Die Inflation ist im September auf 3,6 Prozent gestiegen. Das wird sich nach den Spritpreisen auch bald auf die Haushaltsenergie auswirken – auch weil über den Winter viele Neukundenboni bei Strom und Gas auslaufen.
Die Inflation in Österreich war im September weiter auf dem Vormarsch und erreichte mit 3,6 Prozent wieder annähernd den Jahreshöchstwert von 3,7 Prozent im Mai. Im August war die Teuerung noch bei 3,2 Prozent gelegen, bevor die neuerliche Eskalation im Nahen Osten die Ölpreise wieder merklich über die 100-Dollar-Marke getrieben hat. Die Auswirkungen auf Österreich beschreibt Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk wie folgt: „Erneut haben vor allem die höheren Treibstoff- und Heizölpreise zu diesem Anstieg beigetragen. Der bedeutendste Inflationstreiber bleibt aber nach wie vor der Dienstleistungsbereich.“
Angesichts der viel zu hohen Inflation – die Europäische Zentralbank (EZB) strebt als Zielwert nur zwei Prozent an – ist es ein schwacher Trost, dass die Verbraucherpreise in Österreich etwas langsamer gestiegen sind als in der Eurozone. Dort wurde für September eine Teuerungsrate von 3,8 Prozent ermittelt. Allerdings befürchtet Ökonom Sebastian Koch vom Institut für höhere Studien (IHS), dass dies nicht allzu lange anhalten dürfte und die Inflation in Österreich jene in der Währungsunion bald wieder übersteigen werde. Warum? Hohe Ölpreise sind allerorts zeitnah an den Zapfsäulen und bei Heizöl zu spüren. Bei Strom und Gas werden höhere Preise hierzulande erst später an die Kundschaft weitergereicht als in anderen Ländern des Euroraums, unter anderem wegen längerer Vertragsbindungen.
Während der Energieschock andernorts bereits stärker in der Inflation angekommen ist, ist ein Teil davon in Österreich bisher noch aufgeschoben. Zuletzt haben die Großhandelspreise wieder deutlich zugelegt: Im Oktober steigt der österreichische Gaspreisindex im Vergleich zum Vormonat um 19 Prozent, gegenüber dem Vorjahresmonat beträgt der Anstieg sogar 81 Prozent. Beim Strompreisindex liegen die Zuwächse mit 30 und 92 Prozent sogar noch etwas darüber. „Da dürfte sich einiges tun“, sagt Koch mit Blick auf die Preisentwicklung für die Haushalte während der anstehenden Heizsaison. Für Gas schätzt der IHS-Ökonom etwa, dass die Arbeitspreise inklusive Steuern bis ins Jahr 2027 hinein insgesamt um rund zehn Prozent steigen werden.
190.000 Neukundenboni enden
Das Vergleichsportal Durchblicker hat zudem ermittelt, dass bis Frühjahr 2027 mehr als 190.000 Strom- und Gasverträge ihren Neukundenbonus verlieren werden. Ursache dafür sei die hohe Wechselaktivität der Haushalte zwischen Oktober 2025 und März 2026, als mehr als 173.000 Strom- und 47.000 Gasverträge abgeschlossen wurden – und in fast neun von zehn Fällen mit einem Neukundenbonus ausgestattet waren, der nun auslaufe. „Viele Haushalte erinnern sich vor allem an den günstigen Tarifabschluss und bemerken erst spät, dass derselbe Vertrag im zweiten Jahr plötzlich deutlich teurer ist“, erklärt Stefan Spiegelhofer, Energieexperte des Vergleichsportals.
Die durchschnittliche Höhe der auslaufenden Boni beziffert Spiegelhofer mit 464 Euro bei Strom und 617 Euro bei Gas. Was das bedeutet? Im zweiten Jahr muss die betroffene Kundschaft ohne Netzkosten und Abgaben mit Mehrkosten von etwa 43 Prozent beim Strompreis und 45 Prozent beim Gaspreis rechnen. „Ein hoher Neukundenbonus macht einen Tarif im ersten Jahr zwar besonders attraktiv, jedoch kann der Preis ab dem zweiten Jahr bereits deutlich teurer als im ersten Jahr und sogar teurer als andere Tarife am Markt sein.“
„Schieflage im Sozialsystem“
Besonders stark unter teurerer Haushaltsenergie leiden die einkommensschwächsten Menschen. In diesem Zusammenhang beobachtet das gewerkschaftsnahe Momentum Institut „eine zunehmende Schieflage im Sozialsystem“. Demnach haben sich die Preise für essenzielle Güter wie Energie, Lebensmittel und Miete seit August 2021 stärker erhöht als die staatlichen Ausgleichszahlungen im Rahmen der Mindestpension sowie bei der Mindestsicherung. Laut Institut sind die Kosten des Grundbedarfs seither um 35 Prozent angestiegen, die Ausgleichszulage sei aber nur um 30,8 Prozent angepasst worden. Dabei handle es sich um „realen Kaufkraftverlust, der den Unterschied zwischen ausreichender Versorgung und prekärer Existenz ausmachen kann“, sagt Momentum-Ökonom Nicolas Prinz.
Zurück zur Inflationsentwicklung, von der IHS-Experte Koch im Oktober einen Rückgang auf etwa 3,4 Prozent erwartet. Eine Ursache dafür ist die von weniger als zwei auf zwölf Cent pro Liter hochgeschraubte Spritpreisbremse der Regierung, was die Teuerung um etwa 0,2 Prozentpunkte drosseln sollte. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Ökonom 3,1 Prozent Inflation, im Jahr darauf immer noch 2,8 Prozent. Wobei Österreich dann wieder das Nachsehen gegenüber der Eurozone haben dürfte, sobald der Nachholeffekt bei den Energiepreisen eintritt. „Diese Gefahr besteht“, sagt Koch mit Verweis auf die Inflationswelle des Jahres 2022, als die Teuerung hierzulande zunächst niedriger, in weiterer Folge aber deutlich höher als in der Eurozone ausgefallen ist. Entscheidend werde aber auch sein, wie rasch hierzulande die Dienstleistungsinflation zurückgeht und wie stark Preisschocks über Löhne und indexierte Preise nachwirken.
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