Umfrage: 81 Prozent sehen Windenergie als „wichtigen Bestandteil“ des Energiemixes
Seit Jahren sind die Fronten in der oberösterreichischen Energiepolitik verhärtet. Die Opposition im Landtag – mit Ausnahme der MFG – kritisiert mangelndes Tempo beim Windkraft-Ausbau. Mit einer Spectra-Umfrage in eigenem Auftrag wollen die Grünen nun den Druck auf die schwarz-blaue Landeskoalition erhöhen.
Die Ergebnisse, die gestern im Rahmen eines Pressetermins vorgestellt wurden, zeigen: Die Bevölkerung befürwortet die Windenergie und deren rascheren Ausbau mehrheitlich. Mehr als drei Viertel, nämlich 81 Prozent, der Oberösterreicher betrachten Windkraft als wichtigen Bestandteil im heimischen Energiemix.
Brisanz misst Grünen-Landessprecher Stefan Kaineder der Detailanalyse nach Parteipräferenz bei: Zwei Drittel (66 Prozent) der FPÖ-Wähler befürworten die Windkraft, fast 60 Prozent fordern einen beschleunigten Ausbau. „Die Bevölkerung ist in dieser Frage viel weiter als die Landesregierung, die sich im Status quo einbetoniert hat“, so Klubobmann Severin Mayr.
Dass Windräder für LH-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) nur ein „Zuckerguss im Energiemix“ seien, sei daher ein fataler Fehlschluss, der die Versorgungssicherheit des Landes gefährde, sagte Mayr.
Kaineder verwies auf die geopolitische Dringlichkeit seit dem Ukraine-Krieg und der Blockade der Straße von Hormus im Zuge des Iran-Konflikts. Da die Wasserkraft an ihre Grenzen stoße, brauche es Windkraft als unverzichtbare Säule – vor allem im Winter, wenn Windräder zwei Drittel ihres Stroms erzeugen, während die Sonne kaum scheint. Die Bilanz der Landesregierung sei mit nur einem neu errichteten Windrad in zehn Jahren jedoch ernüchternd.
Als Beispiel für die Blockadehaltung nannte Kaineder erneut den geplanten Windpark im Mühlviertler Sandl. „Es ist absurd: In Sandl gibt es einstimmige Gemeinderatsbeschlüsse, aber die FPÖ versucht dort, den Widerstand künstlich zu orchestrieren.“ Die Grünen fordern daher den Bau von 200 Windrädern bis 2035 und die Abkehr von den Ausschlusszonen für Windkraft, die bis Ende des Jahres in Kraft treten sollen.
Keine Blockade
Wirtschafts- und Energielandesrat Markus Achleitner (VP) wies die Vorwürfe einer Blockade vehement zurück. Oberösterreich sei Spitzenreiter bei erneuerbaren Energien und decke bereits 91 Prozent seines Stromverbrauchs aus sauberen Quellen. Aktuell seien im Bundesland 31 Großwindkraftanlagen in Betrieb (Platz vier im Bundesländervergleich), weitere 64 Anlagen befänden sich derzeit in den verschiedenen Etappen der Genehmigungsverfahren.
Zudem verwies Achleitner auf die Umsetzung der EU-Richtlinie „RED III“: Künftig sollen in Oberösterreich etwa rund 8900 Hektar als konkrete Beschleunigungsgebiete für Windkraft ausgewiesen werden. Der Entwurf liegt zur Notifikation bei der EU-Kommission. Potenzialflächen für den Windkraftausbau seien, so Achleitner weiter, auf rund zwei Dritteln der gesamten Landesfläche möglich.
Die Landesregierung bekenne sich zum Ausbau erneuerbarer Energie „in allen Bereichen – überall dort, wo es sinnvoll und genehmigungsfähig ist. Diese Haltung wird auch von den Oberösterreicherinnen und Oberösterreichern mitgetragen“, so Achleitner.
(fep)
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