlichkeit der globalen Ölversorgung im Jahr 2026 offengelegt. Verbrauchsdaten aus der Vergangenheit zeigen, dass geopolitische Konflikte die Ölnachfrage immer wieder drastisch reduzierten. Während der Konsum in den USA und der EU langfristig stagniert oder fällt, treibt China das weltweite Wachstum des Ölverbrauchs an.

Im Rahmen der aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen hat der Iran die Straße von Hormuz blockiert. Dadurch fielen zeitweise 20 Millionen Barrel Öl pro Tag aus, was einem Fünftel des weltweiten Verbrauchs entspricht. Die Preise für die Nordseesorte Brent stiegen zunächst auf über 100 US-Dollar (85,43 Euro) pro Barrel, bevor eine vorläufige Waffenruhe im April die Notierungen wieder unter diese Marke drückte. Laut Weltbank beeinträchtigen die Marktturbulenzen die wirtschaftlichen Wachstumsaussichten für den Nahen Osten im Jahr 2026.

Historische Krisenmuster

Die Entwicklung reiht sich in historische Krisenmuster ein. Der Jom-Kippur-Krieg 1973 und das darauffolgende OAPEC-Embargo (Organisation der arabischen erdölexportierenden Länder, Anm.) entzogen dem Weltmarkt 4,5 Millionen Barrel täglich. Die iranische Revolution 1979 und der erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak führten zu einem weiteren Einbruch des globalen Ölverbrauchs. Auch die Finanzkrise ab 2008 und die Covid-19-Pandemie von 2020 bis 2022 verursachten signifikante Rückgänge in der weltweiten Ölnachfrage.

Die Krisen trafen die Wirtschaftsräume unterschiedlich. Die USA bleiben historisch betrachtet der größte Konsument, wobei der Verbrauch nach Rückgängen heute wieder bei knapp 10.000 Terawattstunden liegt. In der Europäischen Union (EU-27) sinkt die Nachfrage strukturell und fiel auf etwa 6.000 Terawattstunden ab. China hingegen steigerte seinen Verbrauch seit der Jahrtausendwende massiv auf über 16 Millionen Barrel pro Tag (rund 9.000 TWh pro Jahr) und überholte die EU.

Österreich spiegelt den europäischen Trend eines sinkenden Konsums wider. Im Jahr 2024 lag der heimische Ölverbrauch bei rund 132 Terawattstunden. Auf europäischer Ebene sank der Anteil russischen Öls an den Importen zudem von 27 Prozent im Jahr 2022 auf etwa 3 Prozent 2024. Für die künftige globale Marktentwicklung prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA) ein langsameres Wachstum der Ölnachfrage, da Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien im Zuge der Energiewende zunehmend an Bedeutung gewinnen.

APA