Tanken oder warten? Preise für Pellets und Öl liegen aktuell deutlich höher. Wie man trotz gestiegener Preise sparen kann.
Die kommende Heizperiode wird für viele heimische Haushalte teuer. Jene mit Öl- oder Gasheizung haben sich wohl bereits darauf eingestellt. Denn der Krieg im Iran heizt die Öl- und Gaspreise kräftig an. Am Mittwoch ist der Preis für Rohöl der Sorte Brent über 100 US-Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen und der Preis für Erdgas stieg an der Börse in Amsterdam auf 78,50 Euro pro Megawattstunde (MWh). Laut Daten von „Fastenergy“ ist der Heizölpreis im Bundesschnitt mit derzeit mehr als 175 Euro je 100 Liter (bei Abnahmemenge von 3000 Litern) um fast 20 Prozent teurer als vor drei Monaten, das Plus im Vergleich zu vor einem Jahr liegt bei knapp 65 Prozent.
Eine Hiobsbotschaft gibt es auch für Besitzer von Pelletsheizungen. Die Pelletpreise liegen aktuell 30 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Laut Medienberichten soll es sogar Personen geben, die deshalb einen Heizungstausch in Erwägung ziehen. Finanziell sinnvoll ist ein Umstieg aufgrund der aktuellen Preissteigerungen nicht. Denn wie Lukas Zwieb, Experte der Österreichischen Energieagentur, erläutert: „Pelletsheizungen sind investitionsintensiv, aber der Brenngutpreis ist im Vergleich zu anderen Heizformen relativ gering.“ Im langjährigen Vergleich schneiden Pellets gegenüber Heizöl günstiger ab. Die aktuelle Preissteigerung erklärt Zwieb mit der steigenden Nachfrage. Darüber hinaus gibt es aufgrund der schwächelnden Bauwirtschaft weniger Sägeholz und damit auch weniger Pellets als Nebenprodukt am Markt. Stabilisierend auf den Preis wirkt Österreichs Waldreichtum.
Pelletsheizungs-Besitzern rät der Experte: „Jetzt sollte man nicht in Panik verfallen und jeden Preis akzeptieren. Es ist sinnvoll, in Ruhe Angebote einzuholen und zu vergleichen. Aktuell ist die Haupteinlagerungszeit, die meist im Oktober oder November abgeschlossen ist, und damit sind wir in einer Hochpreisphase.“ Danach sei eine Entspannung möglich, wobei er hervorstreicht, dass ein Abverkauf nicht zu erwarten sei.
Angesprochen auf die Preissteigerung betont Doris Stiksl, Geschäftsführerin von Pro Pellets, dass Pellets trotzdem preislich attraktive Heizarten seien. Verantwortlich für den Anstieg seien unter anderem die höheren Lohn-, Energie- und Logistikkosten. Auch der Holzpreis selbst ist gestiegen. Vor einem Taktieren beim Pelletseinkauf in der Hoffnung auf einen besseren Preis rät Stiksl ab: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Preise sinken werden. Wir haben die Erfahrung, dass die Preise in der kalten Jahreszeit steigen.“ Wie Zwieb rät sie dazu, Preise der Anbieter zu vergleichen und schon jetzt Kauf sowie Lieferung zu fixieren, um unangenehme Überraschungen wie etwa fehlende Lkw-Kapazitäten zu vermeiden.
Betrüger wissen ebenfalls, dass Pelletskäufe jetzt Hochsaison haben. Deshalb warnt Stiksl vor Fake-Seiten. Vorsicht ist geboten, wenn Pellets zu einem ungewöhnlich günstigen Preis angeboten werden. Das gilt, so die Expertin, auch für Sackware. Wer nicht bei einem zertifizierten Händler kauft, könnte zwar günstige, aber minderwertige Pellets erwischen. Diese Billigware führt zu einer Verschlackung des Kessels, deren Entfernung sehr kostspielig ist.
Beim Heizöl rät Zwieb ebenfalls zum Preisvergleich. Eine Prognose sei aufgrund der turbulenten weltpolitischen Entwicklung schwierig, doch die aktuellen Vorfälle in der Straße von Hormuz deuteten auf weitere Preissteigerungen hin. Egal, wie man heizt: In der aktuellen Lage sind preisbewusste Konsumenten gefordert, selbst zu vergleichen. Das empfiehlt sich vor allem auch Beziehern von Gas, wie eine aktuelle Auswertung der Plattform „durchblicker“ zeigt. Diese zeigt bei einem Tarifwechsel ein Sparpotenzial von 218 Euro im Median. In der Steiermark wird die mögliche Einsparung mit 225 Euro, in Kärnten mit 68 Euro beziffert.
Kritik an den Preisentwicklungen bei Heizöl und Pellets gibt es von der Arbeiterkammer. Sie fordert Gegenmaßnahmen nach dem Vorbild der Spritpreisbremse und Kontrollen der Bundeswettbewerbsbehörde.
Von Bettina Auer
Kleine zeirung



