Bis Ende des Jahres wird der Windpark Freiländeralm 2 an der Grenze zwischen Kärnten und der Steiermark fertig gestellt. Nun wurde das letzte Rotorblatt mit einer Länge von 86 Metern geliefert.
Im Schritttempo bahnt sich die 25 Meter lange Zugmaschine den Weg vom Zwischenlager bei der Autobahnabfahrt Pack bis zum 18 Kilometer entfernten Zielort im Grenzgebiet zwischen der Steiermark und Kärnten. Dort errichtet die Energie Steiermark aktuell den Windpark Freiländeralm 2. Im Schlepptau hat die Zugmaschine ein Rotorblatt mit einer Länge von 86 Metern. Für den Transport ist der aus Deutschland stammende Kraftfahrer Erik Piper verantwortlich. Vor wenigen Tagen manövrierte er das letzte der 35 Tonnen schweren Rotorblätter auf die Alm. „Wir hatten Glück, das Wetter hat mitgespielt. Es muss absolut windstill sein, sonst könnte das Gerät kippen. Der Transport vom Lagerplatz bis zur letzten Kehre dauert rund sieben Stunden.“
Aufgrund ihrer Dimension – zum Vergleich: Ein Airbus A 380 ist um 13 Meter kürzer – können die Rotorblätter nur in vertikal geneigter Position transportiert werden. Während Piper die selbstfahrende Zugmaschine, die mit dem Ladegut auf eine Länge von 95 Metern kommt, lenkt, bedient ein Kollege das Rotorblatt: Das kann aufgestellt, gedreht sowie seitlich über den Transporter hinausgeneigt werden. „Das ist notwendig, um in Kurven Hindernisse wie Bäume umfahren zu können“, erläutert Piper. Eigene Ausbildung gibt es für diesen gigantischen Sondertransport keine. „Da geht es um Erfahrung und Übung“, berichtet Piper.
Der Windpark erstreckt sich über Teile der Gemeinden Hirschegg-Pack, Edelschrott und Deutschlandsberg. Ende des Jahres 2026 werden die 15 Windkraftanlagen, die jeweils eine Höhe von 232 Metern aufweisen, in Betrieb gehen. „Die ersten acht Anlagen stehen schon und laufen im Probebetrieb. Die restlichen sieben gehen heuer noch in Betrieb. Das sind die größten Windkraftanlagen, die in Europa an Land zum Einsatz kommen“, sagt Urs Harnik-Lauris von der Energie Steiermark. Insgesamt werden rund 162 Millionen Euro investiert.
„Jetzt laufen die Arbeiten beim Aufbau der letzten Anlagen auf Hochtouren. Die gesamte Baustelle ist ein dynamischer Betrieb“, schildert der Konzernsprecher. Davon machten sich vergangene Woche auch die Mitglieder des Aufsichtsrates der Energie Steiermark vor Ort ein Bild. Der Windpark soll rund 200 Gigawattstunden Strom liefern. „Das entspricht der Erzeugungsmenge von drei Murkraftwerken. In Summe wird damit Strom für 57.000 Haushalte geliefert.“
Angeliefert wurden die Teile für die Windkraftanlagen per Schiff in den Hafen Koper, via Autobahn wurde die Fracht mittels Schwertransporten über Spielfeld in die Weststeiermark gebracht. Dafür benötigte es eine enge Zusammenarbeit mit der Asfinag, die aktuell ja Großbaustellen auf der A2 zwischen Graz-Ost und Flughafen sowie im Packabschnitt umsetzt. „Um den Verkehr so wenig wie möglich zu stören, sind die Teile in Nachttransporten angeliefert worden“, berichtet Harnik-Lauris. Und weiter: „Das ist alles eine logistische Herausforderung.“ Wie beim Transport braucht es auch bei der Montage Windstille, damit die Kräne die Einzelteile der Steher, die Naben und Motoren sowie die Rotorblätter anheben können.
Zum massiven Eingriff in die Landschaft durch die Großbaustelle, für die auch weiträumige Rodungen und der Bau neuer Verbindungswege notwendig waren, erklärt Harnik-Lauris: „Wir setzen 140 Einzelmaßnahmen im Bereich der Ökologie um. Das beginnt beim Schutz der Moore vor Steinstaub mittels Planen und geht bis zum Schutz von Fledermäusen und Ameisen. Das Monitoring zeigt etwa, dass die Zahl des Auerwilds auf der Freiländeralm in den vergangenen Jahren sogar zugenommen hat.“
Von Rainer Brinskelle
Kleine Zeitung




