E-Control. Der Regulator sieht die aktuelle Krise noch nicht so dramatisch wie jene 2022. Der scheidende Vorstand Wolfgang Urbantschitsch rät Kunden dennoch zu Fixtarifen.
Das aktuelle Führungsduo des Strom- und Gasregulators E-Control hat am Dienstag seinen letzten gemeinsamen Medienauftritt hingelegt und ein Resümee über die vergangenen Jahre gezogen. „Vor fünf Jahren habe ich gedacht, ich weiß, was mich in diesem Job erwartet“, sagt der nun scheidende Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. „Ich habe ihn davor ja schon fünf Jahre lang gemacht und war durch Covid krisenerprobt. Ich wurde eines Besseren belehrt.“
2022 hat alles verändert
Eine Krise wie jene, die durch Russlands Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022 ausgelöst worden ist, habe es zuvor noch nie gegeben. Die Gasflüsse in ganz Europa hätten sich massiv verändert. „2021 stammten 40 Prozent des Pipeline-Gases aus Russland. 2025 waren es nur noch 12 Prozent“, schildert Co-Vorstand Alfons Haber.
Die Umwälzungen seien in manchen Bereichen bis heute nicht „überwunden“. Viele Strom- und Gaslieferanten haben sich ganz aus dem Markt zurückgezogen, die Landesversorger zogen sich auf ihre eigenen lokalen Netzgebiete zurück. „Der Wettbewerb ist eigentlich zum Erliegen gekommen.“ Die Menge an Lieferanten vor 2022 sei bis heute nicht wieder erreicht worden, es gebe aber eine ausreichende Angebotsvielfalt.
Fixpreis als Schutz
Die aktuelle Öl- und Gaskrise durch den Iran-Krieg wird von der E-Control als signifikant, aber noch nicht so schlimm wie 2022 eingestuft. Man sehe aber, dass die gestiegenen Preise Kunden beunruhigen. „Die Zugriffszahlen auf unseren Spritpreisrechner haben sich versiebenfacht“, sagt Urbantschitsch. Der hohe Gaspreis schlage derzeit noch nicht stark auf den Strompreis durch, sagt E-Control-Chefvolkswirt Johannes Mayer.
Bei der Entwicklung der Versorgungslage bei Gas komme es stark darauf an, wie lange der Krieg noch andauert. Zwei bis drei weitere Monate wären noch unproblematisch. Sollte der Krieg länger dauern und sollten Länder mit der Einspeicherung von Gas für den nächsten Winter zuwarten und dafür im Sommer geballt einkaufen, dann wird das Angebot knapp. Urbantschitsch rät dazu, sich als Privatkunde gegen steigende Preise zu wappnen und Tarife mit Fixpreis abzuschließen. „Es gibt nach wie vor attraktive Angebote.“
Trotz der Preisschwankungen könne man sich auf die Strom- und Gasversorgung verlassen, sagt Haber. „Die Versorgungssicherheit ist hoch und bleibt hoch.“ Dennoch dürfe man bestehende Baustellen nicht aus den Augen verlieren, allen voran den Netzausbau.
Netzausbau geht weiter
„Ohne leistungsfähige Netze gibt es keine Versorgungssicherheit, keine Energiewende, keine günstigen Preise.“ In den vergangenen fünf Jahren seien Netzentgelte um 70 Prozent gestiegen. Das sei „nicht sehr angenehm“, aber notwendig. Die Investitionen in Netze müssten auch weiter steigen. „Wir gehen von 29,5 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren aus.“
Zum Abschied spricht Urbantschitsch den heimischen Medien großes Lob aus. „Es hat mir Spaß gemacht, mit Ihnen im Dialog zu sein.“ Urbantschitsch wird sich in Zukunft seiner Lehrtätigkeit an der WU Wien widmen. Seinen Sitz im E-Control-Vorstand neben Alfons Haber wird ab nächster Woche der bisherige Wien-Energie-Chef Michael Strebl einnehmen.
Kurier





