Es weht ein anderer Wind im Land

29. Oktober 2026

Erneuerbare Energie. Landeshauptmann Thomas Stelzer setzt gezielt auf Windenergie und geht auf Distanz zum Regierungspartner: „Wo es rechtlich passt, wird sicher auch gebaut.“

„Wir wollen alles, was uns an erneuerbarer Energie zur Verfügung steht, nutzen.“ Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) schlägt in der Energiepolitik Pflöcke ein, wird konkret bei der Windkraft deutlich. Hier seien aktuell die Genehmigungsverfahren zu neun Projekten im Laufen, sagt er: „Überall, wo es rechtlich passt, wird sicher auch gebaut.“ Das gelte auch für den Windpark Sandl (Bez. Freistadt).


Grundsätzlich ist laut Stelzer das Potenzial enorm: „Rund zwei Drittel der Fläche in Oberösterreich sind Gebiete, wo Windkraft theoretisch möglich ist.“ Damit geht der Landeshauptmann auf Konfrontation mit dem Regierungspartner. „Oberösterreich ist kein Windkraftland“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreter und FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner.


Anlass zu Stelzers Positionierung war die offizielle Inbetriebnahme einer weiteren Agri-Photovoltaikanlage Anfang der Woche in Schalchen (Bez. Braunau) durch die Energie AG. Auf dem landwirtschaftlichen Anwesen von Josef und Bettina Wagenhofer in der Ortschaft Oberlindach wird neuerdings Sonnenstrom geerntet. Knapp 9.400 Module werden künftig pro Jahr rund acht Gigawattstunden produzieren, das entspricht dem Bedarf von etwa 2.300 Haushalten. „Projekte wie dieses verbinden Klimaschutz mit langfristiger Versorgungssicherheit“, erklärte Leonhard Schitter, CEO der Energie AG. Und er hob das Zusammenspiel von Energiegewinnung und Landwirtschaft hervor. Peter Stöckler, Geschäftsführer der Sparte Erzeugung, sprach von einer „Win-win-Situation“ für die Grundeigentümer. Zur Pacht komme, dass rund 80 Prozent des Areals weiterhin bewirtschaftet werden können. Die Wagenhofers haben dafür bereits einen Plan. Sie wollen im umgebauten Stall eine Pilzzucht aufziehen. Die dabei nötigen Substrate sollen zwischen den Solarpaneelen gewonnen werden. Die Agri-PV-Anlage sei ein „Kraftwerk“ in doppeltem Sinn, ergänzte der Landeshauptmann: „Neben der Energiegewinnung kann in der Region Wertschöpfung erzielt werden.“ Ab 2027 können Bürgerinnen und Bürger in Schalchen per E-Fairteiler zum individuell vereinbarten Preis direkt Strom aus der Agri-PV-Anlage beziehen.


Auch die ÖBB setzen auf erneuerbare Energie und bauen ihre eigene Stromerzeugung aus Wasser-, Sonnen- und Windkraft schrittweise aus. Soeben hat das Unternehmen im Gemeindegebiet von Enns seine bis dato größte PV-Anlage in Betrieb genommen. Auf einer Fläche von rund 20 Hektar erzeugen 37.764 Module pro Jahr knapp 24 Gigawattstunden Strom. Dieser wird in das Bahnstromnetz eingespeist und steht unter anderem für den Zugverkehr auf der Weststrecke zur Verfügung. Rechnerisch kann der Energiebedarf von rund 8.000 Railjet-Fahrten zwischen Wien und Linz abgedeckt werden.

Kurier