Datencenter und Stromnetze: „Derzeit herrscht eine Goldgräberstimmung“

7. September 2026, Linz

In Österreich sind Leistungsumfänge von sechs Gigawatt für Datencenter angemeldet

Der Bau oder die Planung von Datencentern wie jenes von Google in Kronstorf stellt die Betreiber der Stromnetzinfrastruktur vor besondere Herausforderungen. Der Stromhunger dieser Projekte ist enorm und scheint bei weitem noch nicht gestillt. „Es herrscht eine Goldgräberstimmung in Österreich. Viele Projekte sind angemeldet. Aber man weiß noch nicht, wie ernst man einzelne Projekte nehmen soll“, sagt Michael Haselauer, Geschäftsführer der Netz OÖ, des Betreibers des Verteilnetzes in Oberösterreich.
Die Netz OÖ ist für die Versorgung des neuen Google-Standorts in Kronstorf zuständig. Für den ersten Ausbauschritt geht es um eine bereitgestellte Leistung von 150 Megawatt (MW). Dafür hat die Netz OÖ ein Umspannwerk um 15 bis 20 Millionen Euro errichtet und könnte jederzeit die Stromversorgung von Google garantieren.


Sollte Google, wie geplant, weiter ausbauen, stiege der Bedarf auf 500 MW. Das würde man allein nicht mehr schaffen, bestenfalls weitere 150 MW. Für den Rest bräuchte man die APG, den Betreiber des übergeordneten Übertragungsnetzes. Das könne aber noch dauern, die APG sei mit Projekten ausgelastet, sagt Haselauer.


Wie groß der Strombedarf der geplanten Datencenter tatsächlich ist, ist derzeit nur schwer abschätzbar. Bei den Netzbetreibern sind sechs Gigawatt angemeldet, allein in Oberösterreich 500 MW für drei Standorte. Dazu habe man eben eine Anfrage über ein Gigawatt erhalten. Dies ist laut Haselauer aber sehr unkonkret.


Zur Einordnung: Die Spitzenlast für ganz Österreich beträgt zwischen neun und elf Gigawatt. Man müsste wohl die Netzkapazitäten für den Bedarf verdoppeln. Der Netz-Experte hält Datencenter grundsätzlich für wichtig. Dass es zahlreiche Anträge für Österreich gebe, zeige, dass Österreich als Standort günstig liege. Es sei wichtig, dass Österreich den Trend zu Datencentern nicht verschlafe und die Infrastruktur entsprechend darauf vorbereite.


Konkret auf Google angesprochen, rückt Haselauer bestimmte Dinge auch zurecht. Beim Netzausbau und beim Bau des Umspannwerks sei es keinesfalls zu einer Sozialisierung der Kosten gekommen. Das bedeutet, dass Google diese Kosten zur Gänze selbst zu tragen habe. Dass der US-Konzern, der in Österreich über die Tochterfirma Volo zwei aufgetreten sei, sich auch gegenüber dem Netzbetreiber alles andere als transparent verhalten habe, verhehlt auch er nicht. Dafür hätten deren Anwälte die Unterschrift mit Geheimhaltungsverträgen samt riesiger Pönalen eingefordert. „Wir haben das nicht unterschrieben, weil wir als Netzbetreiber ohnehin gesetzlich zu strenger Geheimhaltung verpflichtet sind.“


Dass Google die Netzkosten erhöht, erwartet Haselauer nicht. Wenn das Datencenter im Endausbau rund um die Uhr arbeite, werde es 4,4 Terawattstunden im Jahr an Strom verbrauchen. Derzeit verbraucht ganz Oberösterreich inklusive Industrie acht TWh im Jahr. Dass durch den erhöhten Strombedarf Googles die Stromrechnung der Haushalte steige, müsse nicht sein. Ein guter Ausweg sei, sich selbst mit Strom zu versorgen: sofern dies baulich möglich ist, mit einer kleinen PV-Anlage samt Speicher, sagt Haselauer.


„Zugänge anders vergeben“


Der Netz-OÖ-Geschäftsführer weist darauf hin, dass die Anmeldung von großvolumigen Netzzugängen derzeit falsch nach dem Motto „First come first served“ geregelt sei. Etliche Grundstücksbesitzer würden das nutzen, sich Zugänge zu reservieren, den Wert des Grundstücks zu erhöhen und dann möglicherweise für wirklich wichtige Projekte zu blockieren. Haselauer plädiert dafür, nur noch jenen Projekten Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, die Genehmigungen, Finanzierungen und Businesspläne vorweisen können.

Oberösterreichische Nachrichten