Gestern wurden Treibstoff und Heizöl auch in Tirol noch teurer. Die Internationale Energieagentur und Ökonomen sind höchst alarmiert.
Dreieinhalb Wochen nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs ist ein Ende nicht in Sicht. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent stieg am Montag zunächst auf über 113 Dollar je Barrel, das ist um nahezu 60 Prozent mehr als vor dem Beginn der Angriffe. Auch die Gaspreis-Notierungen legten in Europa um weitere vier Prozent zu. Nach Donald Trumps Verschiebung seines Ultimatums an den Iran gab der Ölpreis vorerst auf etwa 101 US-Dollar nach – weitere heftige Turbulenzen sind aber jederzeit möglich.
Für die heimischen Konsumenten werden die Folgen des Konflikts immer massiver. Nach deutlichen Preissprüngen am Freitag wurden die Preise gestern erneut kräftig erhöht. Gegenüber Sonntag stiegen die Dieselpreise vielfach nochmals um 11 bis 12 Cent, Eurosuper wurde um 5 bis 7 Cent teurer. Seit Kriegsbeginn sind vor allem die Dieselpreise bereits um etwa 60 Cent je Liter nach oben geschossen. Extrem ist auch der Kostenschub bei Heizöl: Wer gestern seinen Tank auffüllen wollte, musste mit Preisen von mehr als 1,75 Euro je Liter rechnen, vor vier Wochen waren es zum Vergleich erst etwa 1,10 Euro gewesen.
„Ärger als frühere Ölschocks“
Die faktische Blockade der Meerenge, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases transportiert wird, habe bereits eine schwere Ölkrise ausgelöst, so der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol. Sie sei schwerer als die beiden Ölschocks in den 1970er-Jahren und die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Gasversorgung zusammen, sagt Birol.
Aus Sicht von Raiffeisen-Research-Chefanalyst Gunter Deuber ist der europäische Wirtschaftsaufschwung „für heuer scheinbar abgesagt“. Wenn der Krieg auch in den kommenden Monaten noch andauern und die Straße von Hormuz blockiert bleibt, würde für Österreich das Wachstum statt der bisher erwarteten 1 Prozent wohl nur noch bei 0,3 Prozent liegen. Auch die Inflationsprognose hat sich verschlechtert: Die Rate in der Eurozone dürfte sich im Jahresschnitt statt der erhofften 2 Prozent bei rund 3,5 Prozent einpendeln, wobei zwischenzeitlich eine monatliche Inflation von 5 bis 6 Prozent möglich sei. In Österreich könnte die Teuerung sogar noch etwas darüber liegen.
Grund für die eingetrübten Erwartungen ist laut Deuber vor allem der steigende Ölpreis und seine Folgen für die Konjunktur und das allgemeine Preisniveau. Aktuell würden die Preisausschläge noch von vorhandenen Ölreserven eingedämmt, die aktuell freigegeben werden.
Tiroler Tageszeitung



