Der Chef des größten heimischen Stromkonzerns über hohe Energiepreise, Österreich-Tarif und „Erneuerbaren“-Ausbau
Verbund-Chef Michael Strugl sieht einen Bedarf von über 1000 neuen Windrädern in Österreich und will massiv investieren.
Der Nahost-Konflikt treibt die Öl- und Gaspreise in die Höhe. Macht sich das auch bei der Stromrechnung bemerkbar?
An der Zapfsäule spürt man es schon. Diesel und Kerosin könnten knapper werden, weil große Raffinerien in der Golfregion beschädigt sind. Aber bei Strom- und Gasverträgen gilt: Wer einen Fixpreis hat – und das sind die meisten Österreicher –, merkt die Großhandels-Preiserhöhungen noch nicht sofort. Die Preisgarantie läuft meist zwölf Monate. Dauert der Konflikt noch länger, können auch diese Tarife ansteigen.
Also kommt das „dicke Ende“ mit hohen Kosten noch?
Derzeit sind die Großhandelspreise für Strom wieder über 100 Euro pro Megawattstunde, Gas kostet rund 44 Euro im Spotmarkt – deutlich mehr als vor dem Konflikt. Wenn dieser aber beigelegt würde, könnten die Preise rasch sinken. Klar ist aber auch: Die Steuern auf Strom sind zu hoch. Ein Viertel der Stromrechnung sind Steuern und Abgaben.
Sie haben mit dem „Österreich-Tarif“ von 9,5 Cent netto ein politisch gewünschtes Angebot gebracht. Wie läuft das bisher?
Der Tarif wird sehr gut angenommen. Wir haben damit viele Neukunden gewonnen, aber auch Bestandskunden haben umgestellt. Genaue Zahlen kann ich aus Wettbewerbsgründen nicht nennen. Der Tarif ist knapp kalkuliert, wir haben die Mengen im Voraus beschafft.
Stichwort Geld: Die Politik nimmt die Energiewirtschaft an die Kandare. Was muss die Branche alles zur Budgetsanierung beitragen?
Rechnen wir zusammen: Da ist der Energiekrisenbeitrag von rund 200 Millionen Euro pro Jahr – 2025 waren es sogar 250 Millionen Euro. Dazu kommen 60 Millionen Euro für den seit April geltenden neuen Sozialtarif, und dann noch 250 Millionen Euro pro Jahr für den geplanten Industriestrompreis. Das sind zusammengenommen über eine halbe Milliarde Euro jedes Jahr, nur für diese drei Posten. Und das, obwohl die Branche ja ohnehin Rekordinvestitionen stemmen muss.
Etwa den Ausbau der Erneuerbaren. Die Internationale Energieagentur sagt: Österreich braucht viel mehr Windkraft. Stimmt das?
Absolut. Wir haben ein Ungleichgewicht im Erzeugungsmix und zu wenig Windkraft – das treibt die Systemkosten in die Höhe. Ein besserer Mix könnte die Kosten um bis zu 13 Prozent senken. Wir brauchen bis 2040 in Österreich etwa 13 Gigawatt Windkraftleistung. Das wären über 1000 neue Windräder. Die Verbund AG ist bereit, massiv in neue Windkraftanlagen zu investieren!
Der Verbund hat bei uns kaum Windkraft – warum?
Weil Windkraftprojekte sehr schwer umzusetzen sind in Österreich. Es gibt eine organisierte Gegner-Szene, die den Menschen Angst macht.
Wird Ihnen das geplante Erneuerbaren-Beschleunigungsgesetz helfen?
Ja, wenn es kommt. Es räumt Erneuerbaren ein „überragendes öffentliches Interesse“ ein und bündelt Verfahren, das kann helfen. Aber es braucht eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Da wünsche ich mir einen echten „Österreich-Moment“ über Parteigrenzen hinweg.
Kronen Zeitung





