Mehr Made in Europe?

16. März 2026

Mit einem neuen Gesetzesvorschlag will die EU-Kommission heimische Hersteller von grünen Technologien fördern. Wie sehr China in diesen Bereichen dominiert, zeigen drei Beispiele.

Made in China“ kennt mittlerweile jeder, „Made in Europe“ eher weniger. Kein Wunder, dominiert China doch längst nicht nur den Markt an alltäglichen Elektro- und Haushaltsgeräten, sondern auch wichtige Technologien, die für die Industrie und Energiewende mittlerweile unerlässlich sind: Solaranlagen, Windkraftanlagen, Batteriespeicher und Elektroautos.


Um das zu ändern und die europäische Industrie wieder wettbewerbsfähiger zu machen, präsentierte die EU-Kommission vor wenigen Tagen neue „Made in Europe“-Pläne: Statt in der Ferne zu kaufen, sollen strategisch wichtige Dinge – neben PV-Anlagen, E-Autos und Wärmepumpen auch wichtige Baustoffe wie Stahl, Zement und Aluminium – wieder vermehrt in Europa produziert werden. Dafür sollen bei öffentlichen europäischen Aufträgen künftig bestimmte Kriterien gelten und zumindest Teile der Komponenten aus der EU oder ausgewählten Partnerländern kommen, so der Gesetzesvorschlag der Kommission.


Für einige Industrieverbände klingt der neue Vorschlag nach viel Bürokratie und Protektionismus. In Deutschland warnt der Verband kommunaler Unternehmen, dass die Vorgaben die Energiewende ausbremsen und die Energiepreise in die Höhe treiben könne. Aber wie „europäisch“ sind Solaranlagen, Batteriespeicher und Wärmepumpen derzeit überhaupt? Und wie sehr können sie es in Zukunft werden?


Solar: Ohne China geht wenig


Wer in Österreich eine PV-Anlage montiert, nutzt mit hoher Wahrscheinlichkeit Module aus China. Das Land produziert rund 80 bis 85 Prozent aller PV-Module weltweit. Nach wie vor werden mehr Module produziert, als derzeit installiert werden, was die Preise nach unten drückt. Das hat dazu geführt, dass viele frühere Solarmodul-Hersteller in Europa in die Insolvenz schlitterten.


„Bis 2010 kamen noch fast alle PV-Module nicht aus China, sondern aus Deutschland und anderen EU-Ländern, beziehungsweise aus Japan. Dann haben die Chinesen mit der Fertigung begonnen und die Preise sind enorm gesunken“, sagt Hubert Fechner, Energieexperte bei der Österreichischen Technologieplattform Photovoltaik (TPPV), im Gespräch mit dem STANDARD.


Mittlerweile befindet sich unter den zehn größten Solarzellen-Herstellern der Welt lediglich ein (ehemaliges) Unternehmen aus Europa: das schon 1999 in Deutschland gegründete Qcells, das 2012 Insolvenz anmeldete und seinen Hauptsitz mittlerweile in Südkorea hat. In Europa und dort wiederum vor allem in Deutschland konzentrieren sich Solarhersteller vor allem auf Nischen- und Premiummärkte oder auf die Montage der Module.


Könnten und sollten PV-Anlagen künftig wieder mehr aus Europa kommen? Experten wie Fechner sind davon überzeugt. „Solarenergie wird in Zukunft den Strom dominieren. Wir brauchen wahrscheinlich vier- bis fünfmal so viele installierte PV-Anlagen wie heute“, sagt er. Die derzeit starke Abhängigkeit Europas von China berge Risiken durch Lieferkettenausfälle, geopolitische Spannungen oder Cyberkriminalität. Zudem sterbe ohne eine Produktion in Europa auch die Forschung aus.
Zumindest 40 Prozent der in Europa benötigten Module könnten in Zukunft in Europa gefertigt werden, so Fechner. „Ein Grund, warum PV-Module aus China so günstig sind, ist, weil sie massiv staatlich gefördert werden.“


Batteriespeicher: langer Atem nötig


Batteriespeicher sind gewissermaßen die besten Freundinnen von PV. Mit ihnen lässt sich überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien über den Tag für den Abend oder die Nacht speichern und damit auch die Netze entlasten. Der „Made in Europe“-Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, dass in den ersten drei Jahren nach Inkrafttreten der Verordnung nur jene stationären Energiespeicher öffentlich gefördert werden, bei denen das Speichersystem aus Europa stammt. Nach drei Jahren müssen dann auch die Batteriezellen, das Batterie-Management-System und zumindest ein weiteres wichtiges Bauteil aus der EU stammen.


Bei der Herstellung von Batteriezellen dominiert China jedoch ebenfalls den Markt – auch, weil das Land die Rohstoffe kontrolliert, die einen großen Teil der Kosten ausmachen. Mehr als 90 Prozent aller Batterien für stationäre Speicher in der EU stammen von asiatischen Herstellern.
In Deutschland sind Hersteller großer Batteriespeicher, darunter etwa Fenecon und Tesvolt, davon überzeugt, dass man wettbewerbsfähig produzieren könne. Allerdings sei vor allem die Fertigung der Zellen sehr energieintensiv und noch wenig wirtschaftlich, weshalb Fenecon etwa auch auf ungenutzte E-Autobatterien von Autobauern für die Herstellung zurückgreift. Im Vergleich zu Deutschland ist Österreich bei der Installation und Herstellung von Großbatteriespeichern ein Nachzügler.


Um die Batterieproduktion noch mehr nach Europa zu holen, braucht es laut Experten vor allem einen langen Atem. Denn Batteriezellen zu entwickeln und die Produktion hochzufahren, dauere Jahre bis Jahrzehnte, sagt Simon Lux, Elektrochemiker und Batteriezellforscher an der Universität Münster. Künftig müsse sich die EU noch mehr auf das Recycling alter Batterien konzentrieren, um wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen und auf neue Technologien wie Natrium-Ionen-Akkus setzen, die ohne kritische Rohstoffe auskommen.


Wärmepumpen: Mehr aus Europa


Wärmepumpen sind für die Wärmewende schon jetzt unerlässlich, auch wenn sie in Österreich noch vorrangig bei Neubauten eingesetzt werden. In Europa dominieren vor allem Hersteller wie Viessmann, Vaillant, Bosch, Nibe und Ochsner, letzterer hat seinen Sitz in Österreich. Und auch asiatische Hersteller wie Daikin und Panasonic haben Produktionswerke in Europa.


Allerdings kommen die Bauteile bei vielen Herstellern häufig aus dem EU-Ausland. Darunter etwa der Kompressor, das Herzstück der Anlagen, die Elektronik und Steuerung und die Kältemittel, allen voran die synthetischen Kältemittel, mit China als Hauptproduzent. Lediglich Wärmetauscher und Gehäuse werden häufiger in Europa hergestellt, sowie natürliche Kältemittel wie Propan, das als Nebenprodukt bei der Raffination von Erdöl und Erdgas gewonnen wird.


Die europäische Wärmepumpenbranche pocht seit Jahren auf Förderungen, die den Produktionsort der Heizung stärker berücksichtigen – wohl auch, weil die Branche ein ähnliches Schicksal fürchtet, wie es einst die heimische Solarindustrie ereilte.


Und tatsächlich scheint China beim Verkauf von Wärmepumpen schon in den Startlöchern zu sitzen: Bis 2030 soll die Fertigung chinesischer Wärmepumpen hochgefahren werden, und öffentliche Gebäude in Europa, darunter Schulen, Krankenhäuser, Hotels und Büros, mit chinesischen Wärmepumpen ausgestattet werden, heißt es in einem sechsseitigen Strategiepapier der Regierung.

Der Standard