Rechenzentren verbrauchen in Irland ein Viertel des Landesstroms

21. Juli 2026, Dublin

Der Verbrauch liegt über dem aller städtischen Haushalte zusammen – Irland hat die Regeln für Betreiber verschärft

Während das Rechenzentrum des US-Konzerns Google in Kronstorf eines der dominierenden Gesprächsthemen in Oberösterreich ist, ist Irland seit Jahren einer der wichtigsten Knotenpunkte der weltweiten Digitalwirtschaft – auch aus Steuergründen. Etliche US-Konzerne haben ihre Europa-Zentralen auf der Insel, und sie betreiben dort auch Rechenzentren.


Irlands Anziehungskraft als Rechenzentrums-Cluster beruht auf niedriger Körperschaftsteuer, Seekabel-Anbindung und nicht zuletzt auf kühlem Klima.
Im Vorjahr verbrauchten die Serverfarmen laut Zahlen der irischen Statistikbehörde Central Statistics Office (CSO) in Summe 7763 Gigawattstunden Strom – ein Anstieg um zehn Prozent zum Jahr davor und eine Verdreifachung des Verbrauchs von 2019. Der Verbrauch aller irischen Rechenzentren lag im Vorjahr mit 23 Prozent über dem aller städtischen Haushalte, die auf einen Anteil von 18 Prozent kamen. Auf ländliche Haushalte entfielen neun Prozent.


Der Zuwachs beim Stromverbrauch der Rechenzentren wirkt insofern paradox, weil Irland strenge Beschränkungen für neue Netzanschlüsse eingeführt hat, vor allem in der Region um die Hauptstadt Dublin. Allerdings haben viele Rechenzentren, die nun ans Netz gehen oder Kapazitäten erweitern, ihre Genehmigungen bereits vor aktuellen Restriktionen erhalten.


Jene Betreiber, die unter die neuen Regelungen fallen, müssen bei einem Netzanschluss mit mehr als zehn Megawatt Leistung eigene Generatoren oder Batteriesysteme vorhalten, die mindestens die gleiche Leistung haben. Diese Anlagen müssen am Großhandelsstrommarkt teilnehmen und bei Bedarf Strom ins öffentliche Netz zurückspeisen.


Zusätzlich müssen neue Rechenzentren mindestens 80 Prozent ihres Strombedarfs durch zusätzliche erneuerbare Stromerzeugung aus Irland decken. Strom aus bereits bestehenden, staatlich geförderten Projekten darf dabei nicht angerechnet werden. Für die Umsetzung räumt die Regulierungsbehörde eine Übergangsfrist von sechs Jahren ab Inbetriebnahme ein.


Preise für Haushalte steigen


Rechenzentren benötigen rund um die Uhr eine gleichbleibend hohe Strommenge. In Zeiten, in denen wenig Wind- oder Solarenergie eingespeist wird, müssen Gaskraftwerke hochgefahren werden, um diese Grundlast zu decken. Da der Großhandelspreis an der Strombörse durch das jeweils teuerste Kraftwerk bestimmt wird (Merit-Order-Prinzip), steigen die Preise für alle Konsumenten. Ökonomen schätzen, dass irische Haushalte aufgrund dieses Effekts Hunderte Euro extra zahlen.


Zusatzaufwand kommt auch auf den irischen Netzbetreiber Eirgrid zu. Um die Strommengen transportieren zu können, muss Eirgrid das Stromnetz in Irland um Milliardensummen ausbauen und digitalisieren. Die Rede ist von bis zu sechs Milliarden Euro, die in den kommenden Jahren nötig sein werden.

Oberösterreichische Nachrichten