Im Pinzgau sind die Windkraft-Keiler aktiv

22. Oktober 2026, Bramberg

Private Firmen bieten Grundeigentümern in mehreren Orten Geld an. Sie sollen ihren Grund und Boden für geplante Windräder zur Verfügung stellen.


Salzburg – und speziell der Pinzgau – ist eine Region der Wasserkraft. Doch der Klimawandel erhöht den Druck, auch andere erneuerbare Quellen anzuzapfen. Photovoltaik ist akzeptiert, die dritte mögliche Säule ist politisch heikel: die Windkraft. Klimaschutz, Naturschutz, Tourismus, Eigentumsrechte und lokale Interessen treffen unmittelbar aufeinander.


Das Land hat elf Vorrangzonen ausgewiesen, konkrete Projekte werden geprüft etwa in Dienten. Dort befinden sich zwei Vorrangzonen für Windenergie des Landes: der Schneeberg, schon knapp auf Mühlbacher Gebiet, und das Hochegg an der Grenze zu Taxenbach. Ob sich das lohnt, wollen die Salzburg AG und ihr Partner Bundesforste herausfinden. Ein Mast wurde aufgebaut, ab Ende Oktober wird mindestens ein Jahr lang gemessen.


Das motiviert offenbar auch andere Windkraftfirmen. Sie hätten versucht, Vereinbarungen mit Grundbesitzern abzuschließen, sagt Bürgermeister Klaus Portenkirchner (SPÖ). „Da werden angeblich bis zu 35.000 Euro pro Jahr geboten, ab dem Zeitpunkt, ab dem ein Windrad steht.“ Er spüre Unruhe in der Gemeinde – „und das ist nicht gut“.


Ähnlich ist es in Bramberg. Eine umworbene Grundeigentümerin habe ihn jüngst um seine Einschätzung gebeten, schildert Bürgermeister Hannes Enzinger (ÖVP): „Ihr wurde ein namhafter Betrag angeboten, genaue Zahlen kenne ich nicht.“ Vertreter der Firma aus dem Osten Österreichs seien auch zu ihm gekommen. „Sie betreiben bereits Windparkanlagen. Aber ich habe ihnen gesagt, dass sie bei mir keine Unterstützung finden.“ Im zuständigen Gemeindeausschuss sei dies kürzlich auch abgelehnt worden. „Das wäre ja kein einzelnes Windrad, sondern ein Park mit zehn Windrädern entlang der Geländekante vom Skigebiet Wildkogel. Acht davon wären gegenüberliegend, von der Schattseite gut zu sehen.“ Es herrsche viel Unwissenheit über die Windkraft, sagt dazu Mario Wallner von „KEM und KLAR! Pinzgau“. Die Organisation ist eine regionale Initiative für Klimaschutz, Energiewende und Klimawandelanpassung. Sie wolle die Diskussion objektiv führen und offene Fragen beantworten, sagt Wallner. „Uns wurde das klar, nachdem im Vorjahr ein geplantes Projekt am Schafkopf zwischen Zell am See und Bruck abgelehnt worden war.“ Dort sollten acht Windräder entstehen. Die Gemeindevertretungen waren nach kurzer Diskussion strikt dagegen. „Die Stimmung war aufgeheizt, es gab nur wenig sachliche Diskussionen.“ Dazu fehle auch notwendiges Wissen über Vor- und Nachteile der Windkraft.


Landesrat pocht auf Windkraft


Deshalb organisiert KEM und KLAR! Pinzgau einen öffentlichen Informationsabend mit Vertretern des Landes Salzburg und von Windkraft Österreich. „Alle Interessierten können und sollten Fragen stellen, Sorgen und Ideen einbringen“, betont Wallner. Das Land Salzburg hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2030 soll der Stromverbrauch zur Gänze von erneuerbaren Energieträgern geliefert werden. Landesrat Maximilian Aigner (ÖVP) sagt dazu: „Wir brauchen Windkraft in Salzburg. Wir dürfen uns nicht nur auf einen Bereich konzentrieren, sondern benötigen einen breiten Energiemix. Wenn wir ganzjährig unabhängig sein wollen, dann ist die Windkraft ein echter Gamechanger.“ Aigner betont aber auch: „Es braucht nicht auf jedem Berg ein Windrad, nur dort, wo es Sinn hat und wo die Region dahintersteht. Wir dürfen nicht von oben herab die Leute dazu zwingen.“


Infoveranstaltung in Taxenbach


Die KEM Pinzgau Nationalparkregion und die KEM Nachhaltiges Saalachtal laden zu einem öffentlichen Energie-Stammtisch ein. „Wir hoffen auf rege Teilnahme, auch von Interessierten aus anderen Orten. Wenn es gewünscht wird, machen wir das gern auch in anderen Gemeinden.“ Der erste Termin von „Wohin weht der Wind?“ ist am Mittwoch, dem 4. November, 18.30 Uhr, im Veranstaltungssaal Taxenbach.

Erwin Simonitsch

Salzburger Nachrichten