Erneuerbare lieferten weniger Strom

2. Oktober 2026

Der Erneuerbaren-Anteil am Stromverbrauch geht wegen fehlender Wasserkraft auf 78 Prozent zurück. Die Photovoltaik wirkt als „Trägerrakete“ beim Ausbau.

Die gute Nachricht: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien schreitet voran. Die schlechte Nachricht: Der Erneuerbaren-Anteil am Stromverbrauch ging 2025 auf 78 Prozent zurück. Das geht aus dem am Dienstag präsentierten EAG-Monitoring-Bericht der Regulierungsbehörde E-Control hervor. Der Rückgang ist mit der geringeren Wasserkrafterzeugung zu erklären. Die Erzeugung von Wasserkraft, eigentlich Hauptstütze bei der grünen Stromerzeugung, ging um 26,6 Prozent auf 24,4 Gigawattstunden (GWh) zurück: Der niedrigste Stand seit 2020. Gleichzeitig ist 2025 der Inlandsstromverbrauch gestiegen. „Der Ausbau schreitet voran, aber wir haben in Österreich klimabedingte Schwankungen. Deshalb ist es wichtig, auf mehrere Energieträger zu setzen“, sagte Alfons Haber, Vorstand der E-Control bei der Präsentation. 2024 war der Erneuerbaren-Anteil am Stromverbrauch auf einem Höchststand von 94 Prozent.


Die Energiewende schreitet voran: Seit 2020 wurden 10.000 Megawatt bei Photovoltaik, Windkraft und Wasserkraft zugebaut. Von insgesamt 36.000 Megawatt installierter Kraftwerksleistung machen laut Erneuerbare laut E-Control aktuell über 25.000 MW aus. Laufwasserkraftwerke, Windräder, Solarparks und Biomasse erzeugten 2025 insgesamt 60.200 GWh Strom. „Jede Kilowattstunde erneuerbare Energie reduziert die Abhängigkeit von fossiler Energieerzeugung. Je mehr wir davon produzieren, desto weniger Geld für fossile Energien fließt ins Ausland“, sagt Haber.


„Realistisches Ziel“


Der E-Control-Vorstand sieht das Ziel, 2030 bilanziell nur noch Strom aus Erneuerbaren zu haben, als „realistisch“ an. Bis dahin müssen 27 Terawattstunden (TWh) Erneuerbare Energien zugebaut werden. Zum Vergleich: der gesamte Stromverbrauch Österreichs beträgt rund 72 TWh. Die E-Control hat die Volllaststunden auf Leistung umgerechnet. Daraus ergibt sich laut Bericht ein notwendiger jährlicher Zubau von 1640 MW. In einem Soll-Ist-Vergleich wurden von 2021 bis 2025 insgesamt rund 10.000 MW Erneuerbare zugebaut, womit das errechnete Ziel von 8200 MW laut E-Control übertroffen werden konnte.


Die „Trägerrakete“ ist Photovoltaik. Die Erzeugung von Strom aus Sonnenenergie hat im Vergleich zu 2024 um 28 Prozent zugelegt. „Photovoltaik kompensiert derzeit den Minderausbau bei Windkraft“, sagt Harald Proidl, Leiter der Abteilung Erneuerbare Energien bei der E-Control. Bei den übrigen Erneuerbaren Energieträgern ergibt sich „weiterhin ein deutlicher Aufholbedarf für die Zielerreichung gemäß EAG bis 2030“, wie es im Monitoringbericht heißt.


Doch wie wird 2026 angesichts von wochenlanger Dürre und Niederwasser? Schafft Österreich heuer die 78 Prozent überhaupt? E-Control-Vorstand Haber traut sich noch keine Prognose zu machen. „Wir hatten im Juni und Juli eine hohe Windkrafterzeugung, die untypisch für diese Jahreszeit war und im März und April eine sehr hohe PV-Erzeugung“, sagt er. Es hänge auch davon ab, wie sich die Windkraft im restlichen Jahr entwickeln werde.


Konkurrenz Rechenzentren


Thema waren auch Rechenzentren, die wegen ihres enormen Stromverbrauchs in der Kritik stehen. Haber sagte, dass es durch diese Großverbraucher zu Konkurrenzsituationen bei den Netzanschlüssen kommen könnte. Vor allem im Osten Österreichs gehen zahlreiche Anfragen zu Netzanschlüssen für Rechenzentren ein. Es gilt das Prinzip „first come, first serve“: Wer zuerst kommt, bekommt den Anschluss. Die E-Control will das ändern: „Wir arbeiten derzeit an einer Konkretisierung der Reihungskriterien, also wann wer an das Stromnetz angeschlossen wird“, sagte Haber.


Zum Ausbau der Erneuerbaren und der Netze kommen Batteriespeicher. Es gebe laut E-Control Anfragen über 30.000 MW für Batteriespeicher. Dies sei aber eine bis zu zehnfache Überzeichnung. „Diese Netzanschlussanfragen blockieren Netzanschlüsse für Erzeugungsanlagen“, sagte Haber. Anfang Oktober will die E-Control die Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V) vorlegen. Die Verordnung setzt die Vorgaben des neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (EIWG) um und regelt die künftigen Netzentgelte.


Zum guten Schluss: Der Boom bei Energiegemeinschaften hält weiter an. Die Zahl der Erneuerbaren-Energiegemeinschaften (EEGs) stieg innerhalb eines Jahres von rund 3900 auf knapp 6000 an. Mehr als 100.000 Menschen speisen Strom ein, mehr als 260.000 Menschen nehmen aktiv an einer Energiegemeinschaft teil. Das Gesetz sieht für sie reduzierte Netzentgelte vor: Das Ersparnis beläuft sich 2025 auf 3,87 Millionen Euro.

Der Standard